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Energiewirtschaft : Ohne Masterplan droht die Krise

  • -Aktualisiert am

Warnschilder der Energiewirtschaft Bild: Röth, Frank

Das deutsche Megaprojekt hat babylonische Züge: Alle reden über die „Energiewende“, aber es ist eine Kakophonie unterschiedlicher Sprachen. Und ein ordnender Baumeister ist nicht in Sicht.

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          Keine andere Branche in Deutschland ist im vergangenen Jahr von der Politik so sehr geschüttelt worden wie die Stromindustrie. Das Ergebnis ist eine tiefe Orientierungslosigkeit. Bekannt ist zwar das Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland mindestens 35 Prozent des Stroms aus regenerativer Energie gewonnen werden. In den folgenden drei Jahrzehnten soll der Anteil der Erneuerbaren bis auf 80 Prozent hochgefahren werden. Dieser Kraftwerksumbau ist ein wesentlicher Teil des von der Bundesregierung 2010 vorgestellten Energiekonzeptes 2050, mit dem in Deutschland innerhalb von vier Jahrzehnten die Treibhausgasemissionen radikal zurückgeführt werden sollen.

          Seinerzeit hatte die schwarz-gelbe Koalition den eine Dekade zuvor von Rot-Grün ausgehandelten Atomausstieg aufgehoben und eine Laufzeiten-Verlängerung beschlossen. Kernkraftwerke sollten dabei die Brücke für die Neuausrichtung hin zu einer dezentralen Stromversorgung bilden.

          Der Kurswechsel in der Atompolitik sorgte in der Strombranche für schlechte Stimmung: Die Stromproduzenten ohne Kernkraftwerke waren erzürnt, weil Atomstrom mit niedrigeren Produktionskosten dämpfend auf die Großhandelspreise wirkt und dies nicht nur den Ertrag der konventionellen Kraftwerksflotte, sondern auch die Finanzkraft für regenerative Investitionen reduziert. Auch die Freude der vier Kernkraftwerksbetreiber Eon, RWE, ENBW und Vattenfall hielt sich in Grenzen. Ihnen hatte die Bundesregierung als Preis für die Laufzeitenverlängerung eine milliardenschwere Gewinnabschöpfung durch eine neue Brennelementesteuer und Einzahlungen in einen Klima- und Energiefonds zugedacht.

          Keine drei Monate nach der Novelle des Atomgesetzes sorgte die Reaktorkatastrophe in Japan für den Einsturz dieser Atombrücke. Zunächst ordneten die Bundesländer am 14. März für acht Atommeiler mit einer Kapazität von 8400 Megawatt eine dreimonatige Zwangspause an. Ende Juli wurde diese Abschaltung endgültig und die stufenweise Stilllegung der anderen neun Kernkraftwerke mit fast 13 000 Megawatt Kapazität bis zum Jahr 2022 gesetzlich geregelt.

          Nach etlichen Pannen vor allem in den von Vattenfall betriebenen Atommeilern, dem Druck der Kernkraftwerksbetreiber auf eine Laufzeitenverlängerung und der Katastrophe in Fukushima erreichte das öffentliche Ansehen von Eon, RWE, ENBW und Vattenfall seinen Tiefpunkt. Stattdessen präsentierten sich die regionalen Versorger und Stadtwerke geschickt als die geeigneten Akteure für den Aufbau des regenerativen Kraftwerkparks.

          Der neuerliche Atomausstieg hat in Bevölkerung und Politik zwar starken Rückhalt. Doch schon nach einem Jahr der „Energiewende“ wachsen die Zweifel an deren Umsetzbarkeit. Seit März 2011 ist trotz der abgeschalteten acht Atommeiler ein flächendeckender Stromausfall ausgeblieben. Bei der Strombereitstellung gab es zwar häufiger als bisher Stunden, in denen Stromimporte erforderlich waren. So ist im Außenhandelssaldo der Exportüberschuss deutlich um zwei Drittel auf 6 Milliarden Kilowattstunden zurückgefallen. Aber ansonsten wurde der fehlende Atomstrom - etwa 30 Milliarden Kilowattstunden im Jahr - über Braunkohlekraftwerke und regenerative Erzeugungsanlagen aufgefangen. Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen ist um ein Viertel auf 20 Prozent gesprungen.

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