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Zweifel an Reaktor-Bauteilen : Paris legt Atomkraftwerke still

Viele französische Atomreaktoren liegen derzeit still. Bild: AFP

Von den 58 französischen Kernreaktoren stehen 21 gerade still. Das hängt nicht nur mit üblichen Kontrollen zusammen.

          2 Min.

          Der französische Energiekonzern Eléctricité de France (EdF) muss außerplanmäßig fünf Reaktoren vorübergehend stilllegen. Das hat die französische Aufsichtsbehörde ASN am Dienstagabend verordnet.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Grund ist der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten in den Stahllegierungen von Dampfgeneratoren. „Es handelt sich nicht um einen Notfall, doch wir wollen eine schnelle Kontrolle“, sagte der ASN-Präsident, Pierre-Franck Chevet der Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Die Behörde hat EdF drei Monate Zeit gegeben für die Überprüfungen. Doch weil der Winter naht, wird der Energieerzeuger die Kraftwerke in den kommenden Tagen oder Wochen herunterfahren.

          Tests an 18 zusätzlichen Reaktoren

          Im Blickpunkt stehen Bauteile des japanischen Zulieferers JCFC. In seinen Stahlteilen sollen an einzelnen Stellen besonders hohe Konzentrationen von Kohlenstoff aufgetreten sein.

          Zum gleichen Phänomen ist es beim Druckbehälter des in Bau befindlichen Kernkraftwerkes Flamanville in der Normandie gekommen, wo mit dem EPR-3 der neueste Nuklearreaktor gebaut wird. Im Bereich der Dampferzeuger handele es sich um „ernsthafte Anomalien“, wie der ASN-Präsident  mitteilte, auch wenn Probleme im Stahl des Druckbehälters wie in Flamanville gravierender seien.

          Im Juni hatte die ASN von EdF zusätzliche Tests an 18 Reaktoren verlangt, weil unter Umständen das gleiche Problem wie in Flamanville vorliegen könne. Die Baustelle in der Normandie hat durch die Auffälligkeiten an den Bauteilen neue Verzögerungen hinnehmen müssen.

          Viele Unstimmigkeiten

          Derzeit bereits stehen in Frankreich 21 der 58 Nuklearreaktoren still. Das ist für diese Jahreszeit zwar nicht ungewöhnlich. Zu den regelmäßigen Abschaltungen für Routinekontrollen sind in jüngster Zeit aber einige andere Probleme infolge von Anomalien hinzugekommen. Im Mai hatte der staatliche französische Kraftwerkskonstrukteur Areva Unregelmäßigkeiten in einer seiner Fabriken eingestanden, die unter Umständen jahrzehntelang vertuscht wurden. Diese könnten zu Schwachstellen in Stahlkomponenten wie dem Reaktorkessel sowie bei Rohren und Ringen von Dampfgeneratoren führen.

          Eine interne Untersuchung bei Areva brachte zutage, dass von rund 10.000 Akten in einem konzerneigenen Stahlbetrieb in Le Creusot südlich von Dijon 400 Dossiers Unstimmigkeiten aufwiesen. Diese werden seither untersucht.

          Von der bevorstehenden Abschaltung ist auch der Reaktor 1 des Kernkraftwerks Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze im Elsass betroffen. Damit werden beide Reaktoren von Frankreichs ältestem aktivem Atomkraftwerk zumindest vorübergehend still liegen. Die französische Regierung will Fessenheim endgültig schließen, hat dafür aber noch kein Datum genannt.

          Dem mehrheitlich staatlichen Energieerzeuger EdF drohen wegen der Abschaltungen unter Umständen empfindliche Einnahmeverluste. Der EdF-Aktienkurs notierte am Mittwochvormittag an der Pariser Börse mit 2,8 Prozent im Minus.

          Die Franzosen stellen sich indes die Frage, ob die heimische Stromproduktion im Winter ausreichen werde. Diese Sorge herrscht jedes Jahr, weil die Franzosen in großem Umfang Stromheizungen nutzen. Um die Nachfrage zu decken, muss EdF häufig Strom aus dem Ausland importieren sowie ältere Kohle- oder Gaskraftwerke  wieder einschalten. Aufgrund der hohen Kosten hat EdF diese Notreserve in Form von vorgehaltenen Kapazitäten in jüngster Zeit jedoch zurückgefahren.

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