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Erdgas für Deutschland : Genosse Gasprom

  • -Aktualisiert am

Gas für Deutschland: Gasprom baut eine neue Pipeline in Sibirien Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

BASF fördert als erstes deutsches Unternehmen Erdgas in Sibirien. Und auch Eon verhandelt fleißig. Die Bindung zum russischen Energiekonzern Gasprom wird dadurch immer enger.

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          Die Bilder zum Produktionsbeginn des riesigen Erdgasfeldes Juschno Russkoje im Nordwesten Sibiriens konnten unterschiedlicher nicht sein: Während zum Startschuss am eigentlichen Ort des Geschehens Mitarbeiter der Betreibergesellschaft Sewerneftegasprom, an der derzeit der russische Erdgas-Riese Gasprom und der deutsche Konzern BASF beteiligt sind, bei 40 Minusgraden froren, herrschte am Dienstag in der Unternehmenszentrale von Gasprom in Moskau ein ausgesprochen freundliches Klima.

          Dmitri Medwedew, der Aufsichtsratsvorsitzende von Gasprom und aussichtsreichste Kandidat für die russische Präsidentschaft, drückte gemeinsam mit dem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sichtlich zufrieden auf den Startknopf. Die beiden Politiker waren auch ein Herz und eine Seele bei der Aussage, dass das Projekt auf hervorragende Weise die guten deutsch-russischen Beziehungen symbolisiere. Der Gasprom-Vorstandsvorsitzende Alexei Miller und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von BASF, Eggert Vorscherau, gaben sich ebenfalls gutgelaunt.

          Eon will Gas aus Westsibirien

          Gasprom demonstriert dadurch, dass der Konzern in der Lage ist, neue Erdgasfelder zu erschließen. Dem größten Gasproduzenten der Welt werfen Beobachter vor, zu wenig in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren. Für den deutschen Chemiekonzern, der über die Tochtergesellschaft Wintershall an Juschno Russkoje beteiligt ist, bedeutet die Inbetriebnahme des Erdgasfeldes den erfolgreichen Schlussstrich unter langjährige Verhandlungen. Dieser steht dem Energieunternehmen Eon noch bevor. Die Düsseldorfer streben ebenfalls eine Beteiligung an der Erdgasproduktion in Westsibirien an.

          Mit der BASF fördert erstmals ein deutsches Unternehmen direkt Erdgas in den ausufernden Feldern Westsibiriens. Nach Angaben des deutschen Unternehmens verfügt Juschno Russkoje über förderbare Reserven von mehr als 600 Milliarden Kubikmeter Erdgas, auf russischer Seite wird von Reserven von bis zu 1 Billion Kubikmeter gesprochen. Damit entspricht die Größe von Juschno Russkoje ungefähr der Erdgasproduktion in Russland im vergangenen Jahr.

          15 Jahre Erdgas für Deutschland

          Das Erdgasfeld könnte immerhin die derzeitigen jährlichen Erdgaslieferungen nach Deutschland, die etwa 40 Milliarden Kubikmeter betragen, allein für 15 Jahre bewältigen. Bis 2009 soll die Produktion in Juschno Russkoje auf 25 Milliarden Kubikmeter ausgebaut werden. BASF hält über Wintershall einen Anteil von 25 Prozent minus einer Aktie an Sewerneftegasprom, die die Lizenz am Erdgasfeld innehat. Zusätzlich hat BASF eine privilegierte Aktie ohne Stimmrecht am Gründungskapital der russischen Gesellschaft, wodurch BASF zu 35 Prozent am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt ist.

          Diese Anteile gab es nicht umsonst: Gasprom erhielt im Gegenzug eine Aufstockung des Anteils an der Erdgashandelsgesellschaft Wingas von 35 auf 50 Prozent minus einer Aktie. Zudem wurde Gasprom an einer Wintershall-Gesellschaft zu 49 Prozent beteiligt, die in zwei Konzessionsgebieten in Libyen Erdöl fördert. Damit kommt das russische Unternehmen, das ein Exportmonopol für russisches Erdgas hat, in seinen Bestrebungen voran, von der Förderung bis zum Endkunden die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken.

          Partnerschaft mit Russen überzeugt

          Die Vermarktung des Erdgases von Juschno-Russkoje liegt dabei in den Händen des russischen Konzerns. Eine Zwischengesellschaft soll dabei das Erdgas an Gasprom anhand einer Preisformel weiterverkaufen, die einen gemittelten Preis zwischen der russischen und der deutschen Notierung vorsieht. Bei BASF ist man überzeugt, dass die Beteiligung von Gasprom an Wingas, die in mehreren europäischen Ländern Erdgas vertreibt, nicht der „Beherrschung“ des Erdgashandels durch Gasprom Vorschub leistet.

          Die Partnerschaft mit Gasprom sei wirtschaftlich überzeugend, meinte John Feldmann, das für Erdöl und Erdgas zuständige Vorstandsmitglied bei der BASF, im Gespräch. Zudem habe der Chemiekonzern dadurch überhaupt ein Geschäft mit dem russischen Konzern, sagte Feldmann mit einem Seitenblick auf Eon, dem zweiten deutschen Unternehmen, das sich um eine Beteiligung an Juschno Russkoje bemüht.

          Gasprom beteiligt sich an Kraftwerken von Eon

          Inzwischen haben Eon und Gasprom bekanntgegeben, dass sich die Unternehmen über die Vermögensteile von Eon, an denen Gasprom sich beteiligen kann, geeinigt hätten. Dabei soll es sich um Kraftwerke in verschiedenen west- und zentraleuropäischen Ländern sowie um unterirdische Erdgasspeicher handeln. Die genaue Bewertung stehe aber noch aus. Offenbar sind damit auch die zunächst von Eon angebotenen Anteile an ungarischen Erdgasgesellschaften vom Tisch. Ursprünglich war zudem von einer Ausgleichszahlung von 1,2 Milliarden Euro für einen Anteil von 25 Prozent minus einer Aktie an Juschno Russkoje geplant.

          Die drei Unternehmen arbeiten schon beim Pipeline-Projekt in der Ostsee zusammen. Erdgas aus Juschno Russkoje ist dabei auch für die Leitung „North Stream“ vorgesehen, über die gut 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich von Russland nach Deutschland transportiert werden könnte. Dadurch wollen sich Gasprom und die deutschen Partner aneinander binden. Die Kosten wurden früher mit mehr als 5 Milliarden Euro angegeben. Inzwischen kursieren aber schon höhere Werte.

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