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Erfolgsgeschichte : Mit 7000 DM Verwandtschaftsdarlehen zum Börsenmillionär

„Wie eine Courtage bei der Wohnungsvermittlung“

Der Durchbruch gelang den Leipzigern 1993, als sie eine Ausschreibung des Bundesfinanzministeriums für die Lizenzvermittlung von Büroanwendungen gewannen. Seitdem ist das „Makeln von Lizenzverträgen“ die Spezialität des Hauses. Anders als viele Anwender denken, so erläutert Löschke, können sie Software nicht erwerben. Das Eigentum verbleibt immer beim Hersteller. In Form einer Lizenz bekommen sie lediglich das Nutzungsrecht übertragen.

Diesen Vertragsschluß vermittelt PC-Ware, das von dem Nutzungsentgelt einen Teil einbehält, „wie eine Courtage bei der Wohnungsvermittlung“. Dabei schlägt der Preis für die Software-Nutzung als eine Art Handelsumsatz zu Buche, die Courtage als Marge. Einschließlich der anderen Geschäftsfelder rechnet das Unternehmen für dieses Jahr mit einem Überschuß von 5,1 Millionen Euro. Diese anderen Aktivitäten sind das Service-Geschäft - die Installation und Wartung von Programmen bei Großkunden - und die sogenannten Systemhäuser, ein Komplettangebot für Mittelständler zur Einrichtung und Betreuung von Hard- und Software.

Obwohl das Lizenzgeschäft noch immer die wichtigste Säule ist, nehmen die beiden anderen Zweige an Bedeutung zu. Löschke forciert das, um die Abhängigkeit von Microsoft zu vermindern und die Margen hochzutreiben: Sie liegen im Lizenzgeschäft bei nur rund 5 Prozent, in den anderen Feldern sind es bis zu 25 Prozent.

„Die Wiedervereinigung war das Beste, was Deutschland passieren konnte“

Auch räumlich greifen die Leipziger immer weiter aus. Nicht zuletzt deshalb ging das Unternehmen im Mai 2000 an die Börse. Aus einer Kapitalerhöhung sammelte Löschke 46 Millionen Euro ein. Mittlerweile macht PC-Ware in gut einem Dutzend Länder Geschäfte. Löschke gibt zu, daß der Börsenabschwung auch sein Unternehmen traf. Wie andere Hochtechnikwerte trudelte die Aktie zeitweilig ins Bodenlose. Zwar wurde der Ausgabekurs von 19 Euro bisher nicht wieder erreicht. Aber die Kursverluste halten sich, findet Hauptaktionär Löschke, mit heute 14 Euro „in vertretbaren Grenzen“. Die Dividende sei seit 2000 von 6 auf 40 Cent gestiegen.

Löschke weiß, daß sich die ostdeutsche Wirtschaft seit der Wiedervereinigung nicht halb so prächtig entwickelt hat wie sein Unternehmen. Der streitbare Sachse macht dafür die frühen Fehler in der Wendezeit verantwortlich. Statt die damals schon maroden Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungssysteme auf die neuen Länder zu übertragen, hätte man sie einer „Generalrevision“ unterziehen müssen.

Löschke geißelt das vorherrschende „fast schon sozialistische System der allgemeinen Umverteilung“ sowie die „Selbstbedienungsmentalität in den Sicherungssystemen“ und beklagt, daß die Gesellschaft Tüchtigkeit nicht anerkenne. Darunter, daß Deutschland 1990 einen wirklichen Neuanfang verpaßte, leide es noch heute, der Osten schwerer als der Westen. Dennoch sehne sich in seiner Heimat niemand ernsthaft nach der Zeit vor 1990 zurück. „Die Wiedervereinigung war das Beste, was Deutschland passieren konnte. Und sie war das Allerbeste, was mir passieren konnte.“

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