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Erneuerbare Energie : Statt Öko-Planwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Dank extremer Förderung ist das schattige Deutschland der weltgrößte Solarmarkt - mit teils absurden Folgen. Es wäre für alle besser, wenn man die Förderung erneuerbarer Energie völlig neu organisierte.

          Die beiden deutschen "Energieminister" wollen den Anstieg der grotesken Überförderung der Solarindustrie dämpfen. Hierfür gebührt dem Umweltminister Röttgen (CDU) und dem Wirtschaftsminister Rösler (FDP) Lob. Der Dank der Stromkunden ist ihnen sicher, denen für die Förderung des Ökostroms jährlich 12 Milliarden Euro über die Stromrechnung vom Konto abgebucht werden. Allein die Photovoltaik verschlingt die Hälfte davon, obwohl nur 3 Prozent des Stroms von der Sonne kommen. Jeder der etwa 80.000 Arbeitsplätze dieser Branche in Deutschland wird im Schnitt mit 75.000 Euro subventioniert. Das ist mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Bruttolohns im Land. Dank extremer Förderung ist das schattige Deutschland der weltgrößte Solarmarkt, doch mehr als die Hälfte der hier verbauten Zellen kommt aus China, wo mit dem Geld hiesiger Verbraucher ungezählte Arbeitsplätze entstanden sind.

          Deutsche Solarunternehmen investieren zu wenig

          Die Statistik zeigt die Dimension des Förderwahns, erklärt aber nicht den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Strukturschaden. Indem Beamte und Politiker feste Vergütungssätze bestimmen, schalten sie den Wettbewerb um die beste und günstigste Technik zwischen den verschiedenen Formen erneuerbarer Energie aus. Deshalb investieren deutsche Solarunternehmen auch viel weniger als andere in Forschung und Entwicklung, was nebenbei erklärt, warum heimische Firmen im globalen Wettlauf immer weniger mithalten können. Lohnender ist es, billige Paneele aus Asien einzuführen, da winken höhere Margen für Händler. Die lange Förderdauer von zwanzig Jahren nimmt jeden Anreiz, in technisch bessere Produkte zu investieren. Letztlich profitieren vor allem Handwerker, die hohe Renditen auf den Solarmarkt locken.

          Es wäre für Verbraucher günstiger und für die Unternehmen sowie den Klimaschutz besser, wenn man die Förderung erneuerbarer Energie nach der gelungenen Anschubfinanzierung völlig neu organisierte. Hierfür lohnt ein Blick in die Vereinigten Staaten. Amerikas Politiker fördern Ökostrom intelligenter, indem sie den Versorgern nur vorgeben, dass bestimmte Anteile des erzeugten oder bezogenen Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Das Quotenmodell sorgt für Wettbewerb um die technisch effizienteste Lösung mit dem Preis als Lenkungsinstrument. Dann entscheiden nicht Beamte in einer Öko-Planwirtschaft, sondern Erzeuger und Verbraucher über den Markt, wer, wie und wo am besten Strom aus erneuerbaren Quellen schöpft.

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