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Energie : Amerika stoppt Ölprojekte in der Arktis

  • Aktualisiert am

Bohrplattform in der Arktis. Bild: AP

Öl aus dem hohen Norden – das wird in Amerika künftig schwieriger. War die Förderung nicht umweltfreundlich genug? Oder nur zu teuer?

          2 Min.

          Die amerikanische Regierung von Barack Obama hat wichtige Ölbohrungs-Vorhaben in der Arktis gestoppt. In der Nacht zum Samstag deutscher Zeit erklärte das Innenministerium, es werde zwei ausstehende Bohrgenehmigungen zurückziehen, die noch bis 2017 vergeben werden sollten. Zwei weitere Bohrgenehmigungen von Shell und Statoil würden nicht über ihren geplanten Ablauf hinaus verlängert.

          Unter Republikanern stieß die Ankündigung auf Kritik. Eine Senatorin aus Alaska, Lisa Murkowski, sah in der Entscheidung den jüngsten Teil eines „zerstörerischen Musters von Feindseligkeit gegenüber der Energiegewinnung in unserem Staat“. Tatsächlich aber hat die Entscheidung nicht nur mit Umweltüberlegungen zu tun – sondern auch mit dem Ölpreis und der Technik.

          Ende September hatte der Energiekonzern Shell seine Ölbohrungen in Alaska nach der ersten Testbohrung eingestellt – sie lohnten sich nicht. Harsche Förderbedingungen in kurzen Sommern machen die Ölgewinnung sowieso schwierig. Dann halbierte sich der Ölpreis. Und die Testbohrung in diesem Sommer brachte viel weniger Öl und Gas als erhofft.

          Die Entscheidung kann geändert werden

          „Im Licht von Shells Ankündigung, der bereits vergebenen Förderfläche und der Marktbedingungen ergibt es keinen Sinn, in der Arktis in den nächsten anderthalb Jahren weitere Projekte vorzubereiten“, sagte Innenministerin Sally Jewell.

          Künftige Regierungen können die Entscheidungen wieder revidieren. Jetzt schon muss das Innenministerium entscheiden, welche Bohrflächen es in den Jahren 2017 bis 2022 vergeben will. Ob die Arktis mit einbezogen werden soll, ist derzeit noch nicht klar.

          Ölkonzerne bekennen sich zum Klimaschutz

          Gleichzeitig haben zehn Vorstandsvorsitzende von internationalen Ölkonzernen aus Europa, Indien, Mexiko und Saudi-Arabien am Freitag versprochen, sich für geringere Kohlendioxid-Emissionen und für mehr Energieeffizienz zu engagieren. Acht von ihnen fanden sich in Paris zu einer Arbeitssitzung mit anschließender Pressekonferenz zusammen. Die Konzerne „unterstützen die Implementierung eines klaren und stabilen Rahmenwerkes, das zu dem 2-Grad-Klimaziel führen soll“, heißt es in der Erklärung. Sie wollen weniger Öl und mehr klimafreundliches Gas einsetzen, in erneuerbare Energieträger investieren, Forschung und Entwicklung dem Klimaschutz verpflichten und dabei Technologien zum Auffangen und Speichern von Kohlendioxid vorantreiben.

          Die Unternehmen zeigten sich in Paris vor der Presse sehr stolz auf ihre gemeinsame Absichtserklärung. Erstmals habe man beispielweise gemeinsame Definitionen und Messmethoden eingeführt, sagte Dudley. Zu den Unterzeichnern gehören BG Group, BP, Eni, Pemex, Reliance Industries, Repsol, Saudi Aramco, Shell, Statoil und Total. Hier allerdings fehlten amerikanische Konzerne wie Exxon und Chevron. Die beteiligten Unternehmen stehen lediglich für rund 10 Prozent der weltweiten Energieversorgung.

          Vor allem die Anerkennung des Ziels, den Anstieg der Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, gilt als ehrgeizig. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) ist etwa der Ansicht, dass bis 2050 nicht mehr als ein Drittel der fossilen Brennstoffreserven in der Erde konsumiert werden dürfe, wenn die Welt das 2-Grad-Ziel erreichen will. Damit müssten die Multis auf einen großen Teil ihres Vermögens verzichten. Die Agentur macht eine Einschränkung: Wenn in großem Stil die Technologie der Kohlendioxid-Speicherung eingesetzt würde, könnten mehr fossile Energieträger verbrannt werden. Doch ist das absehbar? „Man muss realistisch bleiben, in Ländern wie Deutschland etwa ist die Akzeptanz der Bevölkerung dafür ja eher begrenzt“, sagte der BG-Chef Helge Lund in Paris.

          Umweltschutzgruppen bemängelten an der Erklärung, dass sie kein quantifizierbares und damit überprüfbares Ziel für die geplanten Anstrengungen enthalte. Die Konzerne verwiesen lediglich auf ihre Erfolge in der Vergangenheit. So hätten sie den Ausstoß von Treibhausgasen bei ihren Aktivitäten in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent verringert, unter anderem durch das Einschränken des Abfackelns während der Förderprozesse. Die freiwillige Einigung auf ein konkretes Ziel in der Zukunft sei ein „kompliziertes Unterfangen“, räumte BG-Chef Lund ein. „Es macht keinen Sinn, die perfekte Lösung zu suchen.“ Jedes Unternehmen habe andere Ansätze.

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