https://www.faz.net/-gqe-d3g

Entlohnung : Wie viel Bonus braucht das Land?

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Menschen sind empört. Sie halten die hohen Boni der Banker für unangemessen. Die Politik hat das längst verstanden und fordert verbindliche Regeln für die Entlohnung von Bankern. Aber was ist eigentlich wirklich fair?

          5 Min.

          Die Politik hat längst verstanden, was gut ankommt. Karl-Gerhard Eick tritt nach der Pleite als Chef von Arcandor ab und kassiert trotzdem 15 Millionen. Prompt ist Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Stelle. „Dafür habe ich absolut kein Verständnis“, sagt sie – und geißelt damit, dass Eick die vollen Bezüge für fünf Jahre erhält, obwohl er nur sechs Monate im Amt war.

          Noch besser funktioniert der Reflex, wenn es um Banker geht oder – das Reizwort des Jahres – um deren Boni. Kaum ist das Bonusfieber in den Banken wieder ausgebrochen, spricht die Politik sogar offene Drohungen aus. In einem gemeinsamen Brief verlangen Kanzlerin Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown verbindliche Regeln für die Entlohnung von Bankern. Dabei bleiben sie keinesfalls gewohnt schwammig, sondern werden unangenehm deutlich. Sie fordern, eine weltweite Obergrenze für Boni zu prüfen. Auf dem Treffen der Finanzminister der G-20 an diesem Wochenende in London wird vor allem darüber geredet.

          Volkes Stimme ist eindeutig: Schon 2007 hielten mehr als achtzig Prozent der Deutschen die hohen Verdienste von Managern für ungerecht. Heute sprechen sich mehr als 88 Prozent für die Radikallösung aus: Sie befürworten eine generelle Obergrenze für Manager-Gehälter. 81 Prozent sind zudem fest davon überzeugt, dass die Banken weitermachen wie bisher und nichts aus der Krise gelernt haben. 88 Prozent glauben, dass die kleinen Leute die Krise am Ende ausbaden, während die da oben längst wieder ihren Platz an der Sonne gefunden haben.

          Zurückgetretener Arcandor-Chef Eick: 15 Millionen Euro für sechs Monate.

          Angesichts solcher Mehrheiten fällt es schwer, die Wut der Bevölkerung auf die hohen Verdienste der Banker ausschließlich als Neid abzutun. Die grassierende Missgunst gegen manchen Besserverdiener mischt sich neuerdings mit dem Gefühl, dass in der Gesellschaft generell etwas schiefläuft. Dem Gefühl, dass es unfair zugeht.

          Ein Wunsch nach Gleichverteilung hat fast jeder

          Kein Wunder, dass die Diskussion um die Entlohnung von Bankern und Managern sich gedreht hat. Sie ist radikaler geworden, klarer. Ging es zu Anfang noch vor allem darum, wie man durch bessere Gehaltsstrukturen verhindern kann, dass Banker und Händler wieder exzessive Risiken eingehen, so sind die Fragen nun viel grundsätzlichere: Soll man Boni kappen oder sogar ganz abschaffen? Und: Sind die Wahnsinnsgehälter einiger Banker und Top-Manager überhaupt noch gerecht?

          Was die Leute für fair halten, ist lange erforscht. Aus Experimenten wissen wir, dass fast jeder Mensch einen inneren Wunsch nach einer gewissen Gleichverteilung der Besitztümer innerhalb einer Gruppe hegt – auch wenn er für sich selbst am Ende gerne etwas mehr hätte als den Durchschnitt. Dass ein anderer jedoch viel mehr besitzt als üblich, ohne dass eine Leistung dafür erkennbar ist, passt den Menschen nicht. Anders sieht es aus, wenn eine erkennbare Leistung zu dem größeren Besitz geführt hat. Hier können sich Banker, Philosophen, Politiker und der Mann auf der Straße rasch einigen: Wer etwas leistet, soll dafür etwas bekommen. Die Frage lautet nur: Was ist Leistung? Und wie kann man sie messen?

          Der Ökonom und FDP-Politiker Karl-Heinz Paqué ist überzeugt: „Die Menschen haben ein sehr gutes Gefühl dafür, was andere leisten.“ Noch nie habe es etwa eine große Diskussion über die Einkommen von Rockstars gegeben. „Da riecht die Öffentlichkeit, dass in diesem Beruf ein enormes Risiko steckt und eine große Begabung – und sie akzeptiert es beinahe lautlos.“ Bei Bankern und Managern sei das anders. Ökonomisch könne man deren hohes Gehalt zwar leicht erklären: „Es hängen ungeheure Kapitalwerte an ihren Entscheidungen.“ Doch für die Menschen sei das schon in gewöhnlichen Zeiten schwer begreifbar. Schlimmer wird es in Situationen, da es offensichtlich ist, dass die Betroffenen eben nicht alles richtig, sondern vieles falsch gemacht haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ziemlich voll schon wieder: Strandkörbe stehen am Strand von Westerland.

          Bundesregierung rät : Besser gar nicht in den Urlaub fahren

          Übervolle Strände, wildes Campen und zahlreiche Ordnungswidrigkeiten: In Norddeutschland kämpfen Ferienorte und Sicherheitsdienste um die Einhaltung der Abstandsregeln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.