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Eric Schmidt : Erfahrener Mann im Google-Chaos

Eric Schmidt, 2004 Bild: AP

Hat sich Eric Schmidt im Jahr 2001, als er das Angebot akzeptiert hat, Vorstandsvorsitzender von Google zu werden, auf eine unmögliche Mission begeben?

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          Hat sich Eric Schmidt im Jahr 2001, als er das Angebot akzeptiert hat, Vorstandsvorsitzender von Google zu werden, auf eine unmögliche Mission begeben? Zuvor hatte der Google-Verwaltungsrat ein Jahr lang Druck auf die beiden jungen Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page ausgeübt, sich endlich einen erfahrenen Manager an die Spitze des Unternehmens zu holen. Sie willigten ein und holten Schmidt, der bis dahin Chef des Softwarehauses Novell gewesen war und sich bei seinem vorherigen Arbeitgeber Sun Microsystems den Ruf eines Pioniers des Internet erarbeitet hatte. Schmidt schien perfekt zu Google zu passen, zu einer Kultur, in der hochintelligente Akademiker das Sagen haben. Denn mit seinen oftmals promovierten Mitstreitern bei Google kann Schmidt locker mithalten: Der inzwischen 49 Jahre alte Manager hat Elektrotechnik an der Princeton University und der University of California studiert, wo er in Informatik promoviert wurde.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Anders als viele seiner Google-Kollegen verfügt Schmidt zudem über eine ordentliche Portion Berufserfahrung. Er war Mitglied des Forschungsstabs beim Computer Science Lab im Xerox Palo Alto Research Center, bekleidete Positionen bei den Bell Laboratories und bei Zilog - und wurde zur treibenden Kraft bei der Entwicklung der neuen, plattformunabhängigen Programmiersprache Java von Sun. Seine endgültige Feuertaufe erlebte er beim lange Zeit angeschlagenen und strategisch nicht mehr richtig aufgestellten Unternehmen Novell - dagegen schien die Zeit bei Google zu einem Kinderspiel zu werden. Schließlich war und ist Google eines der wenigen verbliebenen Vorzeigeunternehmen des Internet. Und doch, drei Jahre nach seinem Eintritt bei Google stellt sich die Frage, ob aus dem Gedanken des Google Verwaltungsrats, Schmidt in das von chaotischen Organisationsstrukturen beherrschte Erfolgsprojekt Google zu holen, später die richtigen Schritte gefolgt sind.

          Denn es klingt alles andere als professionell, wenn sich der Vorstandschef eines amerikanischen Unternehmens an seine Verhandlungen bei Google mit diesen Worten erinnert: "Typischerweise kommt die Hälfte der Leute 20 Minuten zu spät, so daß man seine Präsentation dann nochmals wiederholen muß. Ein paar andere gehen zehn Minuten früher. Aber die meisten sind ohnehin nicht aufmerksam, sondern senden anderen Kollegen mit ihren Mobiltelefonen oder Blackberry-Geräten irgendwelche Textnachrichten." Es ist zu hören, daß solche Erlebnisse keinen Einzelfall darstellen. Selbst die beiden Gründer haben schon zugegeben, daß ihr Unternehmen wohl etwas "disorganisierter" sei als andere - aber arrogant, nein, arrogant sei das Google-Team nicht. Dieser Aussage würde sich unter den Geschäftspartnern von Google nicht jeder anschließen. Kenner vermuten deshalb, daß der in seiner Art bodenständige Schmidt trotz seines Amts als Vorstandschef letztlich nie in die von Brin und Page geschaffenen Strukturen eingreifen durfte - zumal der Eingriff angesichts des Erfolgs nur schwierig zu begründen gewesen wäre.

          Andererseits: Schmidt selbst hat immer versucht, Berichte über vermutete Gegensätze zwischen ihm und den Gründern herunterzuspielen. Die Hoffnung war und ist gleichwohl, daß Schmidts Einfluß nach dem Börsengang endlich deutlich zunehmen wird. Das scheint tatsächlich nötig zu sein. Wie sonst läßt sich erklären, daß unmittelbar vor dem Beginn der Auktion noch Aktien "entdeckt" worden sind, die zuvor an Mitarbeiter ausgegeben, im Prospekt zum Börsengang aber nicht erwähnt worden waren? Zudem ist es bisher offenbar nicht gelungen, die so wichtigen institutionellen Investoren ausreichend mit der von Google geplanten, höchst außergewöhnlichen Form der Aktienauktion vertraut zu machen. Der Börsengang, der das Silicon Valley endgültig wiederbeleben sollte, bekommt damit vor der entscheidenden Phase einen faden Beigeschmack. Vielleicht ist Schmidt das sogar recht. Möglicherweise kann er nun bald mit den Aufräumungsarbeiten anfangen, für die er bei Novell sein Handwerk gelernt hat.

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