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Falkland-Inseln : Erdöl auf die alten Wunden

Die Briten sagen, die Inselregierung der Falklands verfüge autonom über ihre Rohstoffe, Buenos Aires pocht dagegen darauf, das Falkland-Öl stehe „dem argentinischen Volk“ zu. Bild: dpa

Um die Falkland-Inseln tobte vor 30 Jahren ein Krieg. Während der düstere Jahrestag naht, hat ein erbitterter Wirtschaftskonflikt die alten Wunden neu aufgerissen: In den Gewässern der Inseln ist ein Mini-Ölrausch ausgebrochen, der Begehrlichkeiten weckt.

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          Die Telefonzellen sind rot wie in England, in den Kneipen gibt es „Fish and Chips“ und die Bananen kosten neuerdings umgerechnet 1,20 Euro - das Stück. Die Falkland-Inseln vor der Küste Argentiniens und ihre rund 3000 Einwohner sind ein seltsames Stück Großbritannien am anderen Ende der Welt.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Regierung in London betrachtet den winzigen Archipel im Südatlantik bis heute als Teil ihres Hoheitsgebiets. Der Rest der Welt kennt die Inselchen dagegen vor allem wegen des kurzen blutigen Krieges, den Briten und Argentinier 1982 um die Falklands führten. Am 2. April ist es 30 Jahre her, dass die argentinische Invasion begann.

          Mini-Ölrausch

          Während der düstere Jahrestag naht, hat ein erbitterter Wirtschaftskonflikt die alten Wunden neu aufgerissen: In den Gewässern der Falkland-Inseln ist eine Art Mini-Ölrausch ausgebrochen, der Begehrlichkeiten weckt. Noch weiß niemand genau, wie viel Erdöl und Erdgas dort tatsächlich zu holen ist, denn bislang gibt es nur Probebohrungen. Aber das britische Unternehmen Rockhopper Exploration ist bereits auf eine Öllagerstätte südlich der Falklands gestoßen, deren förderbare Reserven auf rund 400 Millionen Fass (zu je 159 Liter) geschätzt werden.

          Das Vorkommen entspräche damit rund 15 Prozent der noch vorhandenen bekannten Reserven im britischen Teil der Nordsee - und weitere Funde könnten folgen. Außer Rockhopper sind noch andere britische Energieunternehmen vor Ort auf der Jagd nach Öl und Gas. Es ist nicht das erste Mal, dass die Ölindustrie die Falkland-Inseln ins Visier nimmt. Aber anders als in früheren Jahrzehnten könnte die Förderung dieses Mal wegen des drastisch gestiegenen Ölpreises erstmals wirtschaftlich rentabel sein.

          Warnung vor Eskalation des Konflikts

          Der Verteilungskampf um das erhoffte Milliardengeschäft hat zu neuen Spannungen geführt. Das politische Klima zwischen Buenos Aires und London ist so vergiftet wie lange nicht mehr. „Keiner von uns kann zulassen, dass mitten im 21. Jahrhundert noch koloniale Enklaven fortbestehen“, wettert Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner. Großbritannien werde die Falkland-Inseln „weiterhin beschützen und verteidigen“, entgegnet in London Premierminister David Cameron.

          Der Regierungschef verweist darauf, dass die überwältigende Mehrheit der Bewohner der Falklands bei Großbritannien bleiben wolle. Im Februar entsandte die britische Kriegsmarine den Zerstörer „Dauntless“ („Furchtlos“) gen Südamerika. In einer medienwirksamen patriotischen Geste wurde Kronprinz William, der als Soldat dient, zum Einsatz auf die Inseln beordert. Experten halten einen neuen militärischen Schlagabtausch zwar für unwahrscheinlich, aber die Vereinten Nationen sind beunruhigt: Generalsekretär Ban Ki-moon warnt vor einer „Eskalation des Konflikts“.

          Wer ist der Eigentümer?

          Wem gehört der vermutete Ölschatz, wenn es ihn den wirklich geben sollte? Die Briten sagen, die Inselregierung der Falklands verfüge autonom über ihre Rohstoffe. „Der britische Finanzminister würde keinen Penny an Steuereinnahmen aus dem Ölgeschäft erhalten“, sagt ein Diplomat in London. Buenos Aires pocht dagegen darauf, das Falkland-Öl stehe „dem argentinischen Volk“ zu. Die Vergabe von Bohrlizenzen durch die Inselregierung sei „illegal“.

          Gegen Unternehmen, die sich direkt oder indirekt an der Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen beteiligen, will die argentinische Regierung juristische Schritte einleiten. Auf einer vom Außenministerium veröffentlichten Liste stehen neben Ölgesellschaften, Bohrfirmen und anderen Zulieferern auch zwei Dutzend Banken, Versicherungen und Beratungsfirmen, die mit den Ölfirmen zusammenarbeiten oder als institutionelle Anleger an deren Kapital beteiligt sind.

          Eine Politik wirtschaftlicher Nadelstiche

          Londoner Diplomaten sprechen von einer „Wirtschafts-Blockade“ der Argentinier. Buenos Aires versuche mit einer Politik wirtschaftlicher Nadelstiche Verhandlungen zu erzwingen. Es gibt mittlerweile kaum noch Flugverbindungen auf die Inseln. Argentinien verbot Schiffen, die mit den Falkland-Inseln verkehren, in seinen Häfen anzulegen. Bereits mehrfach waren auch Kreuzfahrtschiffe betroffen, die nach einem Stopp auf den Inseln am argentinischen Festland festmachen wollten.

          Argentiniens Diplomaten erreichten, dass Schiffe, die unter Flagge der Falklands fahren, auch in vielen anderen Ländern Südamerikas nicht mehr anlegen dürfen. Die Schikanen verteuern die Logistik - und treiben nicht nur den Bananenpreis auf den Falklands nach oben. Der Wirtschaftskrieg zieht immer weitere Kreise: Unternehmen in Argentinien werden mittlerweile aufgefordert, ihre Warenimporte aus Großbritannien einzustellen. Per Telefon gaben Regierungsvertreter den Rat, bei der Auswahl der Handelspartner darauf zu achten, wer immer noch auf den „Kolonialismus als Mittel zum Zugriff auf natürliche Ressourcen“ setze.

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