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Erklär mir die Welt (20) : Warum macht Geld nicht wirklich glücklich?

Bild: F.A.Z.

Unser Wohlstand wächst stetig. Aber zufriedener werden wir deshalb trotzdem nicht. Obwohl im Westen die Menschen immer reicher werden, sind sie keineswegs glücklicher geworden. Denn Gewöhnung macht das Glück zunichte.

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          Vielleicht sollten wir uns doch an „Hans im Glück“ halten. Ein Stück Gold, so groß wie sein eigener Kopf, hatte der junge Mann als Lohn erhalten für siebenjährigen treuen Dienst bei seinem Herrn.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber dann kam der Reiter, und Hans gab den Goldklumpen weg, und dann kam der Bauer, und dann kam der Metzger. Und zum Schluß hatte Hans nur noch den Stein des Scherenschleifers, den er in den Brunnen wirft. Da weiß er: „So glücklich wie ich bin, gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“

          Zufriedenheit hat keinen Deut zugenommen

          Die Lehre aus dem Märchen ist eindeutig. Geld macht nicht glücklich. Hans lebt konsequent den Gegenentwurf menschlichen Karrierestrebens. Denn die meisten Zeitgenossen wünschen sich mehr Geld. Sie tun sehr viel dafür, dieses Ziel zu erreichen. Denn sie wollen sich schicke Kleider kaufen, schnelle Autos fahren und eine Weltreise rund um den Globus machen.

          „Lieben und arbeiten können” ist nur eine Definition von Glück

          Geld bringt Wohlstand, Macht und Status. Aber bringt Geld auch Glück? Nein, wußte schon Adam Smith, der Begründer der modernen Ökonomie. „In Blick auf das wahre menschliche Glück sind die Armen in keinster Weise denen unterlegen, die über ihnen zu sein scheinen“, schreibt der schottische Ökonom in seiner „Theorie der moralischen Gefühle“ (1759).

          Mehr noch: „Der Bettler, der sich am Wegesrand sonnt, hat eine Zufriedenheit, für welche die Könige kämpfen müssen.“ Obwohl die Menschen im Westen der Erdhalbkugel immer reicher werden, sind sie keineswegs glücklicher geworden. Dort hat sich in den vergangenen 50 Jahren das reale Durchschnittseinkommen mehr als verdoppelt. Aber die Zufriedenheit der Leute hat im selben Zeitraum keinen Deut zugenommen.

          „Lieben und arbeiten können“

          Doch was ist überhaupt Glück? Das ist eine Frage, welche die besten Denker der Welt seit Aristoteles und Augustinus bewegt. „Lieben und arbeiten können“ heißt nur eine, aber eine besonders schöne Definition des Glücks, die von Sigmund Freud stammt, dem Begründer der Psychoanalyse. Wer aber will sich anmaßen zu bestimmen, was jemanden glücklich macht? Das können die Menschen nur für sich selbst entscheiden.

          Die empirische Glücksforschung hat dazu in den vergangenen zehn Jahren eine Fülle von Daten gesammelt. Wem dabei der Begriff „Glück“ zu pathetisch klingt, der mag lieber von Zufriedenheit sprechen. Das Befragungskonzept ist relativ simpel: Die Versuchspersonen tragen auf einer Skala von 1 bis 10 ein, wie zufrieden sie mit ihrem Leben im Ganzen sind und sie geben an, ob und wie glücklich sie durch Arbeit, Sex, Geld, Kinder und vieles andere werden.

          Neid auf die Nachbarn hält die Wirtschaft in Schwung

          Geld, so viel steht fest, ist kein besonders prominenter Glücksbringer. Vorausgesetzt man hat schon welches. Denn keine Frage: Wer in Armut lebt, der ist ziemlich unglücklich, allen romantischen Träumen vom einfachen Leben auf der Insel zum Trotz. Einmal angekommen in der Mittelschicht, steigert jeder weitere Euro das Glücksempfinden nicht mehr.

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