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Technik der Zukunft? : Wenn die Straße Strom produziert

Die Ministerin und die Solarstraße: Segolene Royal bei der Einweihung in Tourouvre Bild: dpa

In Frankreich ist die erste Straße entstanden, die Strom produziert und von Autos befahren werden kann. Ähnliche Projekte gibt es auch anderswo. Doch die Technik hat einen Haken.

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          Stolz schritt Frankreichs Energieministerin Segolene Royal kurz vor Weihnachten über die schwarzen Platten im nordfranzösischen Örtchen Tourouvre. Unter ihren Füßen: Die erste Solarstraße der Welt, die von Autos befahren wird. Auch LKWs sollen problemlos darüber rollen können. Auf der einen Kilometer langen Straße liegen 2800 Quadratmeter Photovoltaikzellen, Wattaway genannt. Hergestellt hat sie das französische Bauunternehmen Colas. Die Platten sind sieben Millimeter dick und können laut Colas direkt auf die Fahrbahn geklebt werden.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Idee hinter der Solarstraße ist simpel: Statt etwa Weideflächen mit Photovoltaikanlagen zuzubauen, kann man Flächen nutzen, die ohnehin vorhanden sind. Straßen bieten sich an, allein das deutsche Netz kommt auf eine Länge von mehr als 650.000 Kilometer. Das ist eine Menge Fläche, und diese wird auch nicht immer befahren. Im Fall von Tourouvre geht Colas davon aus, dass auf dieser in nur rund 20 Prozent der Zeit Autos unterwegs sind. Die Solarstraße soll damit  ausreichend Strom für die Straßenbeleuchtung einer Gemeinde mit 5000 Einwohnern produzieren können.

          Segolene Royal hält das für eine geniale Idee: Der französische Staat hat das Projekt mit fünf Millionen Euro gefördert. In der Bretagne und im Hafen von Marseille sind schon die nächsten Solarstraßen geplant, in den kommenden fünf Jahren will Frankreich weitere 1000 Kilometer bauen. Die Energieministerin wittert in der Technik gar einen Exportschlager: „Das ist ein Prototyp, der auch international Interesse weckt“, sagt Royal. Einige afrikanische Länder hätten schon angeklopft.

          Die Niederlande waren Erster

          Eine französische Erfindung ist die Solarstraße freilich nicht. Schon 2009 kam das amerikanische Ehepaar Scott und Julie Brusaw auf die Idee, Solarmodule auf die Straße zu bringen. Die Behörden hielten das Projekt für vielversprechend und förderten es mit 750.000 Dollar. Damit waren sie nicht allein. 2014 starteten die Brusaws eine Crowdfounding-Aktion, um den Bau eines ersten Prototypen stemmen zu können. Ihre Zielmarke: Eine Million Dollar.

          Es wurden 2,2 Millionen und das dazugehörige Youtube-Video avancierte zum Internet-Hit. Mittlerweile wurde es über 20 Millionen Mal gesehen. Beim Projekt selbst hakt es allerdings. Neben dem Solarmodul unter einer Glasplatte soll die Variante der Brusaws auch gleich noch mit LED-Lampen für die Straßenmarkierung und einer Heizung gegen Glatteis ausgestattet sein. Bislang hat das Ehepaar aber nur einen Prototyp auf einem Parkhausdach installieren können.

          In den Niederlanden schlängeln sich seit Mitte 2014 70 Meter Solar-Fahrradweg durch das Dörfchen Krommenie. Hier hat man sich für eine massivere Variante als in Frankreich entschieden. Die Solarmodule in Krommenie sind in Beton eingelassen, darüber liegt eine dünne Glasschicht. Bald soll auch in den Niederlanden eine Solarstraße entstehen, die Autos Stand halten kann.

          Diesen Plan verfolgt in Deutschland das Projekt Solomove. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Straßenwesen RWTH Aachen tüftelt die Firma von Gründer Donald Müller-Judex an einem System, dass sich wie ein Fliesenteppich auslegen lässt. Wie auch den Brusaws schweben den Entwicklern Module mit Leuchtkraft vor. 2017 soll eine 150 Meter lange Teststraße bei Köln eröffnet werden. Problematisch ist bei allen drei Varianten freilich die gläserne Oberfläche, die naturgemäß rutschig ist. Die deutschen Techniker wollen das mit einer Art Noppen lösen.

          In Frankreich kennt man derartige Sorgen nicht. Die Wattaway-Module benötigen keinen gläsernen Schutz. Die grundsätzlichen Probleme der Idee Solarstraße belasten aber auch das Projekt in Tourouvre. Denn die Module sind deutlich teurer als herkömmliche Solaranlagen – und produzieren obendrein weniger Strom. Da man sie nicht optimal Richtung Sonne ausrichten kann, wie etwa auf Dächern, ist der Lichteinfall geringer. Bis die Technik, wie von Frankreichs Energieministerin erhofft, zum Exportschlager avanciert, dürfte also noch einiges zu tun zu sein.

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