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Finanzminister erwog Umkehr : Erdbeben vor Bali bedrohte Scholz’ Reise zu IWF und Weltbank

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Bild: EPA

Auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali treffen sich gerade zahlreiche Wirtschaftsführer der Welt – als die Erde bebt. Konferenz-Teilnehmer rennen aus ihren Zimmern. Auch der deutsche Finanzminister will im Flugzeug zunächst umkehren.

          Das Erdbeben, das kurz vor drei Uhr in der Nacht in Indonesien die Küste Balis erschütterte, hätte beinahe auch die deutsche Finanzpolitik betroffen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erwog, den Flug nach Bali abzubrechen, als er im Flugzeug auf dem Weg zum Treffen mit seinen Amtskollegen und Notenbankchefs bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank von dem Beben hörte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Zur Diskussion stand eine Ausweich-Landung in Bangkok oder Singapur. Indonesien war in den vergangenen Wochen mehrfach Opfer von Beben, insbesondere auf der Bali-Nachbarinsel Lombok und in Sulawesi, wo nach einem Tsunami mit bis zu 5000 Todesopfern gerechnet wird. Die Herbsttagung von Fonds und Weltbank stand deswegen auf der Kippe. Das neuerliche Beben mit der Stärke 6,4 am frühen Donnerstagmorgen traf die Hotels der mehr als 25.000 Teilnehmer der Konferenz; etliche Gäste verließen ihre Zimmer und rannten ins Erdgeschoss. Bis zum Mittag war die Rede von drei Toten in Ostjava.

          Nach einem mehrere Sekunden währenden Erdstoß herrschte in der Nacht allerdings schnell wieder Ruhe. Eine Tsunamigefahr bestand zu keiner Zeit. Der IWF selbst erklärte um halb fünf Uhr morgens (Ortszeit), dass „das Beben keine ernsten Schäden hervorgerufen“ habe. „Es gibt keine Unterbrechung der Treffen.“ Um 9.00 Uhr traten dann zunächst Weltbankpräsident Jim Yong Kim und mit einiger Verspätung auch Christine Lagarde, die Geschäftsführende Direktorin des IWF, wie geplant vor die  Presse.   

          Andere Delegationen dachten auch über Abbruch nach

          Dennoch sollen im ersten Schrecken auch andere Delegationen die Frage diskutiert haben, ob unter diesen Umständen die Teilnahme am Jahrestreffen des IWF und der Gruppe der zwanzig großen Wirtschaftsräume (G-20) noch sinnvoll sei. Die Indonesier hätten jedoch darauf gedrängt, auf jeden Fall zu kommen. Für Indonesien besitzt die Rückkehr des Fonds 20 Jahre nach der Asienkrise einen enormen Werbeeffekt.

          Lagarde sagte denn auch am Donnerstagmorgen: „Die Ergebnisse, die Indonesien vorlegt, sind exzellent. Wir verzeichnen rasches Wachstum, einen massiven Aufbau von Auslandsreserven und eine respektable Verringerung der Schulden.“ Für den indonesischen Präsidenten Joko Widodo bedeutet die internationale Anerkennung eine starke Unterstützung im heraufziehenden Wahlkampf. Zuvor hatte Lagarde, die selbst die teilweise zerstörte Insel Lombok am Montag besucht hatte, den Opfern ihr Beileid ausgesprochen und eine rasche Hilfe des IWF angekündigt.

          Weil der Flughafen in Balis Inselhauptstadt Denpasar durch die am Ende leichten Erdstöße während der Nacht genauso unbeschädigt geblieben war wie die Luxushotels am Strand, gab Scholz am frühen Morgen grünes Licht. Die Maschine aus Deutschland flog weiter und landete gegen Mittag (Ortszeit) auf Bali.

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