https://www.faz.net/-gqe-9jlk1

Erpressung des Amazon-Chefs : Der reichste Mann der Welt und seine Gegner

Bis Anfang Januar gab es kaum eine Verbindung zwischen Bezos und Geschäftsführer Pecker. Doch dann nahm das Drama eine weitere unerwartete Wendung. Der National Enquirer, der zum Pecker-Konzern gehört, berichtete über eine Beziehung zwischen Bezos und der Moderatorin Lauren Sanchez. Bezos gab – wohl auch deshalb – bekannt, sich von seiner Frau, der Schriftstellerin MacKenzie Bezos, scheiden lassen zu wollen. Der National Enquirer zitierte aus privaten Chatverläufen der beiden. Trump twitterte amüsiert, der National Enquirer berichte gründlicher als die Washington Post und er freue sich, dass die Klatschzeitung seinen Rivalen schwäche. In dem Post verpasste er Bezos den Spitznamen „Bozo“, eine bekannte amerikanische Clownsfigur.

Die Erpressung

Doch das Drama geht noch weiter. Der nächste Akt begann am Donnerstagabemd. Bezos schreibt in einem Blog, dass er nach den Enthüllungen den Detektiv Gavin de Becker engagiert habe, den er seit zwanzig Jahren kenne und der auf dem Gebiet einer der besten sei. Er habe herausfinden wollen, wie die Klatschzeitung an die privaten Inhalte gelangt sei.

Bezos schreibt, er habe erfahren, dass Pecker wegen der Ermittlungen „apoplektisch“, also vor Wut einem Schlaganfall nahe sei. Vor allem Untersuchungen zu den Beziehungen Peckers nach Saudi-Arabien träfen offenbar einen empfindlichen Nerv. Die Ergebnisse sollten offenbar in der Washington Post veröffentlicht werden.

Der amerikanische Präsident Donald Trump, der Chef von Microsoft Satya Nadella und Jeff Bezos (rechts)

Der Anwalt seines Ermittlers de Becker habe innerhalb weniger Tage eine Nachricht erhalten. Der Absender: Ein Manager von American Media. Der Inhalt: Eine Drohung. Man werde intime Fotos von Bezos und Sanches abdrucken. Wenn Bezos das nicht wolle, gebe es nur eine Lösung: Stopp der Untersuchung der Verbindung Peckers nach Saudi-Arabien und Schluss mit den Behauptungen, die Berichterstattung sei politisch motiviert. Bezos veröffentlicht diese angeblichen E-Mails in dem Blogpost und veröffentlicht sogar die Telefonnummern der Manager.

Das abgelehnte Angebot

Laut Bezos argumentierte American Media, es gebe ein öffentliches Interesse an den Fotos, da sie einen Hinweis darauf lieferten, dass Bezos als Amazon-Geschäftsführer untauglich sei. Bezos verweist darauf, dass er mit Amazon einen Weltkonzern aufgebaut habe. Die Bilder seien privat, American Media würde sich mit der Veröffentlichung strafbar machen.

Bezos berichtet, dass die Führung von American Media ihm dann so etwas gemacht habe, wie ein „Angebot, das er nicht ablehnen konnte“. Sieben Punkte wurden für eine mögliche Vereinbarung vorgeschlagen. American Media hätte sich verpflichtet, die Bilder nicht zu veröffentlichen, Bezos hätte öffentlich verkünden müssen, dass die Berichterstattung des National Enquirer nicht politisch motiviert sei. American Media hätte zudem versichert, dass die Berichterstattung nicht auf Lauschangriffen auf Bezos basierte. Die Vereinbarung wäre geheim geblieben. Indes: Diese Rechnung hatte American Media ohne Bezos gemacht.

Jeff Bezos und MacKenzie Bezos

Bezos ist nun in die Offensive gegangen. Damit nimmt er der Erpressung, sollte es sie wirklich gegeben haben, den Wind aus den Segeln. Es ist die nächste Wendung in diesem Live-Drama vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Der nächste Akt kommt bestimmt.

Weitere Themen

Topmeldungen

CDU-Parteitag in Leipzig : Ein böses Omen?

In Leipzig sind der CDU Wunden geschlagen worden, die bis heute nicht ganz verheilt sind. Für Annegret Kramp-Karrenbauer kann der Blick zurück eine Warnung sein – und Trost bieten.
Baden-Württembergs Maschinenbauer erhalten immer weniger Aufträge.

F.A.Z. exklusiv : Ein Hilferuf aus Baden-Württemberg

Das Land der Autos und des Maschinenbaus steckt in der Krise. In seltener Einmütigkeit fordern Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften Hilfe vom Bund – in einem deutlichen Brief an Hubertus Heil.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.