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Erfolgsgeschichte : Mit 7000 DM Verwandtschaftsdarlehen zum Börsenmillionär

Erfolgreicher Unternehmer: Knut Löschke Bild: Archiv

Das Software-Unternehmen PC-Ware aus Leipzig ist so alt wie die Wiedervereinigung, aber wesentlich erfolgreicher. Die Wiedervereinigung war für den Firmengründer und Vorstandsvorsitzenden Löschke das „Allerbeste, was mir passieren konnte.“

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          „Ohne die Wiedervereinigung wäre ich heute vielleicht Rektor der Uni Leipzig oder Kombinats-Chef mit 35.000 Beschäftigten.“

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Knut Löschke denkt noch einmal nach und sagt dann schmunzelnd: „Oder ich wäre in den Westen abgehauen.“ Löschke ist der Gründer, Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzende des Leipziger Softwareunternehmens PC-Ware, das genauso alt ist wie die deutsche Einheit - dessen Erfolg aber deutlich meßbarer ist: In den vergangenen 15 Jahren ist die einzige börsennotierte Gesellschaft Leipzigs zum zweitgrößten europäischen Lizenzierer von Microsoft-Programmen herangewachsen, vor Dell, Siemens oder HP.

          1990 hatte Löschke das Geschäft mit zwei Kompagnons und einem Mitarbeiter begonnen und rund 600.000 DM Umsatz erwirtschaftet. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte die Gruppe mit 850 Beschäftigten 580 Millionen Euro erlösen.

          Das Zeug zum Erfolg hatte Löschke schon in der DDR. Geboren 1950 in Leipzig, studierte er an der dortigen Universität in Rekordzeit Festkörperphysik. Es folgten zwei Promotionen, die eine wissenschaftliche Karriere vorzeichneten. Doch nach einem Industriepraktikum stieg Löschke im „Kombinat Wälzlager und Normteile“ schnell auf und leitet dort die Entwicklungsgruppe für Personal Computer (PC) und Software. Er und zwei Mitstreiter nannten das Team selbstbewußt, aber inoffiziell „PC-Ware“ und wollten sich damit selbständig machen. Der Versuch scheiterte 1987 trotz Glasnost am Rechner-Kombinat Robotron, das um sein Monopol fürchtete.

          Boom in den ersten Vereinigungsjahren

          Löschke gründete PC-Ware dann im März 1990 und somit noch zu DDR-Zeiten. Zum 1. Juli, dem Tag der Währungsunion, überführten er und zwei weitere Gesellschafter das Unternehmen in eine GmbH. „Mit 7000 DM Darlehen von einem West-Onkel“. Seine Hauptkunden, denen er Programme für die rechnergesteuerte Konstruktion lieferte, waren die 31 Betriebe seines ehemaligen Arbeitgebers, des Wälzlager-Kombinats. „Doch einer nach dem anderen ging pleite. Einerseits war ich froh, rechtzeitig den Absprung geschafft zu haben, andererseits kam kein Geld in die Kasse.“

          In der Boomzeit der ersten Vereinigungsjahre taten sich schon bald neue Märkte auf. PC-Ware entwickelte und vertrieb ein Abrechnungssystem für niedergelassene Zahnärzte und verdiente an der gewaltigen Bautätigkeit: mit einem Programm für Immobilienmakler und einer betriebswirtschaftlichen Software für Handwerksbetriebe. In dieser Zeit entwickelten die Sachsen immer engere Kontakte zu Microsoft. Der erste größere Auftrag kam, als PC-Ware den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) mit dem Textprogramm Word ausstattete.

          Obwohl zur Installation nur ein einziges Exemplar nötig war, hätte Löschke eigentlich 1000 Kartons mit den Disketten und Handbüchern ausliefern müssen, da dort die Lizenznummern zur Nutzung der Software einzeln niedergelegt waren. Statt dessen trennten seine Mitarbeiter die entsprechenden Seiten heraus, kopierten die Lizenznummern von den Disketten und bastelten für ihren Großkunden eine Sammellizenz. Die Handbücher und Disketten verschenkten sie an Schulen.

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