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Erfolgreicher Einrichter : Ikea jagt Konkurrenz noch immer Marktanteile ab

  • -Aktualisiert am

Kunden vor dem Ikea-Markt in Hofheim bei Frankfurt Bild: dpa

Der Umsatz ist um 5 Prozent gewachsen. Künftig testet der Möbelkonzern Standorte in den Innenstädten und baut in kleinen Schritten den Online-Handel aus.

          Der Möbelkonzern Ikea bekommt die Abkühlung der wirtschaftlichen Lage bisher noch gar nicht zu spüren. In Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt des Unternehmens - noch vor den Vereinigten Staaten -, ist der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr (31. August) um 5 Prozent auf knapp 3,65 Milliarden Euro gestiegen. In der Möbelsparte legte der Umsatz sogar um 8 Prozent und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Die Zahl der Beschäftigten kletterte um 450 auf 14.450. Zum Ertrag hält sich Ikea traditionell bedeckt.

          Für den Gesamtkonzern hatte die Zentrale in Schweden für das Geschäftsjahr 2008/09 einen Umsatz von fast 25 Milliarden Euro vermeldet, was einem Zuwachs von 7 Prozent entspricht. Auf nationaler Ebene soll es bei der gewohnten Verschwiegenheit bleiben. „Wir rechnen auch in diesem Jahr wieder mit weiterem Wachstum“, sagte der neue, erst seit sechs Wochen amtierende Geschäftsführer für Deutschland, Peter Betzel - ließ sich aber nach der Vorstellung der Umsatzzahlen in Hofheim nahe Frankfurt keine zusätzlichen Informationen zur Bilanz entlocken.

          Wieder mehr Umsatz mit Möbeln

          Umso ausführlicher erläuterte Betzel das Umfeld, in dem sich Ikea bewegt. Einerseits haben sich Konsumklima und Einkommenserwartung in Deutschland verschlechtert. Andererseits wuchs erstmals seit zehn Jahren wieder die Summe, die je Haushalt und Jahr durchschnittlich für Möbel und Einrichtungsgegenstände ausgegeben wird: Lag sie 2001 noch bei 900 Euro, so waren es 2010 nur noch 720 Euro - und neuerdings wieder 740 Euro. Entsprechend nimmt der Umsatz der Möbelhändler leicht zu, für das laufende Jahr ist bisher ein Zuwachs von 5 Prozent zu verzeichnen - auf voraussichtlich 29 Milliarden Euro im Gesamtjahr. Auf diesem erstmals seit langer Zeit wieder wachsenden Markt hat Ikea seinen Anteil nun von 11,8 auf 12,4 Prozent gesteigert - eine Verdoppelung seit 2003 - und liegt damit weit vor seinen wichtigsten Wettbewerbern das sind die Höffner-Gruppe, XXX-Lutz und Porta.

          Der neue Ikea-Deutschlandchef Peter Betzel

          Nicht nur wegen der harten Konkurrenz ist das Wachstum von Ikea bemerkenswert. Im Unterschied zum vorigen Geschäftsjahr hat Ikea dieses Mal auch wieder ein neues Haus eröffnet - in Berlin Lichtenberg. In Deutschland betreibt der Möbelhändler 46 Filialen, global sind es 328. Im Jahr 2013 soll erstmals eine Filiale in der Innenstadt von Hamburg im Stadtteil Altona eröffnet werden sowie eine Filiale in Lübeck - im Rahmen eines größeren Shopping-Centers. Beide Neueröffnungen könnten für Ikea bald im Trend liegen, auch wenn Geschäftsführer Betzel dies bestreitet: „Wir haben nicht vor, in einer großen Offensive die Innenstädte zu erobern“, sagte der Manager.

          Dennoch testet der Möbelkonzern auch neue Standorte in den Innenstädten und baut in kleinen Schritten den Online-Handel aus. Ikea reagiert damit auf Veränderungen im Leben der Menschen: Da immer mehr Großstadtbewohner ohne eigenes Auto auskommen, schauen sie sich die Möbel vor Ort an, bestellen dann aber im Internet und lassen sich zu Hause beliefern. Auch die Kombination von Ikea mit einem Shopping-Center liegt im Trend: So lassen sich alle größeren Einkäufe auf einen Streich erledigen.

          Klassiker sind besonders gefragt

          Das vergangene Berichtsjahr bestätigt zudem den Trend weniger, aber dafür größerer Einkäufen bei Ikea. Der Durchschnittsbon, vor drei Jahren noch mit 68 Euro beziffert, beläuft sich nun auf knapp 78 Euro, während die Zahl der Besucher nach Auskunft des Unternehmens bei 99 Millionen stabil geblieben ist. Besonders gefragt sind Klassiker wie das Regal Billy und der Schrank Pax.

          Auch eine abermalige Preissenkung soll dazu beitragen, weitere Kunden anzulocken. Im vergangenen Jahr hatte Ikea den Ausbau des Online-Handels zunächst gestoppt, weil sich zeigte, dass die Bedürfnisse der Kunden in verschiedenen Ländern sich relativ stark unterscheiden und erst die Konzepte fertig ausgearbeitet werden sollten. Im abgelaufenen Jahr ist der Online-Handel nun von 40 Millionen auf 45 Millionen Euro gewachsen.

          Kassenfüllender Klassiker: Das Billy-Regal

          Zurückhaltend reagiert das Unternehmen auf die jüngst vorgebrachte Kritik an seiner Holzbeschaffung. Eine schwedische Umweltschutzorganisation hat aufgedeckt, dass Ikea Holz angeblich aus russischen Urwäldern beziehe, die eigentlich nicht abgeholzt werden dürften. Ikea erklärte nun, dieser Vorwurf werde überprüft. Ein Ergebnis liege noch nicht vor.

          Ein anderer Vorstoß hatte bisher nicht den erhofften Erfolg: Das zusammen mit dem Bauunternehmen Bien-Zenker in Angriff genommene Fertighausprojekt Boklok ist ins Stocken gekommen. Obwohl das Projekt mit großem Aufwand angekündigt worden, hat Ikea bisher nur acht der Fertighäuser für jeweils etwa 235000 Euro verkauft. Wie lange es dauere das Konzept zu überarbeiten, ist noch offen.

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