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Erklär mir die Welt (38) : Warum sind Firmenpleiten gut?

  • -Aktualisiert am

Holzmann (2002): Gutes oder schlechtes Beispiel? Bild: AP

Mit Insolvenzen verbinden wohl die wenigsten etwas Positives. Doch sie haben ihre guten Seiten: Wenn die alten Eigentümer versagt haben, geht das Unternehmen an neue. Weniger, aber sichere Arbeitsplätze bleiben erhalten.

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          Der Titel des heutigen Beitrags wird manche Leser verärgern: Was soll an Firmenpleiten gut sein? Haben wir nicht mit Unternehmenszusammenbrüchen genug negative Erfahrungen gesammelt? Man denke nur an die Bauunternehmung Holzmann AG, die im Jahre 2002 Konkurs anmelden musste. Wie es damals in der Presse hieß, waren 24.000 Arbeitsplätze gefährdet, davon allein 11.000 in Deutschland.

          Was also soll das Gerede der Ökonomen von den „guten“ Unternehmenspleiten? Hinter dieser Sichtweise steht keineswegs eine Geringschätzung des menschlichen Leids oder des wirtschaftlichen Schadens von Unternehmenspleiten. Im Gegenteil, die ökonomische Sichtweise berücksichtigt die Gesamtauswirkung einer Pleite auf die Wohlfahrt einer Gesellschaft. Und die ist meist positiv.

          Zugeständnisse von allen Seiten

          Schauen wir uns eine Firmenkrise einmal aus der Nähe an: Ein Unternehmen, das seine laufenden Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, wird den Insolvenzantrag bei einem Gericht stellen müssen. Der Insolvenzrichter entscheidet dann, ob ein Rettungsversuch, eine sogenannte Sanierung oder Restrukturierung, unternommen werden darf. Während dieser Sanierungsperiode ist das Unternehmen vor dem Zugriff der Banken und anderer Gläubiger geschützt. In dieser Zeit wird versucht, die Kosten zu reduzieren und jene Teile des Firmenvermögens zu veräußern, die nicht unbedingt für den Produktionsprozess benötigt werden. Oft gibt es auch Zugeständnisse von Lieferanten, Arbeitnehmern und Kreditgebern. Am Ende einer derartigen Sanierungsperiode kann das Unternehmen besser dastehen als zuvor, oft mit neuem Management, geänderter Ausrichtung, weniger Mitarbeitern - aber mit wiedergewonnener Zahlungsfähigkeit.

          Bild: F.A.Z.

          Selbst wenn ein Sanierungsversuch scheitert und das alte Unternehmen zerschlagen wird, gilt: Die Insolvenz eines Betriebes führt mitnichten dazu, dass alle Arbeitsplätze und Produktionsanlagen vollständig vernichtet werden. Vielmehr ist zu erwarten, dass die leistungsfähigen Bestandteile auf andere Unternehmen übertragen werden, wo sie unter neuem Namen und unter neuer Leitung ihre Arbeit fortsetzen können. Schauen wir noch einmal auf das eingangs erwähnte Beispiel der Holzmann AG. Im Verlauf des Insolvenzverfahrens konnten von den ursprünglich 11.000 im Inland gefährdeten Arbeitsplätzen insgesamt weit über 7.000 erhalten werden. Dies allerdings nicht unter dem Namen Holzmann AG, sondern unter dem Namen konkurrierender Bauunternehmen, die Bauprojekte und laufende Baustellen aus der Konkursmasse der Holzmann AG übernommen haben.

          Insolvenz kostet 20 Prozent des ursprünglichen Wertes

          Schmerzlich bleibt eine solche Verwandlung des Unternehmens aber für die Kapitalgeber, insbesondere die Eigenkapitalgeber, die Eigentümer. Die Ansprüche, die sie aus ihrer Position haben, verlieren sie üblicherweise restlos - und damit in der Regel auch ihren Führungsanspruch. Erreicht wird dies durch ein Insolvenzverfahren. Wenn Eigentümer nicht in der Lage sind, ein Unternehmen gut zu führen, dann geht die Verantwortung auf neue Eigentümer und ein neues Management über. Die machen ihre Arbeit dann hoffentlich besser.

          Dies ist also die Antwort auf die Leitfrage dieser Folge: Firmenpleiten werden von Ökonomen oftmals positiv bewertet, weil sie eine neue Zuordnung von Eigentumsrechten ermöglichen. Dadurch können sie eine neue Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter schaffen.

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