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Energiewende : Behörde gibt grünes Licht für Stromautobahn

Demonstration gegen Stromleitung im April in Thüringen Bild: dpa

Die Bundesnetzagentur will einen vierten Korridor für den Transport erneuerbarer Energien von Nord nach Süd, doch soll die Leitung nur bis Nordrhein-Westfalen führen. Jetzt startet die Anhörung der betroffenen Anwohner.

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          Um die Energiewende abzusichern, hält die Bundesnetzagentur den Bau einer weiteren unterirdischen Stromautobahn für notwendig. Anders als von den vier Netzbetreibern vorgeschlagen, soll diese aber nur von Schleswig-Holstein bis nach Nordrhein-Westfalen reichen. Die Betreiber des Höchstspannungsnetzes hatten im April verlangt, diesen zusätzlichen vierten Korridor bis nach Baden-Württemberg auszubauen. Dem widerspricht die Netzagentur jetzt in ihrem am Dienstag vorlegten Netzentwicklungsplan Strom 2019-2030.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Allerdings seien „alle bisherigen Projekte weiterhin notwendig für das Gelingen der Energiewende“, sagte Vizepräsident Peter Franke. Auch der bevorstehende Ausstieg aus der Kohle mache den weiteren Ausbau der Stromleitungen nicht obsolet: „Erste Analysen zeigen, dass die Netzausbaumaßnahmen auch nach einem vollständigen Kohleausstieg bis 2038 notwendig sind.“

          Damit werden auch die bisher geplanten drei Korridore mit vier Leitungen im deutschen Westen (Ultranet), in der Mitte (Suedlink) und im Osten (Sued-Ost-Link) bestätigt. Sie sollen, nach Fertigstellung in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts, zusammen eine Kapazität zusammen 8000 Megawatt Transportleistung vor allem für Windstrom aus dem Norden haben. Durch die neue Leitung käme nochmal 2000 Megawatt hinzu.

          Die Leitungen sind anders als im klassischen Stromsystem nicht vernetzt, sondern gehen von Punkt zu Punkt. Sie werden mit Gleichstrom statt Drehstrom betrieben, was die Übertragungsverluste mindert. Der genaue Verlauf der neuen Trasse ist noch unklar und wird erst in den kommenden Jahren in Abstimmung mit den regionalen Behörden und Anliegern entwickelt.

          Bis auf den Abschnitt des „Ultranet“ im von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg und einen Teil des Sued-Ost-Links bei Magdeburg sollen die anderen Leitungen weitgehend als Kabel in der Erde geführt werden. Allerdings gibt es auch dagegen noch Proteste, die den Terminplan in Frage stellen.

          Ursprünglich sollten die Leitungen 2022 fertiggestellt sein, um pünktlich zur Abschaltung der letzten Kernkraftwerke in Bayern und Baden-Württemberg die ausfallenden Strommengen ersetzen zu können. Stattdessen sollen dort nun Gaskraftwerke errichtet werden.

          Mit der Bekanntgabe des neuen Netzentwicklungsplans am Dienstag beginnt eine Reihe öffentlicher Anhörungen, in denen Anwohner, Betroffene, Verbände und Regionalpolitiker Stellung dazu beziehen können. Die werden anschließend abgewogen und gegebenenfalls in den Ausbauplan eingearbeitet. Franke sagte, die Netzagentur halte viele der von den Netzbetreibern vorgeschlagenen Ausbauprojekte für nicht notwendig. „Insbesondere halten wir im Moment eine weitere Stromautobahn nach Baden-Württemberg nicht für erforderlich, hier genügt nach unser derzeitigen Einschätzung eine Leitung von Schleswig-Holstein nach Nordrhein-Westfalen.“

          Der Netzentwicklungsplan Strom 2019-2030 beinhalte jenen Ausbau des Übertragungsnetzes, der für eine sichere Stromversorgung bis zum Jahr 2030 notwendig sei. Dazu gehöre auch erstmals eine Planung für die Anbindung der neuen Meereswindparks vor der Küste. Für die Anbindung der Offshore-­Windparks sieht die Bundesnetzagentur acht bis neun weitere Anbindungssysteme in Nord- und Ostsee bis zum Jahre 2030 als notwendig   an. Den Berechnungen liege das Ziel der Bundesregierung zu Grunde, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen.

          Rechnung für Stromkunden dürfte billiger ausfallen

          Die Bundesnetzagentur halte nach aktuellem Stand 96 von 164 der von den Übertragungsnetzbetreibern vorgeschlagenen Maßnahmen bis zum Jahr 2030 für erforderlich. Das ändere sich auch nicht bei einem vollständigen Kohleausstieg bis 2038. Die Zahl der im Bundesbedarfsplan gesetzlich festgeschriebenen Projekten steige damit um 56 zusätzliche Ausbaumaßnahmen. Hingegen würden 68 Maßnahmen, die die Netzbetreiber vorgeschlagen hätten, „gegenwärtig als nicht bestätigungsfähig eingestuft“.

          Die Netzbetreiber hatte in ihrem Entwurf aus dem April die gesamten Ausbaukosten für den darin verlangten Netzausbau auf 61 Milliarden Euro geschätzt. Die von den Stromkunden zu tragende Rechnung dürfte nun etwas billiger ausfallen, wenn ein Teil der dort verlangten Trassen und Leitungen wegfällt. Allein das Offshore-Netz müsste nach diesen Plänen um 1900 Kilometer, das Übertragungsnetz an Land um 2900 Kilometer erweitert werden.

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