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Erneuerbare Energie : Auch Solarhybrid ist insolvent

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Der Vorstandsvorsitzende der Solarhybrid AG, Tom Schröder, hat im März einen Großteil seiner Solarhybrid-Aktien verkauft. Er hält jüngsten Angaben zufolge noch 2,77 Prozent der Stimmrechte nach über elf Prozent im November Bild: dpa

Nächste Pleite in der Solarbranche: Nach Solon und Solar Millennium ist nun auch die Solarhybrid AG aus dem Sauerland zahlungsunfähig.

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          Nach Solon und Solar Millennium gibt es ein drittes deutsches Opfer in der Solarbranche: Die Solarhybrid AG ist insolvent. Das seit 2008 an der Börse notierte Unternehmen teilte mit, es habe beim Amtsgericht Arnsberg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Überraschend kommt die Pleite nicht. Solarhybrid hatte bereits Anfang März gewarnt, durch die geplante Streichung der Förderung für größere Solaranlagen sei das Geschäftsmodell der Firma in Deutschland gefährdet.

          Solarhybrid hat sich auf die Entwicklung von Solarkraftwerken spezialisiert und leidet somit besonders unter der geplanten Kürzung der Solarförderung. Die Bundesregierung will unter anderem die Förderung von Freilandanlagen von mehr als 10 Megawatt Spitzenleistung ab 1. Juli streichen. Für Kraftwerke, die bis dahin nicht fertiggestellt sind, sollen keine Einspeisevergütungen mehr gezahlt werden. Der Solarhybrid-Vorstand hatte daraufhin Anfang des Monats erklärt, es drohe der Verlust von bereits getätigten Investitionen von mehr als 10 Millionen Euro für Pojekte, die nun nicht mehr oder nur teilweise realisiert werden könnten.

          Aktienverkauf im Visier der Finanzaufsicht

          Unterdessen kündigte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) an, einen Aktienverkauf von Vorstandschef und Firmengründer Tom Schröder zu prüfen. Dieser hatte am 13. März einen Großteil seiner Solarhybrid-Aktien verkauft. Er hält jüngsten Angaben zufolge noch 2,77 Prozent der Stimmrechte, im November waren es noch mehr als 11 Prozent. Der Aktienkurs brach daraufhin um über 40 Prozent auf 69 Cent ein. Einen Tag später wurde dann auch der Aktienverkauf von Vorstandsmitglied Michael Spitz mitgeteilt.

          Die Bafin erklärte nun, die Transaktionen routinemäßig zu untersuchen. Sollten sich Anhaltspunkte auf einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz oder Insiderhandel ergeben, werde der Sachverhalt weiter ermittelt. Bei einem Verstoß werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, erläuterte die Sprecherin das Vorgehen der Behörde.

          Die Firma aus dem sauerländischen Brilon setzte in den ersten neun Monaten 2011 rund 286 Millionen Euro um. Das Konzernergebnis lag bei rund 5,9 Millionen Euro, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht hervorgeht.

          Das Unternehmen ist ein vergleichsweise kleiner Vertreter der Branche. Die Krise hat aber schon längst auch die großen Solar-Unternehmen erfasst. So kämpfen Conergy und Q-Cells ums Überleben. Solon und Solar Millennium hatten den Kampf bereits verloren und im Dezember Insolvenz angemeldet. Solon wurde inzwischen vom Solarzellenproduzenten Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übernommen. Die gesamte Branche leidet unter Überkapazitäten und sinkender Förderung.

          Solarhybrid hat sich auf die Entwicklung von Solarkraftwerken spezialisiert und leidet somit besonders unter der geplanten Kürzung der Solarförderung
          Solarhybrid hat sich auf die Entwicklung von Solarkraftwerken spezialisiert und leidet somit besonders unter der geplanten Kürzung der Solarförderung : Bild: dpa

          Auch der einst stets strahlende und optimistisch in die Zukunft blickende Solarworld-Chef Frank Asbeck warnt inzwischen vor dauerhaft schweren Zeiten: „Wenn die Kürzung so durchgeht, ist die gesamte Branche gezwungen, unter ihren Kosten zu verkaufen. Das halten wir nicht lange durch“, sagte er am Dienstag. Es gebe in der gesamten Branche kein Unternehmen mehr, das noch schwarze Zahlen schreibe, sagte Asbeck. Das gelte auch für die chinesischen Hersteller.

          Sorge um Deutschlands Solarindustrie

          Noch drastischer schätzt Klaus-Dieter Maubach, Technologie-Vorstand beim Energieversorger Eon die Lage ein: Deutschlands Solarindustrie werde in den kommenden fünf Jahren angesichts des Wettbewerbs aus China verschwinden. Nicht ein einziger Arbeitnehmer werde dann noch bei den deutschen Solarunternehmen arbeiten, denn die seien dann alle pleite, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Maubach.

          Für Kraftwerke, die bis zum 1. Juli nicht fertiggestellt sind, sollen keine Einspeisevergütungen mehr gezahlt werden. Das beträfe unter anderem das Großprojekt der Solarhybrid in Neuhardenberg, das erst Ende des Jahres ans Netz geht und in das die Firma bereits 7,5 Millionen Euro investiert habe
          Für Kraftwerke, die bis zum 1. Juli nicht fertiggestellt sind, sollen keine Einspeisevergütungen mehr gezahlt werden. Das beträfe unter anderem das Großprojekt der Solarhybrid in Neuhardenberg, das erst Ende des Jahres ans Netz geht und in das die Firma bereits 7,5 Millionen Euro investiert habe : Bild: dpa

          Unabhängig davon kündigten die Vereinigten Staaten im Kampf gegen chinesische Billig-Konkurrenz Schutzzölle für Solarimporte an, die allerdings deutlich geringer ausfielen als erwartet.

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