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Energiewende : Solarkraft studieren - lohnt sich das überhaupt noch?

  • -Aktualisiert am

Bleiben der Sonne treu: Studenten im Testlabor eines ostdeutschen Solarzellen-Herstellers Bild: dpa

Die Energiewende hat 300 Studiengänge hervor gebracht. Doch die Attraktivität ist nicht mehr so groß wie früher, als es der Solar-industrie gutging. Doch es gibt neue Wege.

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          Tausende Windräder im Norden, dazu eine noch weitaus größere Zahl an Dächern, die quer durch die Republik mit Solarzellen bestückt wurden: Sie alle zeugen sichtbar von der Verve, mit der sich Deutschland in die Energiewende gestürzt hat. Aber die erneuerbaren Energien haben ihren Platz auch an anderer, nicht ganz so augenscheinlicher Stelle erobert.

          Fast 300 Studien- und Weiterbildungsgänge zu diesem Gebiet listet das Internetportal „studium-erneuerbare-energien.de“ auf, wobei die Definition weit gefasst wurde und auch angrenzende Felder wie Elektrotechnik oder Gebäudetechnik einbezogen werden. Aber auch unter der engeren Definition „Studiengänge mit vollständiger Ausrichtung auf erneuerbare Energien“ werden noch 34 Hochschulangebote aufgezählt - die meisten davon wurden erst in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen.

          Wenig Interesse an Photovoltaik

          Doch die wirtschaftliche Krise insbesondere der deutschen Solarindustrie hat viele Abiturienten ins Grübeln gebracht. Wenn Konzerne wie Bosch sich erst mit großen Plänen in das Feld der Photovoltaik stürzen, das Geschäft aber schon nach wenigen Jahren mit Milliardenverlusten wieder beenden, schreckt das auch den Nachwuchs ab.

          „Das Interesse an den Bachelor- und Masterstudiengängen mit Schwerpunkt Photovoltaik ist deutlich zurückgegangen. Dass Bosch das Solargeschäft zugemacht hat, war auch für uns ein harter Schlag“, sagt Professor Jürgen Werner, der Leiter des Instituts für Photovoltaik (IPV) an der Universität Stuttgart.

          Tristesse in Freiburg

          Auch weiter südlich, in der selbsternannten Solarhauptstadt Freiburg, hätte man sich einen dauerhafteren Erfolg der deutschen Solarindustrie erhofft. Für den vor vier Jahren ins Leben gerufenen, berufsbegleitenden Master-Onlinestudiengang Photovoltaik würde man sich jährlich 10 bis 15 Teilnehmer wünschen, die die Gebühren von 15 000 bis 20 000 Euro entweder selbst aufbringen oder von ihren Arbeitgebern bezahlt bekommen. Tatsächlich seien es eher 5 bis 10 Teilnehmer, sagt der Koordinator Bernward Fleischhauer. „Man hat die Krise doch deutlich gespürt, die Studenten reagieren darauf.“

          Aber wer nur auf die deutsche Solarindustrie schaue, blicke nicht weit genug, betonen beide Wissenschaftler. „Global steigt das Interesse an der Photovoltaik immer weiter an, wir bekommen daher immer mehr Studierende aus dem Ausland“, sagt Fleischhauer.

          Spezialisten kaum gefragt

          Und sein Stuttgarter Kollege Werner, einer der führenden Solarforscher im Land, ergänzt: „Das Studium lohnt sich nach wie vor. Es dauert nur eine Weile, bis der Nachwuchs erkennt, dass der Solarmarkt immer noch vorhanden ist.“

          Wer sein (Ingenieur-)Leben mit dem Sonnenstrom gestalten will, sollte ohnehin nicht zu eng denken, heißt es an den Hochschulen und in den Unternehmen. Der reine Spezialist für die Entwicklung neuer Solarmodule ist kaum noch gefragt, und auch die verbliebenen Solarmaschinenbauer brauchen nicht allzu viele neue Entwickler im Jahr. „Deshalb ist es viel wichtiger, dass die Studierenden die Photovoltaiknutzung vom System her verstehen“, sagt Werner.

          Solarparks effizient betreiben

          Die Fragen, wie der Solarstrom besser gespeichert werden kann, wie er in die zunehmend dezentralen Stromnetze sinnvoll eingespeist wird oder wie er auf den Zuwachs insbesondere des Windstroms abgestimmt wird, gewinnen immer mehr an Bedeutung.

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