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Windparks ohne Förderung : Erneuerbare Energie lohnt sich endlich

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Für die Stromkunden ist das ein positives Ergebnis, weil ihnen höhere Belastungen wegen der niedrigeren Förderung erspart bleiben – wenn auch erst im nächsten Jahrzehnt, weil die Parks erst dann in Betrieb gehen werden. Für große deutschen Bieter wie Eon, die RWE-Abspaltung Innogy und auch den schwedischen Staatskonzern Vattenfall ist das Ergebnis dagegen schlecht; sie kamen mit ihren offensichtlich zu teuren Geboten alle nicht zum Zuge.

In ihre Preiskalkulation wollten sich die Bieter nicht einsehen lassen. Da die Projekte erst etwa im Jahr 2025 ans Netz gehen sollen und dann 20 Jahre lang bezuschusst werden, fließen in die Kalkulation darin viele Zukunftserwartungen ein: fallende Preise für Ausrüstung,  Betrieb und Wartung der Anlagen, technischer Fortschritt, der neue, ungekannte Turbinengrößen ermöglicht, Annahmen über den Strompreis in zehn Jahren wie auch den bis dahin von der Politik vorgelegten (und womöglich vielfach veränderten) Rahmen für die nationale und europäische Energiepolitik – Fachleute sprechen da vom „Strommarktdesign“.

Der EnBW-Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux zeigte sich „sehr glücklich über dieses Ergebnis“. Die Planung fuße auf „umfangreichen Marktanalysen und einem intensiven Austausch mit der Zulieferindustrie, die an zahlreichen technologischen Weiterentwicklungen arbeitet und die Kosteneffizienz absolut verinnerlicht hat“. Die Annahmen zum Strompreis bewegten sich auf einem moderaten Niveau. „Die Renditeerwartung liegt deutlich über unseren Kapitalkosten und ist damit attraktiv“, hieß es.

Falls die Bieter die Projekte doch nicht vollenden sollten, drohen ihnen hohe Strafzahlungen. Mit Abgabe der Gebote haben sie bei der Netzagentur Sicherheitsleistungen in Höhe von  150 Millionen Euro hinterlegt.

Wichtige Leitungen fehlen noch

Der Ausbau der Meereswindparks in Nord- und Ostsee spielt im der Politik der Regierung zur Umstellung der Stromversorgung auf regenerative Energien eine wichtige Rolle. Allerdings fehlen noch die Leitungen, um den Windstrom in den Süden abzutransportieren. Deshalb wurde der Ausbau von Parks in der Nordsee gebremst und der in der Ostsee beschleunigt. Aus dem Grund ist auch ein Drittel der für das nächste Jahr geplanten zweiten Ausschreibung über 1500 Megawatt für Parks in der Ostsee vorgesehen. Homann warnte aber bereits vor übertriebenen Erwartungen: „Es ist allerdings offen, ob sich so niedrige Zuschlagswerte in der nächsten Ausschreibung wiederholen werden.“ Allerdings habe die Offshore-Windenergie „ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis gestellt“.

Die überraschend niedrigen Zuschläge für den Offshore-Wind dürften auch die Debatte über den Ausbau der Windkraft an Land beleben. Denn dort liegt die Förderung aktuell noch um die 9 Cent je Kilowattstunde. Für die erste Ausschreibung über 800 Megawatt sind bei der Netzagentur Gebote über 1000 Megawatt eingereicht worden. Das lässt nicht auf eine hohe Wettbewerbsintensität schließen – zumal viele Betreiber noch im vergangenen Jahr, um die alte Förderung zu sichern, Anträge gestellt haben sowie 8300 Megawatt in der Übergangszeit noch nach dem alten Regime gefördert werden sollen.

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