https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/erdogans-entmachtung-15732339.html

Türkische Lira im freien Fall : Erdogans Entmachtung

Der türkische Präsident Erdogan spricht vor Anhängern in Bayburt an diesem Freitag. Bild: Reuters

Die türkische Währung stürzt ab, Amerika setzt das Land unter Druck. Doch die Krise birgt auch eine gute Nachricht.

          1 Min.

          Die gute Nachricht in der türkischen Krise lautet: Autokratische Herrscher und solche, die sich dafür halten, können wirtschaftliche Zusammenhänge nicht auf Dauer außer Kraft setzen. Den Markt in seiner Rolle als Instrument der politischen Entmachtung musste an diesem Freitag der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu seinem Schaden kennenlernen. Nicht jeden Tag verliert eine Währung am Devisenmarkt rund ein Fünftel ihres Wertes.

          Vor der wirtschaftlichen Logik ist der sich gerne wie ein Sultan gerierende Machthaber aus Ankara auf ein deutlich kleineres Maß geschrumpft. Erdogans wirre Reden über einen Wirtschaftskrieg, in dem sich die Türkei befinde, haben die Krise verstärkt. Und anstatt dass die Menschen, wie von Erdogan gewünscht, ihre Dollars oder Euros in heimische Lira tauschen und auf ihre Bank bringen, tauschen sie lieber ihre Heimatwährung in Dollar oder Euro. Die Macht des Autokraten endet am Geldbeutel des Bürgers.

          Er steuert auf den Albtraum zu

          Mag Erdogan auch ausländische Mächte dämonisieren, so hat sein Konflikt mit einem anderen sich gerne autokratisch gebenden Politiker die Krise nicht heraufbeschworen, sondern nur verschärft. Mit Zollerhöhungen setzte Donald Trump seinen türkischen Gegenspieler zwar zusätzlich unter Druck. Aber die Ursache der Währungskrise ist der Konflikt mit den Vereinigten Staaten nicht.

          Die wirtschaftlichen Aussichten der Türkei sind eigentlich gut. Wie viele Schwellenländer hat das Land in den vergangenen Jahren viel Kapital aus dem Ausland angezogen. Aber dieses Kapital wird nur im Land bleiben, wenn eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik betrieben wird.

          Davon aber kann keine Rede sein. Weil Erdogan viel Geld braucht, um sein Volk zu beglücken, wehrt er sich gegen eine Politik höherer Zinsen, da diese das Wirtschaftswachstum gefährden könnte. Ein Land mit einer Inflationsrate von 15 Prozent benötigt aber dringend höhere Zinsen, um die Stabilität seiner Währung wiederherzustellen.

          So wie Erdogan mit der Krise umgeht, riskiert er einen ernsthaften Schaden für sein Land, der irgendwann nur noch mit externer Hilfe, etwa durch den Internationalen Währungsfonds, in den Griff zu bekommen wäre. Für einen Autokraten wie Erdogan müsste ein solches Szenario ein Albtraum sein. Aber er steuert unbeirrt darauf zu.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Russlandpolitik der SPD : Nah an Putin

          In Niedersachsen laufen viele Fäden der Russlandpolitik der SPD zusammen. Sie wähnt sich im Geiste Willy Brandts, hat aber viel mit Geschäften zu tun. Ein Beispiel: Sigmar Gabriel.
          2019 erst eröffnete Apple ein neues Bürogebäude in Cupertino. Dennoch arbeiten viele Mitarbeiter des Unternehmens lieber vom heimischen Schreibtisch aus.

          Homeoffice im Silicon Valley : Apple und der Homeoffice-Knatsch

          Die amerikanischen Tech-Konzerne gelten als Traum-Arbeitgeber. Aber jetzt stehen viele schicke Büros leer. Ist Anwesenheitspflicht die Lösung? Vor allem bei Apple gibt es nun deshalb richtig Knatsch.

          Sturm „Emmelinde“ : Mehr als 50 Verletzte und ein Toter in Deutschland

          Sturm „Emmelinde“ ist am Freitag über Teile von Deutschland hinweggefegt. In Paderborn und Lippstadt sorgten Orkanböen für Verwüstung, auch in Rheinland-Pfalz wurden manche Regionen schwer getroffen. Ein Mensch starb in Wittgert im Westerwald.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.