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ERP-Software : „Das ist schlimmer als Brexit, Trump und Handelskrieg“

Liqui-Moly-Chef Ernst Prost macht seiner Wut auf einem ungewöhnlichen Foto Luft. Bild: Pressefoto

Liqui-Moly-Chef Ernst Prost zeigt seine Wut über das Chaos nach einer Software-Umstellung ganz offen auf einem ungewöhnlichen Foto. Der Gewinn des Motoröl-Spezialisten ist um 30 Prozent eingebrochen.

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          Ernst Prost hat die Schnauze voll. In seiner ganzen Wut hat er sich fotografieren lassen, damit endlich mal über ein Problem gesprochen wird, das nicht nur ihn, sondern auch viele andere Unternehmenschefs zur Weißglut treibt: die Software-Umstellung. „Das ist schlimmer als Brexit, Trump und Handelskrieg“, sagt der Liqui-Moly-Chef im Gespräch mit der F.A.Z.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          All diese äußeren Einflüsse und natürlich auch der Umbruch in der Autobranche machen das Geschäft für den Motoröl-Spezialisten aus Ulm nicht gerade einfacher. Aber das würde Prost nicht schrecken, der Liqui Moly vor knapp 20 Jahren von seinem damaligen Arbeitgeber gekauft und groß gemacht hat.

          So gut lief es zeitweise, dass Prost seinen Mitarbeitern – die er Mit-Unternehmer nennt, um ihre Eigeninitiative zu fördern – schon zweimal eine Jahresprämie von 11.000 Euro zahlte. So einen wirft wirtschaftlicher Gegenwind nicht um. Aber das Software-Chaos hat so heftige Wirkungen, dass Prost sicher ist: wäre Liqui Moly börsennotiert, müsste er jetzt eine Warnung vor verminderten Gewinnen absetzen.

          Um rund 30 Prozent auf 11 Millionen Euro ist der Gewinn im ersten Halbjahr abgesackt. „Ich hätte nie gedacht, dass eine Softwareumstellung ein ganzes Unternehmen dermaßen ins Schleudern bringen kann.“ Damit die Kunden in mehr als 120 Ländern rechtzeitig beliefert werden können, müsse man immer wieder die teure Luftfracht nutzen, Container würden nur halb befüllt, Speditionen müssten länger als geplant warten – ein Sammelsurium von Ärger und Kosten, das zu bewältigen ist: „Ich habe mich noch nie so oft bei meinen Kunden entschuldigen müssen wie in den letzten sechs Monaten.“

          Immerhin, Prost trifft auch auf viel Verständnis. Anderen geht es auch nicht anders, wenn sie eine neue ERP-Software installieren, wie die Steuerungs- und Planungs-IT genannt wird: „Da läuft bei allen nur die Sanduhr auf dem Bildschirm...“ sagt Prost - und weil es eben so ein typisches Problem ist, will er lieber erst gar nicht den Namen seines Lieferanten nennen. Während aber die alte IT auf Cobol-Basis von einem einzigen Mitarbeiter am Laufen gehalten wurde, hakt es jetzt an allen Ecken und Enden: „Wir improvisieren den ganzen Tag, um das Schlimmste zu verhindern.“

          War das Ziel, Kosten zu sparen und Abläufe zu vereinfachen, so ist Prost jetzt damit beschäftigt, zusätzliche Leute einzustellen, weil die komplette Auftragsabwicklung, vom Zollformular bis zur Rechnung doppelt so viel Zeit verschlingt wie zuvor.

          Prost will natürlich nicht die Gäule scheu machen und vor allem die Belegschaft nicht verunsichern – und betont deshalb in einer Pressemitteilung zu der Ergebnisverschlechterung: „Blinden Aktionismus in Form von Kurzarbeit oder Stellenabbau wird es bei uns nicht geben.“ Aber im Gespräch mit dieser Zeitung macht er doch klar, dass er keine Hoffnung hat, dass die Probleme schon bald bewältigt sind, obwohl er eine eigene Spezialisten-Truppe aufgebaut und Software-Häuser eingebunden habe: „Da arbeiten Jungs dran, die 1000 oder teils sogar 2000 Euro am Tag kosten.“ Jetzt ist ihm ganz einfach die Hutschnur hochgegangen.

          Ob er seine Aktion auch mit dem Würth-Konzern abgesprochen hat, die Liqui Moly vor eineinhalb Jahren gekauft und den bisherigen Unternehmer zum Geschäftsführer gemacht haben? Nein, sagt Prost: „Von Würth war in der ganzen Zeit noch niemand da, die vertrauen uns voll und ganz.“ Wahrscheinlich wird mancher in Künzelsau schmunzeln. Für ein offenes Wort ist schließlich auch der Patriarch Reinhold Würth bekannt.

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