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Kommentar : Italien, zynisch

Die Geldschwemme der EZB wird in Italien als Triumph über den Lieblingsfeind Deutschland gesehen.

          Diplomatische Töne, höfliches Lob bei der Begegnung von Ministerpräsident Matteo Renzi und Kanzlerin Angela Merkel übertünchen die wachsende Entfremdung zwischen Deutschland und Italien. Die Deutschen mühen sich zwar, Italien zu verstehen und in seinem gegenwärtigen Reformwillen zu bestärken.

          Im Trommelfeuer der italienischen Medien werden die Deutschen gleichwohl als machthungrig dargestellt und als versessen auf eine Austerität, die Italien arm mache. Kein Wunder, dass jüngst in einer Umfrage 54 Prozent der Italiener Deutschland als größten Feind bezeichnet haben. Es gibt südlich der Alpen keinerlei Interesse für die Sorgen deutscher Sparer, Wirtschaftsdaten ignoriert man geflissentlich.

          Längst vergessen ist, was den Deutschen versprochen wurde, damit Italien in die Währungsunion aufgenommen werde. Mit Genugtuung sieht Italien in der neuen Geldschwemme der EZB einen Triumph über Deutschland – und verlangt noch mehr. Für den deutschen Frust darüber, dass jetzt endgültig die Euro-Mark gegen die Euro-Lira eingetauscht wurde, fehlt jedes Verständnis. So zerschellt in Deutschland der Glaube an Verträge an der zynischen Pragmatik italienischer Tagespolitik.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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