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Energiewende : Deutscher Ökostrom allein reicht nicht

Eine Solarkraftanlage in Israel. Bild: AP

Wie können die Klimaziele erreicht werden? Wind- und Solarenergie alleine werden es nicht reißen. Der Weltenergierat fordert von der Bundesregierung deshalb mehr Engagement für grüne Kraftstoffe.

          Der Kohleausstieg ist der Koalition ein klimapolitisches Anliegen. Doch die Energiewende will mehr, als nur die Elektrizitätserzeugung auf Wind-, Photovoltaik- und Biogasanlagen umzustellen. Das würde nicht reichen, um die Wirtschaft bis zum Jahre 2050 weitgehend CO2-neutral zu machen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Ambitionierte Klimaziele können nur erreicht werden, wenn erneuerbare Energie nicht nur direkt als Strom genutzt wird, sondern auch als Gas oder flüssiger Brennstoff speicherbar ist“, sagt Carsten Rolle von der deutschen Sektion des Weltenergierates, eines Zusammenschlusses von Energieunternehmen. Erneuerbarer Strom könnte so umgewandelt und zum Antrieb da genutzt werden, wo Batterien nicht reichen – bei Flugzeugen, Schiffen, schweren Lkw oder in der Industrie.

          Die Techniken sind bekannt: die Wandlung von Strom in speicherbaren Wasserstoff, um damit Brennstoffzellen für den Elektroantrieb zu speisen oder um daraus mit wiederverwertetem CO2 „grünes“ Gas zu machen. Die Energiebranche nennt das „Power to X“, wobei das X für Formen grüner Stromumwandlung steht, wie Wasserstoff, Ammoniak, Methan, Diesel, Benzin oder Kerosin. Sie ersetzen konventionelle Brennstoffe aus Kohlenwasserstoff. Das hilft nicht nur dem Klima. Erprobte Motorentechnik könnte weitergenutzt werden, auch Infrastruktur wie Pipelines oder Tankstellen.

          Alternativen im Ausland suchen und finden

          Große Studien, die sich zuletzt mit der Energiewende befasst haben, kommen zu dem Schluss, dass der Umbau des Energiesystems ohne Einsatz künstlicher Treibstoffe auf Basis von Ökostrom nicht gelingen wird. Strittig sind nur Umfang und Zeitpunkt, wann sie gebraucht werden.

          Zwei Fragen spielen vor allem eine Rolle. Was kostet das alles, und woher sollen die neue Energieträger kommen? Denn eines ist klar: Der hierzulande fallweise entstehende Überschuss an Wind- und Solarstrom ist nicht groß genug, um die benötigten Mengen zu erzeugen. Der Platz reicht schon kaum, um all die Windräder aufzustellen, die das Ausbauziel 65 Prozent Ökostrom 2030 notwendig macht.

          Deshalb hat der Weltenergierat einen Fahrplan für grüne, synthetische Kraftstoffe entworfen. „Klar ist, dass langfristig große Mengen aus dem Ausland kommen müssen, wo die Erzeugungskosten von erneuerbaren Energien deutlich niedriger liegen“, sagt Rolle der F.A.Z. Dafür braucht man Platz und Sonne oder Wind. Australien, Nordamerika, Chile und Argentinien gelten wie das südliche Afrika als Anbieter, auch Ölstaaten wie das sonnenreiche Saudi-Arabien. Näher an Europa liegen Marokko und Algerien, um die sich wieder hiesige Debatten ranken. Sie spielten schon bei der gescheiterten Wüstenstromnetz-Idee „Desertec“ eine Rolle.

          Allerdings werde bisher mehr über die Staaten als mit ihnen geredet, beklagt Rolle: „Wir müssen mit diesen Ländern sprechen.“ Bislang seien solche klimapolitischen Erwartungen als potentielle Mitspieler der Energiewende dort kaum bekannt. „Power to X wird nicht plötzlich da sein, seine Entwicklung braucht eine langfristige politische Strategie und eine schrittweise Skalierung“, sagt Rolle.

          Notwendig sei der Aufbau eines internationalen Marktes für künstliche Kraftstoffe, damit Deutschland später Wasserstoff aus nordafrikanischen Solarkraftwerken importieren könne. Die Bundesregierung müsse sich mehr ins Zeug legen mit bilateralen Kooperationen und internationalen Abmachungen. Wegen hoher Kosten der PtX-Erzeugung dringt der Rat auf finanzielle Hilfe: Förderung von Pilotprojekten, Wegfall von Energiesteuern und Umlagen auf den Einsatz von Ökostrom, Anrechnung von PtX auf CO2-Minderungsziele. Mit Blick auf die Kohlekommission rät Rolle dann noch: „Wir sollten uns mehr damit beschäftigen, wie wir in neue Technologien einsteigen, als nur damit, woraus wir aussteigen wollen.“

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