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Energieverbrauch : Steigende Kosten gefährden Japans Atomstrom

Japans Premierminister Shinzo Abe besucht das Kraftwerk Fukushima Daiichi am 14. April. Bild: AFP

Nach dem Unglück in Fukushima hatte die japanische Regierung die Sicherheitsauflagen für Atomkraftwerke drastisch verschärft. Die hohen Kosten dafür werden jetzt zur Bedrohung.

          Acht Atomreaktoren sind in Japan derzeit am Netz und liefern Strom. Zehn Reaktoren werden in jahrzehntelanger Arbeit abgebaut, darunter die sechs Reaktoren des Kraftwerk Fukushima Daiichi.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Weitere elf Reaktoren sind dauerhaft abgeschaltet. Dreißig Reaktoren sind nur außer Betrieb, als indirekte Folge des Atomunfalls mit Kernschmelze in Fukushima Daiichi im Jahr 2011 oder schon länger. Für achtzehn Reaktoren, darunter einen Neubau, haben die Betreiber einen Antrag auf Wieder- oder erstmalige Inbetriebnahme gestellt.

          Nachrüstung der Sicherheitsstandards teurer als erwartet

          Das ist der Stand der Atomenergie in Japan. Nur ein geringer Anteil der Energieversorgung wird nuklear erzeugt. Die aktuellen Pläne der Regierung sehen vor, dass bis 2030 mindestens 20 Prozent der Stromversorgung aus Atomkraftwerken kommen soll. In Japan, das rund 90 Prozent seines Energiebedarfs importiert, gilt die Kernenergie als wichtig, um die Autonomie der Energieversorgung zu verbessern. Doch das für 2030 vorgegebene Ziel wird schwierig zu erreichen sein. Nicht zuletzt stehen dem die Kosten im Wege. Die Nachrüstung der Reaktoren, damit sie die von der Regierung 2013 neu vorgeschriebenen Sicherheitsstandards erfüllen, ist teurer als wohl zunächst angenommen.

          Auf 4,8 Billionen Yen (39 Milliarden Euro) schätzen die Energieversorger auf den vier Hauptinseln Japans die Kosten der Umrüstung, wie aus einer Umfrage der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei hervorgeht. Das ist ein Vielfaches der Sicherheitskosten, die noch vor der Verschärfung angesetzt wurden. Bei der letzten mittelfristigen Überprüfung der Energiestrategie Japans 2015 hatte die Regierung die Kosten der Nuklearenergie im Jahr 2030 mit 10,3 Yen je Kilowattstunde angesetzt. Das war niedriger als die Kosten für Kohle von 12,9 Yen oder der Solarenergie von bis zu 16,4 Yen. Schon damals galt diese Rechnung vielen als geschönt, um die weitere Nutzung der Nuklearenergie zu rechtfertigen. Mit den hohen Kosten für die Nachrüstung der Reaktoren droht das Kalkül der Regierung immer weniger aufzugehen. Der Nuklearenergie könnte den Garaus machen, dass die Kosten zu sehr steigen.

          Die neuen Sicherheitsstandards, die als zu den schärfsten in der Welt gehörend bezeichnet werden, verlangen unter anderem den Bau von Schutzwällen vor Tsunamiwellen oder die Verstärkung von Leitungen. Auch müssen die Betreiber räumlich von dem jeweiligen Kraftwerk getrennte Kontrollzentren bauen, um die Reaktoren im Notfall aus der Ferne kontrolliert herunterfahren zu können.

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