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Die Einweihung der Coral-Sul Bild: EPA

Energieversorgung : Erdgas aus Afrika statt aus Russland

  • Aktualisiert am

Auf dem Kontinent gibt es reiche Vorkommen, doch es fehlt an der nötigen Infrastruktur. Einige ehrgeizige Erdgasprojekte stecken seit den siebziger Jahren fest. Der Ukraine-Krieg könnte jetzt einen Schub bringen.

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          clb. Kapstadt ⋅ Es ist ein feierlicher Moment gewesen, als die Coral-Sul Mitte November in Südkorea in See stach und sich auf die eineinhalb Monate lange Reise nach Mosambik begab. Laut des italienischen Energiekonzerns ENI ist das mehr als 400 Meter lange und 60 Meter breite Schiff die „erste schwimmende Flüssigerdgas-Anlage, die jemals in den tiefen Gewässern des afrikanischen Kontinents eingesetzt wird“. Mitte dieses Jahres soll erstmals Gas aus dem ertragreichen Rovuma-Becken im Norden von Mosambik gepumpt werden, Abnehmer ist der britische Konzern British Petroleum.

          Als in Südkorea die Sektflaschen zur Jungfernfahrt entkorkt wurden, war noch nicht abzusehen, dass der Krieg in der Ukraine den Erdgaspreis in Rekordhöhen treiben würde und Länder wie Deutschland nach neuen Lieferanten suchen. Jetzt lassen neue Förderprojekte in Mosambik und anderen afrikanischen Ländern international aufhorchen. Einige afrikanische Regierungen und Konzerne sehen die Chance, russisches Gas zumindest teilweise durch afrikanisches zu ersetzen.

          Schnell reagierte Tansanias Staatspräsidentin Samia Suluhu Hassan, die sich offener und wirtschaftsfreundlicher präsentiert als ihr verstorbener Vorgänger John Magufuli: „Ob Afrika, Europa oder Amerika, wir suchen Abnehmer. Wir arbeiten schon mit Unternehmen aus Europa zusammen.“ In Tansania wurde erstmals 1974 Erdgas entdeckt, seit 2014 gibt es Pläne, eine Flüssiggasanlage zu bauen, doch die Gespräche mit Investoren wurden 2019 abgebrochen und erst nach dem Präsidentenwechsel wieder belebt. Anfang dieses Jahres hat die Regierung ein neues Verhandlungsteam ernannt.



          Pipeline von Nigeria nach Algerien

          Ähnliche Äußerungen gab es von Regierungsvertretern in Nigeria. Auch dort gibt es schon seit den Siebzigerjahren Pläne, eine mehr als 4000 Kilometer lange Trans-Sahara-Gaspipeline von Nigeria über Niger bis nach Algerien zu verlegen. Mitte Februar haben nun die Minister der drei Länder in der „Erklärung von Niamey“ die Wiederaufnahme des Milliardenprojekts vereinbart. Nach der Fertigstellung könnten 30 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa transportiert werden. Die Verzögerungen in der Vergangenheit waren Sicherheitsbedenken von Investoren geschuldet, aber auch die Verhandlungen auf Regierungsseite gestalteten sich zäh.

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