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Erklär mir die Welt (8) : Warum gibt es nicht nur eine Währung auf der Welt?

Nur ein Traum: eine Münze für die Welt Bild: DIETER RÜCHEL

Eine Weltreise nur mit Euro in der Tasche - das wäre schön. Doch die Währung ist ein Spiegel der Wirtschaftskraft. Und die ist von Land zu Land verschieden.

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          Wer hat sich nicht schon auf Reisen über die Kosten geärgert, die beim Tausch heimischer Euro gegen Dollar, Pfund, Franken oder andere Fremdwährungen anfallen? Für Banken, Geldwechsler und Hotels mag der Währungstausch ein wunderbares Geschäft darstellen, für den Reisenden ist er unangenehm. Daher liegt die Frage nahe: Wäre es nicht einfacher, wir hätten nur noch eine einzige Währung auf der Welt?

          Der Gedanke mag utopisch klingen, aber er spricht nicht nur weltfremde Träumer an. Auch erstklassige Fachleute haben schon über Sinn oder Unsinn einer Weltwährung nachgedacht. Die Debatten zeigen, daß mehr dagegen spricht als dafür.

          Handelshemmende Wirkung der Währungsvielfalt

          Die Idee wurde im 19. Jahrhundert populär, als mit der Industrialisierung eine erste Globalisierungswelle begann und sich Ökonomen wie Geschäftsleute fragten, ob die Einführung einer globalen Einheitswährung nicht dazu geeignet wäre, den internationalen Handel zu beschleunigen und somit weiteren Wohlstand zu schaffen.

          „Das Geschäftsleben ist überall identisch. Kaufen und verkaufen, leihen und verleihen funktioniert stets nach dem gleichen Muster“, schrieb Walter Bagehot, der bedeutendste britische Wirtschaftsjournalist des 19. Jahrhunderts. „Daher sollte alles, was den Handel betrifft, ebenfalls überall gleich sein.“ Aus dieser Perspektive erscheint der Gedanke an ein globales Geld nicht völlig abwegig, denn noch in unserer Zeit belegen Studien einen den Handel hemmenden Effekt von Währungsgrenzen.

          Im Laufe der Zeit kamen weitere Argumente für eine Einheitswährung hinzu. So verhindere sie den Mißbrauch einer nationalen Währung durch eine nationale Regierung, wie er sich in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern beobachten lasse, sagen Befürworter. Für Menschen, die in einem Land mit chronisch hoher Inflation leben, wäre eine stabile Weltwährung sicherlich eine lockende Alternative.

          Währung als Mittel der politischen Einigung

          Hinzu tritt eine politische Hoffnung, die einer Weltwährung zutraut, zum Abbau von Spannungen in der Welt beizutragen und die politische Integration zu fördern. Das Argument ist aus der Entstehungsgeschichte des Euro bekannt, den manche Befürworter als Vehikel für ein politisches Zusammenwachsen Europas gedeutet haben. Was hatte der französische Währungsfachmann Jacques Rueff schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg prophezeit? „Ein geeintes Europa wird durch eine Währung entstehen oder überhaupt nicht.“ In diesem Sinne: Was spräche dagegen, die Idee des Euro auf die ganze Welt zu übertragen?

          Einiges. Es ist wohl kein Zufall, daß es eine richtige Weltwährung niemals gegeben hat. Am ehesten entsprach ihr noch das Geld der Römer während der Glanzzeit des Imperium Romanum (siehe Kasten). Später erlangten zunächst das Gold und heute der Dollar eine gewisse Prominenz im internationalen Währungswesen. Aber von einem richtigen globalen Geld, das eine mit Vertretern aus aller Welt besetzte Zentralbank ausgibt, sind wir weit entfernt.

          Währung als Gegenstand politischer Spaltung

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