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Bilanzskandal : Ermittler durchsuchen Wirecard-Büros

Wirecard-Zentrale in Aschheim Bild: Reuters

Die Staatsanwaltschaft München rückte mit zwölf Strafverfolgern an. Zur Unterstützung wurden sie von 33 Polizeibeamten und weiteren IT-Fachleuten des Polizeipräsidiums München begleitet. Auch das Privathaus des ehemaligen Vorstandschefs Markus Braun wurde durchsucht.

          3 Min.

          Im Wirecard-Bilanzskandal hat es am Mittwoch Durchsuchungen am Unternehmensstandort Aschheim und weiteren Büros im Umfeld des insolventen Zahlungsabwicklers gegeben. Die Staatsanwaltschaft München rückte mit zwölf Strafverfolgern an, die von 33 Polizeibeamten und weiteren IT-Fachleuten des Polizeipräsidiums München sowie ihren Kollegen unterstützt wurden.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Es gehe dabei in erster Linie um die Vorwürfe, die schon zu den Haftbefehlen gegen die früheren Wirecard-Vorstände Markus Braun und Jan Marsalek geführt hätten, also „unrichtige Angaben und Marktmanipulation gemäß § 331 Handelsgesetzbuchs, § 119 Wertpapierhandelsgesetz in mehreren Fällen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Vorausgegangen waren Anzeigen gegen den ehemaligen Wirecard-Chef Braun und seinen Kollegen Marsalek, der vermutlich in Asien untergetaucht ist.

          Beide Beschuldigte sind Österreicher. Während Braun der deutschen Justiz seine Kooperationsbereitschaft zugesichert hat und gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro auf freiem Fuß ist, wird Marsalek per Haftbefehl gesucht. Er dürfte vermutlich in Asien untergetaucht sein, nachdem sich bei dem Dax-Konzern das Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro aufgetan hatte.

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erforderte die groß angelegte Durchsuchungsaktion eine intensive Vorbereitung „angesichts des zu erwartenden Umfangs der sicherzustellenden Beweismittel.“ Dem Vernehmen nach soll auch das Haus von Braun, der mit seiner Familie in Wien lebt, durchsucht worden sein. Bereits Anfang Juni waren die Ermittler in Aschheim vorstellig geworden.

          Das Asien-Geschäft schmilzt

          Die Zentralbank des Finanzplatzes Singapurs, die die Ermittlungen gegen Wirecard spätestens seit einer polizeilichen Durchsuchung im Februar vergangenen Jahres vorantreibt, erklärte unterdessen, diese seien „ausgedehnt und setzten sich fort“. In einer Mitteilung weist die Monetary Authority of Singapore (MAS) auf das globale Netzwerk von Wirecard hin, dass die Ermittlungen erschwert: „Aufgrund der grenzüberschreitenden Natur einiger Transaktionen, haben die Singapurer Behörden sich an die entsprechenden ausländischen Behörden gewandt mit der Bitte um weitere Informationen, stehen aber auch bereit, Ermittlungen ausländischer Behörden zu unterstützen, wenn dies gefragt ist.“

          Die philippinische Anti-Geldwäschebehörde hat beispielsweise eine Liste von Namen und Firmen vorgelegt, die in internationaler Abstimmung überprüft werden soll. Auf Fragen nach der Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden gaben die Singapurer Beamte keine Auskunft.

          Zugleich schmilzt das Geschäft für Wirecard im Wachstumsmarkt Asien weg. Die Kreditkartenriesen Mastercard und Visa prüfen, ob sie Wirecard weiter für Abrechnungen zulassen. Die MAS erklärte, sie habe Wirecard „über unsere Erwartungen informiert, dass sie ihre Kunden zeitnah vor einer Unterbrechung ihrer Dienstleistungen informiert“. Derzeit ist Wirecard in Singapur noch von einer Lizenz durch die MAS befreit, hat aber Genehmigungsunterlagen eingereicht – denn die Befreiung währt nur ein Jahr.

          Angesichts der Lage der Deutschen herrschen in der Branche größte Zweifel, das MAS Wirecard Asia Holding eine solche Lizenz noch erteilt. Nach der Übernahme des Asiengeschäftes von der Citibank im Jahr 2017 verfügt Wirecard über elf Länder in der Region im Portfolio: Neben Singapur gehören auch Hongkong, Macau, Malaysia, Taiwan, Indonesien, die Philippinen, Thailand, Indien, Australien und Neuseeland datz.

          Darüber sollen rund 20.000 Geschäftskunden bedient werden. Der Gewinn daraus sollte im vergangenen Jahr vor Abschreibungen, Steuern und Zinsen mehr als 20 Millionen Euro betragen, hatte Wirecard zuvor erklärt.

          In Australien hat derweil der Wirecard-Chef Carl Mohan gekündigt. Allerdings will er noch ein Vierteljahr an Bord sein, um dabei zu helfen, die Probleme aufzuklären. Mohan steht erst seit dem vergangenen Jahr in Diensten der Deutschen, zuvor leitete er über vier Jahre das Geschäft für Partnerschaften und Wachstum bei der honorigen National Australia Bank. Zumindest die drei Banken Westpac, Bendigo und Adelaide Bank arbeiten mit Wirecard in Australien und Neuseeland zusammen.

          Die ANZ Bank hat die Geschäftsbeziehungen gekündigt, nachdem es im vergangenen Jahr um Auseinandersetzungen um eine Kreditkarte für Reisende gekommen war. Im Wirecard-Dickicht lassen sich zwei australische Firmen ausmachen: Wirecard Australia, die keine Konten führt, und Wirecard Australia A&I. Letztgenannte hat ihren ausgewiesenen Verlust im vergangenen Jahr von zuvor 14,8 auf 6 Millionen australische Dollar (3,7 Millionen Euro) verringert. Erst im Mai hatte Wirecard Australia eine Finanzspritze von 10 Millionen Australischen Dollar vom Mutterhaus erhalten.

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