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Mangel an Deponien : 30.000 Euro kostet allein die Baugrube

Megaprojekt Stuttgart21: Wohin soll der Abfall der Baustelle hin? Bild: dpa

Die Entsorgung des Erdaushubs von Baustellen wird besonders in Ballungsgebieten immer teurer. Doch wohin mit dem Abfall? Es fehlt zunehmend an neuen Deponien.

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          Auf der Autobahn A81 Richtung Bodensee gehören die Lastwagen voller Erde schon zum alltäglichen Bild, auch auf der A7 Richtung Allgäu. Erde und Steine, die sie geladen haben, wurden zum Beispiel in den Tunnelbaustellen des Bahnprojekts Stuttgart21 ausgehoben, abgeladen wird die Erde auf Deponien irgendwo im Süden des Landes, oft weit mehr als hundert Kilometer entfernt. „Es ist ein richtiger Abfall-Tourismus entstanden“, konstatiert Mathias Waggershauser, Präsidiumsmitglied der Landesvereinigung Bauwirtschaft in Baden-Württemberg. Er stöhnt mit Blick auf ein ohnehin bis kurz vor dem Verkehrsinfarkt ausgereiztes Straßennetz: „Das ist ökologischer und ökonomischer Schwachsinn.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der Mangel an Deponien führt dazu, dass die Gebühren teils sprunghaft ansteigen, teilweise auf das Doppelte innerhalb von fünf Jahren. Dabei handelt es sich keineswegs um Kleinigkeiten. Allein den Bodenaushub für ein durchschnittliches Einfamilienhaus zu entsorgen kostet mittlerweile im Großraum Stuttgart mehr als 30.000 Euro, hat Rainer Mang von der Landesvereinigung ausgerechnet. Bei einer Baugrube auf einer Fläche von 15 mal 15 Metern, drei Meter tief, fällt demnach ein Aushub von 1300 Tonnen an. 15 Euro Entsorgungskosten und 5 Euro Fracht je Tonne ergeben einschließlich Mehrwertsteuer 23,80 Euro je Tonne und somit insgesamt 30.940 Euro. Extremwerte sind das keineswegs, in Freiburg habe es schon Deponiekosten von 50 Euro je Tonne gegeben, beklagt die Bauwirtschaft. Das Problem beschränkt sich nicht auf das Ländle. Auch in Bayern, dem Ruhrgebiet und weiteren Ballungsgebieten seien Deponien knapp.

          Leidtragenden sind die Bauherren

          Die Leidtragenden sind die Bauherren. „Auf diese Weise wird das Bauen unmöglich gemacht. Das sind baufremde Kosten und die werden von keiner Bank finanziert“, sagt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft. Im Umweltministerium Baden-Württemberg ist man der Ansicht, dass noch genug Deponiefläche im Land vorhanden sei. Darüber schüttelt man in der Bauwirtschaft nur den Kopf: „Statistisch hat man auch kein Problem mit Wohnungsmangel, wenn man in Stuttgart eine Wohnung sucht und in Biberach zwei frei sind.“ In Karlsruhe und Heidelberg etwa gebe es überhaupt keine Entsorgungskapazitäten.

          Vor dem Bau neuer Erddeponien, deren Realisierung im Schnitt zehn Jahre dauere, schrecke man im baden-württembergischen Ministerium aber zurück, so die Beobachtung der Bauwirtschaft. Die Landesvereinigung hätte zumindest für Neubaugebiete einen Alternativvorschlag für eine einfache Lösung: So könnte man schon mit der Erschließung dafür sorgen, dass die künftigen Bauten etwas höher liegen, so dass einerseits der Aushub für Kanäle und dergleichen sofort wieder im Unterbau der Straßen verwendet werden könne und zudem die Gebäude keinen so tiefen Aushub bräuchten.

          Dass die Deponien im Südwesten so knapp sind, liegt indes nicht nur an der Großbaustelle Stuttgart 21, sondern auch am allgemeinen Bauboom. In Baden-Württemberg dürften die Betriebe des Bauhauptgewerbes im vergangenen Jahr den Umsatz um 8 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro gesteigert haben, schätzt die Bauwirtschaft. Bundesweit rechnet die Branche mit rund 5 Prozent mehr Umsatz.

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