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Erklär mir die Welt (22) : Warum ist Arbeitsteilung sinnvoll?

  • -Aktualisiert am

So beginnt der technische Fortschritt im Betrieb. Früher oder später schwappt er auf die gesamte Volkswirtschaft über. Dann wächst die Wirtschaft, und der Wohlstand einer Nation nimmt zu. So verbessern Arbeitsteilung und Spezialisierung zunächst die betriebswirtschaftliche Effizienz, als Folge davon auch die volkswirtschaftliche.

Weltweiter Wohlstand

Ohne eine starke Arbeitsteilung wäre die Industrialisierung nicht denkbar gewesen - und sie schob ein vorher nie gekanntes Wirtschaftswachstum an. So haben Arbeitsteilung und Spezialisierung die Menschen aus einer jahrhundertelangen ökonomischen Stagnation auf einen dauerhaften Wachstumspfad gebracht.

Die guten Auswirkungen der Arbeitsteilung gibt es nicht nur im kleinen Maßstab innerhalb von Familien, Betrieben, Dörfern und Ländern. Das Prinzip funktioniert auch, wenn man die ganze Welt betrachtet. Wenn sich verschiedene Länder die Arbeit teilen, ermöglicht das zusätzlichen Wohlstand, und zwar weltweit: Waren und Dienstleistungen werden dort hergestellt, wo sie am billigsten sind.

Güter, die andernorts günstiger produziert werden als hier, werden importiert. Güter, die anderswo teurer hergestellt werden, werden exportiert. Der internationale Handel sorgt für den Ausgleich von Mangel und Überfluß.

Globale Arbeitsteilung

So hat die Globalisierung in den letzten fünfzig Jahren die Weltwirtschaft noch einmal dramatisch zum Positiven verändert. Das Zollabkommen Gatt und später die Welthandelsorganisation haben teure, ökonomisch unsinnige Zölle und Importquoten abgebaut. Gleichzeitig lassen moderne Transport- und Kommunikationssysteme die Welt zusammenrücken.

Dadurch hat sich die Arbeit global aufgeteilt. Die Kosten, Löhne und Preise in Deutschland sind jetzt abhängig von den Kosten, Löhnen und Preisen in China. Aber die Arbeitskräfte von dort sind nicht nur Konkurrenten. Sie sorgen auch dafür, daß DVD-Geräte und Waschmaschinen in Deutschland billiger werden, und sie kaufen auch deutsche Leistungen ein.

Kostenunterschiede haben dazu geführt, daß sich die Menschen immer wieder spezialisierten - jedesmal sind die Menschen dabei reicher geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Arbeitsteilung dafür gesorgt, daß die Menschen heute besser und länger leben als jemals zuvor in der Weltgeschichte, dabei leben jetzt viel mehr Menschen auf der Erde als vorher.

„Krieg um Wohlstand“

Arbeitsteilung und Spezialisierung sind nicht die Ursache dafür, daß es immer noch zu viel Hunger, Massenelend, Armut und Unterdrückung gibt. Sie sind die Lösung - sicher nicht die einzige, aber doch eine maßgebliche.

Wer sich heute gegen eine globale Arbeitsteilung ausspricht und dafür plädiert, regionale Blöcke zu bilden und sich abzuschotten, der schadet der Weltwirtschaft enorm. Er plädiert für Protektionismus. Wenn der sich auf der Welt durchsetzt, vernichtet das wirtschaftlichen Wohlstand - und zwar zuerst im Inland. Daran sollten sich alle erinnern, die Deutschland in einem „Krieg um Wohlstand“ sehen, weil deutsche Unternehmen Arbeitsplätze im Ausland schaffen.

Adam Smith hat mit seinen Erkenntnissen über die Arbeitsteilung den mittelalterlichen Volkswirtschaften den Weg in die industrielle Neuzeit geebnet. Wir sollten uns hüten, in unserem Denken und Handeln hinter seine Erkenntnisse zurückzufallen. Was er herausgefunden hat, gilt auch heute noch.

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