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Erklär mir die Welt (4) : Warum verdienen Fußballspieler so viel Geld?

  • -Aktualisiert am

Top-Verdiener: Ronaldinho (23,0 Mio. Euro) Bild: picture-alliance/ dpa

Fußballstars erhöhen die Qualität ihrer Mitspieler, ihre Vereine werden wettbewerbsfähiger. Sie locken weitere Stars in die Liga, das Interesse der Zuschauer nimmt zu. Der Markenwert des Fußballs steigt, der Geldregen für die Vereine hält an. Dafür lassen sich Ronaldinho, Ballack und Co. fürstlich bezahlen.

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          Die Welt ist ungerecht. Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, steht seit Jahren heftigst in der Kritik. Sein Gehalt von rund zwölf Millionen Euro gilt vielen als moralisch verwerflich. Da helfen ihm auch Umsätze von über 25 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent nichts, ganz im Gegenteil. Der Star des FC Barcelona, Ronaldinho, kann über die Einkünfte eines Ackermann nur lächeln. Mit 23 Millionen Euro verdient er fast das Doppelte. Die Fans neiden ihm den Verdienst nicht, obwohl Barca ein Mittelständler mit gerade mal 200 Millionen Euro Umsatz und mäßiger Rendite ist.

          Dabei ist das Einkommen, das Ronaldinho erzielt, nur die Spitze des Eisbergs hochbezahlter Kicker. Ronaldo auf Platz drei der Geldrangliste kam in der Saison 2005/2006 auf 17,4 Millionen Euro, Zinedine Zidane auf Platz sechs erzielte über 15 Millionen Euro, und John Terry auf Platz zehn verdiente noch 9,7 Millionen Euro.

          Über drei Milliarden Euro für 20 Clubs

          Nach dem Wechsel zum FC Chelsea wird auch Michael Ballack mit geschätzten Einkünften von zehn Millionen Euro im Jahr in die Top ten aufrücken. Aber auch mittelmäßige Kicker gehören zum Club der Millionäre. In den letzten Jahren sind die Einkünfte der Balltreter geradezu explodiert.

          David Beckham (18,0 Mio.)

          Das ökonomische Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt auch auf dem Markt für Fußballspieler. Der Preis steigt, wenn das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt. Genau das passiert seit Mitte der neunziger Jahre in Europa. Die Einnahmen der 20 führenden Clubs stiegen von 1,2 Milliarden Euro in der Saison 1996/97 auf über drei Milliarden Euro 2004/05.

          Privatfernsehen verbessert Vermarktungschancen

          Allerdings schien die Entwicklung zunächst anders zu verlaufen. Der Europäische Gerichtshof entschied 1995 im Bosman-Urteil (benannt nach einem Fußballer) zum einen, daß Profifußballer in der Europäischen Union nach Vertragsende ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln dürfen. Zum anderen wandte sich die Entscheidung gegen Beschränkungen des Einsatzes von Ausländern in der EU und öffnete damit die Spielermärkte.

          Überall in den europäischen Topligen nahm der Ausländeranteil sprunghaft zu. Für sich betrachtet wirkt die Öffnung der Spielermärkte dort eigentlich wie eine Bremse für die Spielergehälter. Aber auch die Bosman-Entscheidung konnte die Einkommen der Kicker nicht im Zaum halten. Die Kaufkraft der Vereine der besten Ligen stieg spürbar. Auslöser war die Öffnung der Märkte für elektronische Medien. Mit dem privaten Fernsehen verbesserten sich die Vermarktungschancen des Fußballs grundlegend. Die Fernsehgelder steigerten die Finanzkraft der Vereine. Werbung, Sponsoren und Merchandising spülten weitere Millionen in die Kassen. Vor allem englische Vereine wählten die Rechtsform der Aktiengesellschaften und besorgten sich Millionen auf den Kapitalmärkten.

          Champions League als Geldmaschine

          Nach einer Drohung führender europäischer Vereine, eine eigenständige Liga zu installieren, reagierte der europäische Fußballverband, die Uefa. Sie folgte der Logik des Marktes, reformierte die europäischen Wettbewerbe und vergrößerte die Absatzmärkte. Vor allem die Champions League entwickelte sich für die teilnehmenden Vereine zu einer Geldmaschine, an der neben den Landesmeistern weitere nationale Spitzenclubs teilnehmen. Ihre Zahl hängt von der Stärke der nationalen Ligen ab. Die Politik der Uefa stärkte die Kaufkraft der Vereine insgesamt weiter.

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