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Energieversorgung : Aserbaidschan liefert Gas nach Europa

Schon am Mittwoch hatten die Türkei und Aserbaidschan einen Grundsatzvertrag über den Bau der Transanatolischen Pipeline (Tanap) unterzeichnet. Die Entscheidung für Nabucco-West ist wiederum nur eine Vorentscheidung. Als zweite Route von der Türkei nach Europa ist weiter eine Leitung über Griechenland durch die Adria nach Italien (TAP) im Auswahlverfahren. Bild: F.A.Z.

Für den Transport von kaspischem Gas nach Europa sind wichtige Entscheidungen gefallen. Durch die Türkei wird eine neue Leitung gelegt, Nabucco bekommt als Kurzversion eine Chance.

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          Das Nabucco-Konsortium kann sich Hoffnung auf den Bau eines Teilstücks der neuen Verbindung für den Transport von Erdgas aus der kaspischen Region nach Europa machen. Das von BP angeführte Shah-Deniz-II-Konsortium in Aserbaidschan erteilte am Donnerstag der Bietergruppe um den österreichischen Konzern OMV den Zuschlag als potentieller Investor für eine 1300 Kilometer lange Verbindung von der türkischen Grenze bis in das österreichische Baumgarten, einem zentralen Verbindungspunkt für die Gasversorgung der EU. Ursprünglich wollte die Nabucco-Bietergruppe den gesamten „Südkorridor“ bauen, mit dem sich die EU unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland machen will.

          Oettinger zeigt sich zufrieden

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Schon am Mittwoch hatten die Türkei und Aserbaidschan einen Grundsatzvertrag über den Bau der Transanatolischen Pipeline (Tanap) unterzeichnet, die Gas aus Aserbaidschan nach Europa bringen soll. Die Pipeline soll von 2018 an jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren, davon sollen aber mindestens 6 Milliarden Kubikmeter in der Türkei bleiben. EU-Energiekommissar Günther Oettinger lobte beide Entscheidungen am Donnerstag. Die EU sei damit dem Gas der kaspischen Region einen Schritt näher gekommen. Wie die Pipeline heiße, ob sie schwarz oder weiß sei oder aus einer oder zwei Leitungen bestehe, sei irrelevant, solange am Ende neues Gas nach Europa fließe, sagte Oettinger weiter.

          Das Nabucco-Konsortium setzte sich gegen das Konkurrenzprojekt SEEP des britischen BP-Konzerns durch. BP hat die technische Führung im Konsortium mit dem staatlichen aserbaidschanischen Ölkonzern Socar und dem norwegischen Energiekonzern Statoil. Socar-Präsident Rovnag Abdullayev erklärte, die Entscheidung liege im Interesse einer nachhaltig sicheren Energieversorgung der europäischen Staaten, aber auch Aserbaidschans, Georgiens und der Türkei.

          Vorentscheidung gegen den Bau der Nabucco-Pipeline

          Reinhard Mitschek, Chef des Nabucco-Projektes, sprach von einem Meilenstein für das Konsortium und für eine endgültige Investitionsentscheidung. Nabucco eröffne den Konsumenten eine größere Wahl aus unterschiedlichen Bezugsquellen und leiste damit einen Beitrag für die Versorgungssicherheit Europas. Der bei RWE für das Projekt verantwortliche Manager Stefan Judisch sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, RWE werde „weiterhin den Bau von Pipelines im südlichen Korridor unterstützen, solange sie dazu beitragen, kaspisches Gas auf einer ökonomisch vernünftigen Basis nach Deutschland zu transportieren“. RWE hatte sich zuvor kritisch über die Verkürzung von Nabucco geäußert.

          Die Entscheidung für Nabucco-West ist allerdings nur eine Vorentscheidung. Als zweite Route von der Türkei nach Europa ist weiter eine Leitung über Griechenland durch die Adria nach Italien (TAP) im Auswahlverfahren. Mit der Entscheidung für Nabucco-West und Tanap ist allerdings faktisch eine Vorentscheidung gegen den Bau der ursprünglich von der Europäischen Kommission favorisierten Nabucco-Pipeline gefallen. Die hätte die gesamte Verbindung zwischen der EU und dem Shah-Deniz-II-Gasfeld in Aserbaidschan sowie den Gasvorhaben Turkmenistans abgedeckt und mit 30 Milliarden Kubikmetern im Jahr eine viel höhere Kapazität gehabt als eine Kombination von Tanap und Nabucco-West.

          Die endgültige Entscheidung solle zwar erst Mitte 2013 fallen, heißt es in Brüssel. Theoretisch sei dabei auch Nabucco noch im Rennen. Es gehe aber niemand mehr davon aus, dass die ursprünglich geplante, inklusive Finanzierung knapp 16 Milliarden Euro teure Pipeline noch gebaut werde. Eine Entscheidung über den tatsächlichen Bau der Gasleitungen ist unabhängig davon nach wie vor nicht gefallen. Diese müssen die an Nabucco-West und Tanap beteiligten Investoren weiterhin treffen. Es hat immer wieder Zweifel daran gegeben, dass sich der Bau von Nabucco-West für das Konsortium überhaupt rechnet.

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