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Experiment in Finnland : Was ein Grundeinkommen bringt

Juha Järvinen hat im finnischen Experiment ein Grundeinkommen bekommen. Er nutzte das Geld, um Trommeln zu bauen. Bild: dpa

Finnland hat ein Grundeinkommen getestet. Das Ergebnis: Wer Geld vom Staat bekommt, hat weniger Stress. Das allerdings war nicht die wichtigste Frage.

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          So viel steht fest: Wer ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommt, fühlt sich weniger gestresst. Das ist eine der klarsten Erkenntnisse des finnischen Experiments zum Grundeinkommen, dessen Ergebnisse am Mittwoch endgültig vorgestellt wurden. „Wer das Einkommen bezieht, der fühlt sich mental deutlich besser“, sagt Signe Jauhiainen, Forscherin bei der finnischen Sozialversicherung Kela. Die Betroffenen waren zufriedener mit ihrem Leben, weniger depressiv und hatten mehr Vertrauen in ihre Mitmenschen. Geldgeschenke haben eben vielfältige positive Auswirkungen. Das allerdings war nicht die wichtigste Frage, die Neugierige an das Experiment hatten.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das bedingungslose Grundeinkommen ist die vielleicht größte Utopie dieser Zeit. Unterstützter von Startup-Finanzier Frank Thelen bis zu Telekom-Chef Tim Höttges befürworten das Konzept schon lange. Die Idee ist oft: Wo die Arbeit wegen des technischen Fortschritts bald ausgeht oder wo heute schon keine mehr ist, soll Arbeit weiter aus dem Zentrum des Lebens rücken.

          Doch die Hauptfrage an das bedingungslose Grundeinkommen bleibt: Arbeiten dann noch genügend Leute? Und arbeiten sie das, was die Gesellschaft braucht? Viele Befürworter hatten große Hoffnungen auf das Experiment in Finnland gesetzt. Am Ende des Experiments änderte das Grundeinkommen nichts daran, wie viel die Menschen arbeiten: Die Empfänger des Grundeinkommens arbeiteten durchschnittlich sechs Tage im Jahr mehr – ein sehr kleiner Unterschied. Doch erfahrene Experimentierer bemängeln schon lange, dass die Antworten des finnischen Experiments in der Frage der Arbeitsmoral nicht weiterhelfen.

          Das Grundeinkommen-Experiment hat zwei Mängel

          Denn das Experiment hat in dieser Frage zwei Mängel: Erstens die Auswahl der Teilnehmer. 2000 Finnen wurden zufällig ausgewählt, die jeden Monat ihre Sozialversicherungs-Zahlungen von 560 Euro bedingungslos bekamen, egal ob sie sich um eine Stelle bemühten oder einfach gar nichts taten – aber in Frage kamen nicht etwa alle Finnen, sondern nur die Leute, die im Dezember 2016 sowieso schon arbeitslos waren. So kann man nicht testen, ob arbeitende Menschen angesichts des Grundeinkommens ihre Stelle aufgeben.

          Ob arbeitslose Menschen eher arbeitslos bleiben, lässt sich auch nicht richtig testen - der zweite Mangel des Experiments. Es war von vornherein auf zwei Jahre befristet. Kaum jemand wird freiwillig arbeitslos bleiben, wenn er genau weiß, dass das Grundeinkommen bald wieder verschwindet. Spätestens dann geht das Bewerbungenschreiben wieder los, und wer mit seiner Grundeinkommenszeit nichts sinnvolles gemacht hat, tut sich mit den Bewerbungen viel schwerer.

          Sicher sind die finanziellen Auswirkungen eines Grundeinkommens. 1000 Euro im Monat werden in einer Petition gefordert, die online schon mehr als 460.000 Menschen unterzeichnet haben. Das kostet im Jahr erst mal rund 1000 Milliarden Euro – so viel wie alle deutschen Sozialleistungen zusammen. Die wenigsten Konzepte wollen all diese Sozialleistungen abschaffen. Falls aber die Krankenversicherung, die gesetzliche Rente, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder andere Errungenschaften beibehalten werden sollen, fallen leicht noch Beträge um die 500 Milliarden Euro an. In vielen Konzepten sind deshalb kräftige Steuererhöhungen vorgesehen, so dass der Spitzensteuersatz auf 60 bis teils 80 Prozent wächst. Wie viele Menschen bei solchen Abzügen noch arbeiten – ein geeignetes Experiment für diese Frage ist noch nicht gefunden.

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