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Erklär mir die Welt (22) : Warum ist Arbeitsteilung sinnvoll?

  • -Aktualisiert am

Auch eine Form der Arbeitsteilung Bild: DIETER RÜCHEL - FAZ

Der Bäcker sorgt fürs Brot, der Schlachter fürs Fleisch, und der dritte macht daraus die besten Sandwiches. Jeder macht nur das, was er am besten kann: Das ist gut für alle. Und nützt sogar denen, die gar nichts können.

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          Es ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Erkenntnisse der Menschheit: die Einsicht, daß Arbeitsteilung sinnvoll ist. Menschen tun das, was sie gut können, und lassen jenes, wozu sie weniger talentiert sind. Die eine schreibt kluge Artikel, der andere wickelt in der Zwischenzeit die Kinder.

          Der Bäcker sorgt fürs Brot, der Schlachter fürs Fleisch, und der dritte macht daraus die besten Sandwiches. Adam Smith schilderte, wie die Herstellung von Stecknadeln in einzelne Teile zerlegt werden kann: Draht ziehen und schneiden, zuspitzen und schleifen.

          David Ricardo schrieb davon, daß sich England auf die Herstellung von Tuch konzentrieren solle, Portugal dagegen auf die Weinproduktion - eine Aufteilung, der wohl auch die Önologen von Herzen zustimmen dürften

          Niemand ist zu schlecht

          Arbeitsteilung hilft, das wichtigste ökonomische Ziel zu erreichen: mit Rohstoffen und Arbeit sparsam umzugehen und so hohe Erträge wie möglich herauszuholen. Sie verwirklicht aber auch einen wichtigen humanistischen Gedanken: Niemand ist zu schlecht, um zu einem wirtschaftlichen Erfolg einer Gesellschaft beizutragen.

          Das gilt auch für Menschen, die nirgendwo große Talente sind, die weder mit dem Kopf noch mit den Händen wirkliche Spitzenleistungen vollbringen, die weder Kraft noch Geschick haben - auch sie können wirtschaftlich Wertvolles leisten. Dann nämlich, wenn sie die Klügsten und Besten bei weniger anspruchsvollen Arbeiten entlasten.

          Das gilt zum Beispiel in der Familie: Die Mutter mag lesenswerter schreiben als der Vater und die Kinder besser wickeln. Trotzdem ist es für die Familie sinnvoller, wenn der Vater wenigstens versucht, sich in der Familie nützlich zu machen, anstatt seine Zeit sinnlos vor der Glotze zu verplempern. Dadurch ermöglicht er der Frau, zu schreiben und Geld zu verdienen. Das ist das einfache Gesetz der komparativen Vorteile von David Ricardo.

          Klügere Frauen sollten Karriere machen

          An dieses Gesetz sollten deutsche Familien immer wieder denken. Oft quält sich ein schlecht ausgebildeter Mann im Berufsleben und bringt gerade mal das Allernötigste nach Hause, gleichzeitig unterbricht seine Partnerin ihre Erfolgskarriere und gefährdet sie, um die Hausarbeit zu machen. Dabei wäre die Frau möglicherweise intelligenter und besser ausgebildet als der Mann - und er im Haushalt besser aufgehoben. Es ist nicht nur für die Familie, sondern auch für die Volkswirtschaft insgesamt von Vorteil, wenn klügere Frauen Karriere machen und dümmere Männer zu Hause bleiben.

          Doch es sind nicht nur Ricardos komparative Vorteile, die die Arbeitsteilung wirtschaftlich sinnvoll machen. Daß man Aufgaben trennt, fördert zusätzlich die Geschicklichkeit der Menschen - weil sie sich dann spezialisieren können. Dadurch können sie ihre Fähigkeiten leichter weiterentwickeln. Am Ende produzieren sie mehr in der gleichen Zeit. Der Volkswirt sagt: Die Arbeitsproduktivität steigt.

          Dadurch lohnt es sich für die Arbeitgeber eher, die Arbeitsplätze mit besseren Geräten und Werkzeugen auszustatten, vielleicht sogar mit Maschinen, Apparaten und Fahrzeugen. Es entstehen Anreize für permanente Investitionen und Innovationen.

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