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Keine Marke auf der Schachtel : Rote Karte für den Marlboro Mann in England

Zigarettenschachteln mit Markenlogos in London - dieses Bild könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Bild: dpa

Großbritannien schreibt neutrale Verpackungen für Glimmstängel gesetzlich vor. Die Tabakindustrie spricht von Enteignung und kündigt Klagen an.

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          Großbritannien verbannt ab dem nächsten Jahr bunte Zigarettenschachteln aus den Regalen. Nach jahrelangen Verzögerungen stimmten die Abgeordneten des britischen Unterhauses jetzt mit großer Mehrheit für das Verbot von Markenlogos auf Tabakwaren. Stattdessen sollen neutrale Einheitsverpackungen mit abschreckenden Warnhinweisen Vorschrift werden. 367 Abgeordnete waren für das neue Gesetz, 113 Parlamentarier dagegen. Großbritannien ist damit das dritte Land auf der Welt, dass im Kampf gegen das Rauchen auf ein Markenverbot setzt. Die Regel gilt zunächst lediglich für England, doch wird erwartet, dass sich der Rest des Landes anschließen wird. Erst vergangene Woche hat Irland ein ähnliches Verbot beschlossen. In Australien sind Marken-Verpackungen von Zigaretten bereits seit 2012 untersagt.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Großbritanniens Gesundheitsministerin Jane Ellison bezeichnete das Verbot als „angemessen und gerechtfertigt“. Die Tabakindustrie will die neue Regelung, die ab Mai 2016 wirksam wird, dagegen gerichtlich anfechten. Wenn den Herstellern untersagt werde, ihre Marken zu nutzen, komme das einer Enteignung ohne Entschädigung gleich, sagte Jerome Abelman,  der für Regulierungsfragen zuständige Direktor von British American Tobacco. „Das ist sowohl nach britischem als auch nach EU-Recht illegal“, sagte Abelman, dessen Unternehmen unter anderem die Marke „Lucky Strike“ vertreibt. Der Konkurrent Imperial Tobacco („Gauloises“)  kündigte ebenfalls an, seine Markenrechte als „wertvolles geistiges Eigentum“ vor Gericht zu verteidigen.

          Marketingexperten verweisen darauf, dass populäre Zigaretten-Namen Milliarden wert seien – bisher jedenfalls. Als teuerste Tabakmarke der Welt gilt „Marlboro“ von Philip Morris, deren Wert die britische Agentur Brand Finance auf rund 13 Milliarden Dollar schätzt. Damit sei Marlboro mehr wert als etwa Starbucks, L’Oreal und Kellogg's. Die Markenfachleute verweisen aber auch darauf, dass durch die zunehmenden Restriktionen für Raucher in vielen Ländern die Markenwerte sänken.

          In Australien sind die Tabakkonzerne mit Klagen gegen das Markenverbot vor dem Obersten Gerichtshof des Landes gescheitert. Über eine Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO gegen das australische Gesetz wurde bislang noch nicht entschieden. Auch die Europäische Union setzt im Kampf gegen das Rauchen auf schärfere Vorgaben für die Verpackungen: Ab 2016 sind in den Mitgliedsstaaten großformatige Schockbilder, die einen Großteil der Verpackungen bedecken müssen, vorgeschrieben. Schätzungen zufolge sterben allein in der EU jedes Jahr rund 700.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

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