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Treffen in Bonn : Klimakonferenz unter Störfeuer aus Washington

  • -Aktualisiert am

Emissionen aus Braunkohle-Kraftwerken tragen einen großen Teil zur Erderwärmung bei. Bild: dpa

Die Bonner Frühjahrstagung blickt gebannt nach Amerika. Ob Donald Trump das Pariser Klimaabkommen aufkündigt, ist immer noch unklar. Doch die anderen Länder denken schon längst weiter.

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          Mit Appellen an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, den Klimavertrag von Paris nicht aufzukündigen, ist in Bonn die jährliche Frühjahrskonferenz der Vereinten Nationen eröffnet worden. Die amerikanische Regierung wolle über einen möglichen Ausstieg wohl in den kommenden Tagen entscheiden, sagte der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD). Berater des Präsidenten seien drüber offenbar gespalten. Eine Neuverhandlung des Abkommens schloss er aus. Umweltgruppen forderten die Konferenz auf, „sich nicht vom Störfeuer des amerikanischen Präsidenten beirren zu lassen“.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Trump hatte sich vor allem im Wahlkampf kritisch über das Abkommen aus dem Jahre 2015 geäußert. Es soll die Basis dafür legen, dass der Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzt wird.

          Auf der Konferenz soll an den Details der Umsetzung des Vertrages gearbeitet werden. Dabei geht es den Fachbeamten vor allem um die von den 197 Mitgliedstaaten verabschiedeten „freiwilligen nationalen Zusagen“ zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes. Bisher reichen sie nicht aus, um das Ziel auch nur annähernd zu erreichen. In Amerika wird darüber debattiert, die angekündigten eigenen Ziele abzuschwächen.

          Die Vorsitzende des Klimasekretariates der Vereinten Nationen, Patricia Espinosa, sagte, es gehe nicht nur um die Zusagen. Man müsse auch „Transparenz“ in der Zielerfüllung sicherstellen. Dahinter verbergen sich komplexe Fragen zur Vollständigkeit, Genauigkeit, Vergleichbarkeit und Konsistenz der von den Staaten erhobenen und gemeldeten Daten. Ohne die mache die Festlegung der Ziele Ende nächsten Jahres wenig Sinn.

          Trump kommt nach Hamburg

          Daneben geht es auf der Bonner Konferenz wieder ums Geld. Konkret soll der nächste Haushalt 2018/2019 des Klimasekretariates soweit vorbereitet werden, dass er auf der Ministertagung im November verabschiedet werden kann. Derzeit beläuft er sich auf 115 Millionen Dollar im Jahr. Das Sekretariat beschäftigt 435 Menschen aus 80 Nationen, vor allem an seinem Hauptsitz in Bonn.

          Dort wird im November auch die 23. Weltklimakonferenz stattfinden. Gastgeber werden die Fidschi-Inseln sein, die schon heute wegen des steigenden Wasserspiegels unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die klimapolitisch seit Jahren engagierte Bundesregierung unterstützt das Land bei der Vorbereitung und Ausrichtung des Gipfels.

          Dazu gehört auch der in zwei Wochen in Berlin stattfindende „Petersberger Dialog“. Das ist ein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschaffenes Forum, auf dem jedes Jahr Vertreter einiger Dutzend Länder Themen des folgenden Gipfels bereden. Auf dem G-20-Gipfel im Juli in Hamburg will dessen Vorsitzende Merkel Klimapolitik ebenfalls zum Thema machen. Dann soll auch der jetzt in Bonn viel kritisierte Präsident Trump vor Ort zugegen sein.

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