https://www.faz.net/-gqe-9ee70

Nach der Zinserhöhung : Erdogan an Notenbank: „Meine Geduld hat Grenzen“

  • Aktualisiert am

Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht vor Mitgliedern seiner Partei AKP. Bild: AFP

Die türkischen Währungshüter haben die Leitzinsen um mehr als 6 Prozentpunkte angehoben – um den Kursverfall der Lira zu bremsen. Der mächtige Staatschef reagiert deutlich. Und nun?

          Nach der Zinserhöhung in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan die Notenbank abermals scharf kritisiert. Seine Geduld habe Grenzen, sagte er vor Vertretern der regierenden AKP über die Zinspolitik der Währungshüter.

          Am Donnerstag hatten diese gegen den erklärten Wunsch des Staatschefs den geldpolitischen Schlüsselsatz um 6,25 Prozentpunkte auf 24 Prozent erhöht. Es sei der Notenbank binnen 15 Jahren nicht gelungen, ihr Inflationsziel einzuhalten, sagte Erdogan, der die Arbeit der Notenbanker schon kurz vor dem Zinsentscheid verurteilt hatte.

          Das von Währungsturbulenzen betroffene Land hatte unter Investoren auch deshalb an Vertrauen verloren, weil Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank aufgekommen waren. Erdogan sagte nun, man werde nach der Zinserhöhung die Ergebnisse der Unabhängigkeit der Notenbank sehen können.

          Der Staatschef forderte zugleich alle Türken auf, Vertrauen in ihre Währung zu haben. Sie sollten sämtliche Ersparnisse in Lira umtauschen. Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank, aber auch der Streit mit den Vereinigen Staaten um einen in der Türkei inhaftierten amerikanischen Pastor hatten dazu beigetragen, dass die Lira seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren hat.

          Nach dem Zinsentscheid vom Donnerstag wertete die Lira zunächst deutlich auf, geriet nach den Äußerungen Erdogans jedoch wieder unter Druck: Ein Dollar verteuert sich zur türkischen Devise um 0,4 Prozent auf 6,10 Lira. Nach Ansicht des mächtigen Staats- und Parteichefs ist die Talfahrt der Lira das Ergebnis einer „abscheulichen wirtschaftlichen Attacke“, die nach einer Serie von Äußerungen aus den Vereinigten Staaten in Gang gekommen sei.

          Weitere Themen

          Schuhhersteller warnen vor neuen Zöllen Video-Seite öffnen

          Importzölle gegen China : Schuhhersteller warnen vor neuen Zöllen

          Schuhhersteller haben Präsident Trump dazu aufgefordert, ihre Produkte von geplanten neuen Importzöllen gegen China auszunehmen. Der Aufschlag würde den Käufern pro Jahr insgesamt sieben Milliarden Dollar an zusätzlichen Kosten aufbürden, schrieb der Branchenverband FDRA.

          Jamie Olivers Restaurant-Gruppe ist pleite Video-Seite öffnen

          Britischer Starkoch : Jamie Olivers Restaurant-Gruppe ist pleite

          Die Restaurant-Gruppe des britischen Starkochs Jamie Oliver ist pleite. Die meisten Restaurants gehören zur Kette "Jamie's Italian", die der Koch 2008 gegründet hatte. Bedroht sind nun 1300 Arbeitsplätze.

          Topmeldungen

          Theresa May am Dienstag

          May für neues Referendum : Zwei Köder für die Labour Party

          Mit neuen Vorschlägen versucht die britische Premierministerin May, die Abgeordneten der Labour Party, die das EU-Austrittsabkommen bislang abgelehnt haben, umzustimmen. Kann das gelingen?

          Meeresanstieg um 2 Meter : Polarforscher verschärfen Warnung vor Eisschmelze

          Diese Warnung stellt alle Klimaberichte in den Schatten: Das Meer steigt um zwei Meter, 187 Millionen Menschen könnten in den nächsten drei Generationen ihr Zuhause verlieren. Ein beunruhigendes Klimawandel-Update von 22 Polarexperten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.