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Windmesse in Husum : Dämpfer für die Windenergie

Windräder bei Husum Bild: dpa

Überall in Deutschland sprießen Windräder aus dem Boden. Die Branche boomt. Doch ein neues Fördermodell sorgt für Unruhe.

          2 Min.

          Das Geschäft mit der Windenergie brummt, in ganz Deutschland schießen neue Parks aus dem Boden. Projektentwickler, Genossenschaften und Energiekonzerne geben Gas und beantragen wie am Fließband neue Projekte. Grund für den Boom: Viele Investoren wollen noch schnell ihre Vorhaben unter Dach und Fach bringen, bevor von 2017 an ein neues Fördermodell in Kraft tritt. Ab dann gibt es keine pauschalen Subventionen mehr. Stattdessen müssen Parkbetreiber in Ausschreibungsverfahren für ihre Konzepte kämpfen. Wer die geringsten Zuschüsse benötigt, bekommt den Zuschlag für ein Projekt.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Marktforscher erwarten, dass die Zuwachsraten dadurch deutlich zurück gehen. „2017 werden im deutschen Binnenland womöglich nur noch Anlagen mit einer Leistung von etwas mehr als 2 Gigawatt neu installiert werden“, sagt Dirk Briese, Geschäftsführer des Marktforschungsinstitutes Windresearch aus Bremerhaven. Gegenüber dem laufenden Jahr (plus gut 4 Gigawatt) würde sich der Ausbau der Windstromkapazität damit fast halbieren. Für die deutsche Energiewende wäre das kein großer Rückschlag; die langfristigen Ausbauziele würden trotzdem erreicht. Für die Anlagenbauer wäre der Wachstumsknick beim Ausbau der Windenergie aber ein Problem. Denn sie brauchen eine möglichst kontinuierliche Auslastung ihrer Fabriken.

          Deutscher Windmarkt auch für ausländische Unternehmen interessant

          Ob der Einbruch des Neubaus tatsächlich so heftig wird, hängt von vielen Faktoren ab. Unklar ist zum Beispiel, wie viel Gigawatt an Leistung ab 2017 tatsächlich in jedem einzelnen Jahr ausgeschrieben werden sollen. Mit einem degressiven Modell ließe sich der erwartete Knick womöglich ausbügeln: „Wir müssen die Volumina über die Jahre so verteilen, dass wir eine kontinuierliche Entwicklung hinbekommen“, sagt Matthias Zelinger vom Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Die Gespräche mit der Bundesregierung zu dem Thema laufen noch. Details zum neuen Ausschreibungsverfahren werden in Kürze erwartet.

          Auf dem offenen Meer gewinnt der Ausbau dagegen an Schwung, etliche Offshore-Parks gehen in den kommenden Jahren ans Netz. Und auch grundsätzlich blickt die Windbranche optimistisch nach vorn, wie sich in dieser Woche auf der Fachmesse in Husum gezeigt hat. Rund 650 Aussteller aus 25 Ländern waren dort vertreten, mehr als 20.000 Fachbesucher und Branchenvertreter kamen zur Messe.

          „Es hat sich gezeigt, dass der deutsche Windmarkt nach wie vor sehr interessant ist, auch für ausländische Unternehmen“, sagte Peter Becker, Geschäftsführer der Messegesellschaft Husum & Congress, am Freitag zum Abschluss der Branchenschau. Nach langen Auseinandersetzungen mit der Messegesellschaft in Hamburg hatte sich Husum in diesem Jahr neu positioniert und war erstmals als deutschsprachige Regionalmesse gestartet. Becker zufolge hat sich das Konzept bewährt. Die internationale Großmesse findet im kommenden Jahr vom 27. bis zum 30. September in Hamburg statt.

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