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Energiewende : Eine Quote für den Grünstrom

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Paradoxerweise haben die Preissenkungen für Solarpanels sogar dazu geführt, dass die Verbraucher heute pro Kilowattstunde grünem Strom mehr zahlen als vor zehn Jahren. Weil mit der teuersten Form unter den erneuerbaren Energien - der Solarenergie - die höchsten Renditen zu erzielen waren, wurde diese am stärksten ausgebaut. Innerhalb der erneuerbaren Energien hat sich der Technologiemix stark zugunsten der Photovoltaik verschoben. Heute haben wir daher vom Teuersten am meisten. Die Preissenkungen für Solarpanels haben dazu geführt, dass es für die Verbraucher noch teurer wurde. Allein dies zeigt, wie grotesk das Fördersystem des EEG ist. Grüner Strom wäre heute pro Kilowattstunde viel billiger, wenn er in Deutschland mit Wind erzeugt würde statt durch Sonne.

Ein Quotenmodell wäre die Alternative

Am Rande sei bemerkt, dass das EEG-Modell zu fragwürdigen Umverteilungen führt, und zwar von „unten nach oben“ wie zwischen den Bundesländern. Von unten nach oben verteilt das EEG, weil Immobilienbesitzer und Landwirte von den sehr hohen Renditen der Einspeisevergütung profitieren, während die Verbraucher die Zeche zahlen. Zwischen den Bundesländern kommt es ebenfalls zu großen Umverteilungen: Während Bayern 2011 netto mehr als 1,1 Milliarden Euro Subventionen empfangen hat - was die Begeisterung der CSU für die Solarenergie erklärt -, war Nordrhein-Westfalen mit mehr als 2,2 Milliarden Euro mit Abstand das größte Geberland.

Eine Alternative zu den mehr als 3000 staatlich festgelegten EEG-Vergütungssätzen wäre ein Quotenmodell, bei dem Energieversorger verpflichtet werden, bis 2020 eine Quote von 35 Prozent grünen Strom zu vermarkten. Ob Stadtwerke und andere Versorger den Strom aus regenerativen Energien dann selbst erzeugen oder ob sie grünen Strom am Markt beschaffen, ob sie den Grünstromerzeugern Festpreise zahlen oder Marktprämien, ob der grüne Strom aus Biomasse, Solarenergie oder Windkraft wäre - all das könnte man den Stadtwerken und anderen Versorgern selbst überlassen. Die Folge wäre Wettbewerb auch unter den erneuerbaren Energien. Das verhindert Überkompensation und drückt die Preise, und die größten Absurditäten wie die Negativpreise würden verschwinden.

Das Vorbild könnte Schweden sein

Für das sächsische Wirtschaftsministerium haben wir erarbeitet, wie ein solches Quotensystem aussehen könnte. Unser Vorbild ist das schwedische Regime zur Förderung erneuerbarer Energien. Dabei werden sowohl Stromversorger (wie die Stadtwerke), die den Strom an die Endkunden liefern, als auch bestimmte Letztverbraucher dazu verpflichtet, einen Nachweis zu erbringen, dass ein bestimmter Anteil des Stroms, den sie verkaufen oder verbrauchen, aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

Letztverbraucher werden verpflichtet, diesen Nachweis selbst in dem Maße zu erbringen, in dem sie Strom nicht von den Stromversorgern beziehen, sondern zum Beispiel direkt an der Strombörse einkaufen. Das ist notwendig, damit man nicht die Grünstromquote umgehen kann, indem man Strom direkt beim Erzeuger kauft. Wie die Erfahrungen anderer Länder mit Quotensystemen zeigen, ist zudem eine abschreckende Strafe notwendig, damit die Quotenpflicht erfüllt wird.

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