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Erste Bilder aus dem Neubau : Die neue Burg der EZB

  • -Aktualisiert am

Unter dem Ratssaal liegen im Südturm drei Etagen für die Obersten der EZB. Eine Etage für Präsident Mario Draghi und seinen Vize, zwei für den Rest des Direktoriums und Arbeitsräume. Diese Etagen darf derzeit kein Journalist betreten, sie sind geheim. Vom gewöhnlichen Volk sind sie getrennt durch zwei Etagen voller Technik, die darunter liegen. Und durch eine Tür im Treppenhaus, für die sicher nicht jeder einen Schlüssel bekommt.

Sicherheit hat hohe Priorität

Sowieso geht die Sicherheit vor in der EZB. Groß ist die Angst vor Anschlägen, obwohl die EZB in der Innenstadt doch bislang so verletzlich steht und noch nie etwas passiert ist. Das ist aus Sicht der Obersten keine Dauerlösung, war es nie, das war schon klar, als man Ende der 90er Jahre ein Grundstück suchte. Groß sollte es sein. Denn: „Der wesentliche Schutz gegen Anschläge ist der Abstand vom Gebäude zur Straße“, sagt Rinderspacher, der damals schon dabei war.

Der Architekt Wolf D. Prix sagt: „Ich habe noch kein Gebäude gebaut, bei dem Sicherheitsvorkehrungen eine so große Rolle gespielt haben.“ Das sieht man sofort am künftigen Haupteingang – obwohl die EZB es gerade dort gut verbergen möchte. Ein Graben trennt die Außenwelt vom EZB-Gelände. Wie einst in der Ritterburg dient der Graben dazu, Feinde abzuwehren – bei der EZB ist er ein Mittel, um geländegängigen Fahrzeugen die Anfahrt an die Türme zu erschweren. Das Gute am Graben: Im Gegenzug durfte der Zaun hinter dem Graben niedriger ausfallen, sodass man von der Straße aus die Türme und die Großmarkthalle besser sieht. Wie in einer echten Ritterburg gibt es außerdem auch einen Tunnel. Den braucht es, weil die Lastwagen, die beispielsweise das Essen für die Kantine bringen, nicht bis an den Turm vorfahren dürfen. Sie fahren stattdessen in eine versenkte Einfahrt, dort wird die Lieferung entladen und durch einen Tunnel zum Hauptgebäude gebracht.

Stattlicher Preis

Fürs gesamte Gelände gilt zudem: Es gibt mindestens drei Sicherheitsschranken, die Eindringlinge mit Autos überwinden müssten. Die erste stammt von der Stadt: Sie hat an zentralen Stellen – zum Beispiel am Main – dicke Poller auf öffentliche Wege gestellt, um die Bank zu schützen. Die zweite Sicherheits-schranke ist ein unauffälliges Mäuerchen, das als Anprallschutz dient für große Fahrzeuge. Dahinter als dritte Schranke ein Zaun, bis zu 2,20 Meter hoch oder eben teils niedriger und mit Graben davor. Dahinter folgt eine unregelmäßige hügelige Parklandschaft, für die gerade erste Bäume gepflanzt werden. Wenn sie fertig ist, ist sie ein vierter Schutz.

Das alles sollte Präsident Mario Draghi beruhigen, wenn er bald im 40. Stock über die Zukunft des Euro nachdenkt. Wann er einzieht, gibt die EZB nicht bekannt. Auch das Datum der ersten Pressekonferenz im neuen Gebäude steht noch nicht fest. Wenn es sehr schnell geht, könnte es schon am 6. November so weit sein, dem nächstmöglichen Termin. Der Saal für die Pressekonferenz ist auf jeden Fall schon fertig. Das Podium mit Blick in die Stadt ist aufgebaut, die Stühle stehen noch eingepackt an der Seite.

Dann wird es sicher auch wieder Fragen zu den Kosten des Bauprojekts geben. Rund eine Milliarde von den derzeit geschätzten 1,3 Milliarden Euro ist schon gezahlt. Dafür musste kein Steuerzahler ran, die EZB zahlt das locker aus ihren Gewinnen. Es bedeutet allerdings, dass die nationalen Notenbanken weniger Geld von der EZB aus Gewinnen erhalten und somit weniger an ihre Finanzminister ausschütten können.

Aber weniger Gewinn klingt weniger schlimm, erzeugt weniger Unmut, als wenn die Europäer den Bau aus ihren Steuern bezahlen müssten – auch wenn das kein großer Unterschied wäre. Auf jeden Fall sind 1,3 Milliarden Euro ganz schön ordentlich für 2900 Arbeitsplätze, die hier entstehen. Zum Vergleich: Die Doppeltürme der Deutschen Bank sollen, frisch renoviert und auf Öko getrimmt, für rund 600 Millionen Euro verkauft worden sein. Dabei ging es um eine ähnlich große Zahl von Arbeitsplätzen und um ein zwar deutlich kleineres Grundstück, dafür in allerbester Lage.

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