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Energiewende : Eine Quote für den Grünstrom

  • -Aktualisiert am

Keine garantierte Einspeisevergütung

Auf der Angebotsseite erhalten die Produzenten grünen Stroms pro 100 Kilowattstunden erzeugtem Grünstrom ein „Grünstromzertifikat“, das handelbar ist. Die Produzenten grünen Stroms bekommen also keine garantierte Einspeisevergütung mehr, sondern verkaufen den produzierten Strom regulär über die Börse oder auch bilateral (etwa an ihr Stadtwerk), sofern sie den Strom nicht selbst verbrauchen. Zu den Erlösen aus dem Stromverkauf kommen die Erlöse aus dem Verkauf der Grünstromzertifikate, welche die Stromversorger benötigen, um nachzuweisen, dass sie die Quotenpflicht erfüllen.

Um die Quote zu erfüllen, können Stromversorger selbst grünen Strom erzeugen, diesen von Dritten beziehen oder die Grünstromzertifikate von anderen kaufen. Die Vertragsgestaltung zwischen Grünstromerzeugern und Stromversorgern bleibt allein diesen überlassen. Stromversorger können Grünstromzertifikate am Markt erwerben oder auch selbst Ausschreibungen für die Grünstromerzeugung vornehmen und dort auch eine garantierte Einspeisevergütung anbieten oder diese aushandeln. Weil die Stromversorger nun aber in einem Wettbewerb stehen, selbst wenn dieser unvollkommen ist, werden diese die günstigsten Technologien, Standorte und Anlagengrößen unter den erneuerbaren Energien kontrahieren. Auch im Sektor der erneuerbaren Energien könnte der Wettbewerb seine Wirkung endlich entfalten.

Die Quote könnte jährlich gesteigert werden

Um den Ausbau der erneuerbaren Energien besser zu steuern als heute, wird in dem Modell die Quotenpflicht jährlich gesteigert. Fangen wir etwa 2014 mit einer Quote grünen Stroms von 26 Prozent an, so fehlen bis 2020 noch weitere 9 Prozent, um das Ziel der Bundesregierung - 35 Prozent grüner Strom bis 2020 - zu erreichen. Die Quote müsste daher in den verbleibenden sechs Jahren um jährlich 1,5 Prozent steigen. Werden nun aber mehr Erzeugungskapazitäten gebaut, fällt der Preis für Grünstromzertifikate. Sind zu wenige Kapazitäten geplant, steigt der Zertifikatepreis. Der Preis steuert also die Erfüllung der Quote. Der heute unkontrollierte Zubau, bei dem garantierte Einspeisetarife verhindern, dass Preissignale wirken, hätte ein Ende. Der Zubau würde verstetigt, so dass auch der Netzausbau viel besser planbar wäre.

Der Einfachheit halber sollten Netzanschlusspflicht und Einspeisevorrang zumindest vorerst erhalten bleiben, um nicht zu viele Dinge parallel am System zu verändern. Zudem sollte für alle bis Ende 2014 errichteten Anlagen die jeweils gesetzlich garantierte Förderung nach EEG weiter gelten, um das Vertrauen der Investoren nicht zu missbrauchen.

Die Vorteile eines Quotensystems

Die ökonomischen Vorteile eines solchen Quotensystems liegen auf der Hand: Weil Stromversorger wie Stadtwerke zunehmend im Wettbewerb um Kunden stehen, haben sie starke Anreize, die günstigsten Formen der Produktion von grünem Strom zu beziehen. Dies senkt die Kosten der Energiewende für die Verbraucher. Zudem ist die passgenaue Steuerung des Zubaus an Grünstromkapazitäten über eine Quote möglich, der Netzausbaubedarf also besser planbar. Auch ermöglicht ein Quotenmodell Vertragswettbewerb. Die Stromversorger selbst können entscheiden, wie sie am besten Grünstrom beschaffen: ob durch die Garantie von Einspeisetarifen in ihrer Kommune oder durch ein Ausschreibungsverfahren, durch bilaterale Verhandlungen oder durch den Kauf von Grünstromzertifikaten an der Börse. Auch selbstverbrauchter Strom könnte berücksichtigt werden.

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