https://www.faz.net/-gqe-73j6q

Energiewende : Eine Quote für den Grünstrom

  • -Aktualisiert am

Ewig locken die Milliarden: Deutschlands größter Solarpark entsteht auf altem Flughafengelände in Brandenburg Bild: dapd

Wettbewerb macht die Energiewende billiger. Daher darf es für Strom aus erneuerbaren Energien keine garantierte Vergütung mehr geben. Ein Quotenmodell wäre besser: Es sorgt dafür, dass die günstigsten Technologien, Standorte und Anbieter zum Zuge kommen. Ein Gastbeitrag.

          An diesem Montag wird die Umlage für Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) endgültig bekanntgegeben. Dann werden die Verbraucher wissen, um wie viel der Strompreis für sie im kommenden Jahr mindestens steigen wird. Durchgesickert ist, dass mit einer Erhöhung der Umlage von 3,59 auf rund 5,3 Cent zu rechnen ist, eine Steigerung von fast 50 Prozent. Dabei umfasst die Umlage nur einen Teil der Kosten, die durch den Ausbau der erneuerbaren Energien verursacht werden: Die Kosten für den Netzausbau und -umbau sowie für den erhöhten Bedarf an Regelenergie zum Ausgleich der Fluktuation der Stromerzeugung mit Hilfe von Wind und Sonne sind gar nicht enthalten. Wenige Sprüche sind daher so sinnlos wie der, dass die Sonne keine Rechnung schicke.

          Inzwischen ist es aber auch in der Politik angekommen, dass das aktuelle Fördersystem für erneuerbare Energien zu überbordenden Kosten führt. Umweltminister Peter Altmaier hat daher angekündigt, das System grundlegend zu reformieren, indem staatliche Obergrenzen eingeführt werden, die bestimmen sollen, wann wo welche Anlagen zugebaut werden dürfen. Es riecht ganz stark nach noch mehr Planwirtschaft. Monopolkommission, Sachverständigenrat sowie die Akademie der Technikwissenschaften haben dagegen den Wechsel vom Erneuerbare-Energien-Gesetz hin zu einem quotenbasierten Fördersystem ins Spiel gebracht. Welche Vorteile erhofft man sich?

          Früher waren es Butterberge und Milchseen, heute die Energiewirtschaft

          Wie in anderen Bereichen kann auch im Sektor erneuerbarer Energien der Wettbewerb enorme Vorteile bringen. Voraussetzung ist, dass der ordnungspolitische Rahmen, in dem sich der Wettbewerb entfalten soll, richtig abgesteckt wird. Heute wird der Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem durch das EEG gefördert. Für jede Kilowattstunde „grünen“ Strom gibt es eine staatlich für 20 Jahre festgelegte Vergütung. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, den Strom zu diesen Tarifen zu kaufen, egal ob sie ihn loswerden oder nicht. Die Kosten werden auf den Verbraucher überwälzt.

          Als grüner Stromerzeuger kann man produzieren, ohne sich um Nachfrage und Vermarktung zu kümmern. Die planwirtschaftliche Fehlsteuerung, die in der Landwirtschaft früher zu Butterbergen und Milchseen geführt hat, ist auf den Energiesektor übertragen worden. Die Landwirte kennen sich damit ja aus. Nur lässt sich Strom im Gegensatz zu Milch und Butter nicht lagern. Daher müssen zeitweise sogar negative Preise - auf Deutsch: Entsorgungsgebühren - bezahlt werden, damit man den Strom los wird, den niemand möchte. Die Netzbetreiber und letztendlich die Verbraucher bezahlen dafür, so, wie die Bürger sonst für die Müllentsorgung zahlen.

          Die Preissenkungen für Solarpanels haben dazu geführt, dass es für Verbraucher teurer wurde

          Damit nicht genug: Die teuerste Form der Stromerzeugung hat man auch noch mit den weitaus höchsten Renditen gesegnet. Seit 2005 erleben wir eine starke Überförderung der Photovoltaik. Obwohl Solarstrom in Deutschland mit Abstand die höchsten Kosten unter den erneuerbaren Energien hat, lassen sich damit die höchsten Gewinne machen. Der Grund für die enorme Überförderung liegt darin, dass die staatlich garantierten Festpreise für Solarstrom sehr viel langsamer gefallen sind als die Kosten für Solarpanels. Die Gewinnspanne für Solarstromerzeuger hat sich daher drastisch erhöht. Dementsprechend schnell geht der Zubau neuer Solaranlagen voran, auch in diesem Jahr. Es ist daher kein Erfolg, dass über 40 Prozent der weltweit installierten Solaranlagen heute im sonnenarmen Deutschland stehen. Das ist ein grandioser Misserfolg des EEG.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Reformpaket gegen Klimawandel : Der Tag der Entscheidung

          Nach monatelangen Debatten steht die Bundesregierung vor einer klimapolitischen Richtungsentscheidung. Verschiedene Maßnahmen stehen zur Wahl. Eine Übersicht.

          „Downton Abbey“ im Kino : Flucht in die heile Adelswelt

          „Downton Abbey“, der Kinofilm, ist das polierte Produkt der Brexit-Jahre: ein nostalgischer Blick auf die Welt des englischen Adels und eine Aufforderung, sich vor der politischen Gegenwart zu verstecken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.