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Generationenvertrag : Enttäuschendes Rentenkapitel

  • -Aktualisiert am

Was wird aus der Rente? Bild: dpa

Der Interessenausgleich zwischen Jung und Alt wird oft bloß auf den Hoffnungswert rot-grün-gelber staatsverwalteter Kapitalanlage gestützt. Das ist aber fahrlässig.

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          Die nächste Rentenerhöhung wird etwas geringer ausfallen als gedacht. Rentner werden so nachträglich an den Lohneinbußen der Beschäftigten im ersten Corona-Krisenjahr beteiligt. Die Wiedereinsetzung des „Nachholfaktors“ ist eine kleine gute Nachricht für die Arbeitnehmer, die mit ihren Beiträgen und Steuern die Renten finanzieren. Es ist leider der einzige Schritt, mit dem die künftige Ampelregierung den starken Ausgabenanstieg in der gesetzlichen Rentenversicherung ein wenig dämpfen will, indem sie auch den Älteren einen Beitrag abverlangt.

          Das Rentenkapitel im Koalitionsvertrag bleibt ansonsten weit hinter den Ansprüchen eines Bündnisses zurück, das „mehr Fortschritt wagen“ will. In der Rentenpolitik wagen SPD, Grüne und FDP nichts. Denn die „teilweise Kapitaldeckung“, mit der die jüngere Generation beruhigt werden soll, wird politisch bequem durch neue Schulden finanziert.

          Hier werden also vorerst weiter Lasten verschoben auf die Jüngeren. Sollte die neue Kapitaldeckung wie schon die Riester-Rente floppen, weil die Politik den Rechtsrahmen zu eng und ängstlich zurrt, ist für die Stabilität der Rentenkasse so wenig gewonnen wie für mehr „Generationengerechtigkeit“. Es wäre fahrlässig, den In­teressenausgleich bloß auf den Hoffnungswert rot-grün-gelber staatsverwalteter Kapitalanlagen zu stützen.

          Die Frage, wie die Renten der Babyboomer finanziert werden können, ohne die kleineren Folgejahrgänge zu überlasten, muss die Politik heute endlich zuverlässig beantworten. Das geht nicht, wenn sie wichtige Hebel von vornherein ausschließt. Die Ampel verspricht „dauerhafte“ Garantie eines Rentenniveaus von mindestens 48 Prozent. Auch über das Renteneintrittsalter will das Trio nicht reden, obwohl der erwartete Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung die Rentenbezugszeit erheblich steigern dürfte. Vorausschauende Länder koppeln den Rentenbeginn daher an die ­Entwicklung der Lebenserwartung. Eine solche Weichenstellung für Deutschland immer noch auszuschließen ist doppelt blind, weil sie sowohl die Rentenkasse entlasten als auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken würde.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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