https://www.faz.net/-gqe-9jlk1

Erpressung des Amazon-Chefs : Der reichste Mann der Welt und seine Gegner

Amazon-Chef Jeff Bezos Bild: AP

Es geht um Macht, Liebe und Geld. Das Drama mit den Hauptdarstellern Bezos, Trump und Pecker geht in die nächste Runde. Die versuchte Erpressung wird wohl nicht der letzte Akt sein.

          3 Min.

          Die Geschichte hat alles, was ein klassisches Drama braucht. Es geht um Macht, Liebe und Geld, es gibt eine Erpressung und schlüpfrige Details. Der amerikanische Präsident Donald Trump, Amazon-Gründer Jeff Bezos – der reichste Mann der Welt – und die Klatschzeitung National Enquirer führen das Drama vor der Weltöffentlichkeit auf. Im jüngsten Akt stehen Bezos und der National Enquirer im Mittelpunkt.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bezos hat am Donnerstagabend auf der Webseite Medium.com einen Blogbeitrag veröffentlicht, in dem er dem Eigentümer des National Enquirer, der American Media Inc., vorwirft, ihn erpresst zu haben – oder das zumindest versucht zu haben.

          Es geht um Nacktfotos von Bezos und seiner Freundin Lauren Sanchez, die der National Enquirer – so Bezos – veröffentlichen wollte, sollte dieser weiter behaupten, die Berichterstattung der Klatschzeitung sei politisch motiviert. Hintergrund sind Verflechtungen des Geschäftsführers David Peckers mit dem Präsidenten Donald Trump und dem Königreich Saudi Arabien.

          Die Figurenkonstellation

          Um das Beziehungsgeflecht ein bisschen zu entwirren, hilft es, einmal näher auf die beteiligten Akteure einzugehen.

          Da ist zunächst der amerikanische Präsident Donald Trump. Der hatte einigen Berichten zufolge immer wieder außereheliche Affären. Wäre das im Wahlkampf 2016 an die Öffentlichkeit gelangt, hätte ihn das vor allem unter den evangelikalen Christen kaum noch wählbar gemacht, die aber ein bedeutender Teil der Trumpschen Wählerschaft waren.

          David Pecker ist Chef der American Media Inc.

          Trump hat schon seit den 1990er Jahren eine enge Freundschaft mit David Pecker. Pecker ist der Geschäftsführer von American Media. Der soll persönlich dafür gesorgt haben, dass das ehemalige Playmate und Model Karen McDougal im Wahlkampf 2016 ihre angebliche Affäre mit Donald Trump nicht öffentlich macht. American Media soll dafür auf Anweisung Peckers 150.000 Dollar an McDougal gezahlt haben. Das war ein sogenannter „Catch and Kill“, bei dem für tatsächliche oder vermeintliche Geschichten Geld bezahlt wird, um sie geheimzuhalten.

          Video

          Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam sollen auch der Pornodarstellerin Stormy Daniels 150.000 Dollar gezahlt haben. Da diese Zahlungen offenbar im Wahlkampf getätigt wurden und für den Wahlkampf von Bedeutung waren, hätten sie in der Buchhaltung erscheinen müssen. Dort tauchten sie jedoch nicht auf.

          Um den Plot komplett zu machen, kommt Jeff Bezos ins Spiel. Er ist der reichste Mann der Welt, der Gründer von Amazon und hat seit einigen Jahren eine Privatfehde mit Donald Trump. Im Wahlkampf 2016 soll Trump Bezos angeboten haben, Teil eines Beratungsteams zu werden. Der hat wohl nie auf das Angebot reagiert und wenig später im Scherz angekündigt, Donald Trump mit seinem Raumfahrtunternehmen ins Weltall zu schießen. Zudem ist er Eigentümer der Washington Post, der Trump immer wieder vorwirft, Unwahrheiten zu verbreiten und einseitig negativ über ihn zu berichten.

          Weitere Themen

          Mut zur Reform

          FAZ Plus Artikel: 100 Jahre Betriebsrätegesetz : Mut zur Reform

          Blutig wurde vor einem Jahrhundert das Recht erkämpft, Betriebsräte zu gründen. Umstritten ist das Gesetz bis heute. Zukunft hat es, wenn es an die moderne Arbeitswirklichkeit angepasst wird. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Auf dem Weg zur Arbeit: Die von manchen prognostizierten hohen Arbeitsplatz-Verluste im Londoner Finanzsektor blieben aus.

          Brexit und die Wirtschaft : Eine Delle, keine Katastrophe

          Die Prognosen zum Brexit waren überzogen, doch Investitionen und Wachstum haben gelitten. Mit dem Ende der Unsicherheit könnte es wieder aufwärts gehen.
          Zur Diskussion gestellt: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht ließ einen „Diskussionsentwurf“ verschicken, der vorstellt, wie sich die Beamten des Ministeriums die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in nationales Recht vorstellen.

          EU-Urheberrecht : Kein Vorschlag zur Güte

          Das Justizministerium schlägt vor, wie das neue EU-Urheberrecht in nationale Gesetze aufgenommen werden soll. Der Vorschlag wirkt moderat, doch er birgt Sprengstoff. Auch für die Bundesregierung.
          Hochzeitswagen auf den Straßen Istanbuls

          Brief aus Istanbul : Beim Kindermachen denken Sie woran?

          „Denken Sie während des Aktes an Ihren geistigen Führer, um ein sittsames Kind zu bekommen“: Wie sich die Regierenden in der Türkei ins Privatleben ihrer Bevölkerung einmischen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.