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Energiepolitik in Amerika : Kumpel für Trump

Würde Donald Trump den Bergbauarbeitern wirklich helfen? Bild: Reuters

Die Bergbauarbeiter in West Virginia sind tief enttäuscht von der derzeitigen Energiepolitik. Sie glauben zu wissen, wer ihnen helfen würde.

          4 Min.

           „Mein Name ist Jimmy ,Bo‘ Copley. Ich bin ein 39 Jahre altes Kind Gottes, Ehemann, Vater von drei Kindern, stolzer Bürger West Virginias und ein ehemaliger Kohle-Kumpel.“ Es ist der 5. Oktober. Und ein Ausschuss des amerikanischen Senats für Umweltschutz hat sich nach Logan County, in das Herz des alten Kohlereviers von West Virginia, gewagt. Er veranstaltet eine Anhörung, um herauszufinden, welche Folgen die Auflagen der amerikanischen Umweltbehörde EPA für den traditionsreichen Bergbaustandort haben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Bo Copleys Stimme bricht einmal während seiner Ausführungen. Er hat, wie er berichtet, seinen Arbeitsplatz in der Zeche vor einem Jahr verloren. Zuvor hat er als Vorarbeiter die Erfahrung gemacht, dass sein Standort von staatlichen Inspektoren geradezu belagert wurde. Copley hat sich seinen eigenen Reim darauf gemacht. Die Beamten der Umwelt- und Bergbaubehörden hätten schlicht nicht gewusst, wo sie sonst hätten inspizieren sollen, weil schon so viele Kohleminen dichtgemacht worden waren.

          Fromme weiße Arbeiter fühlen sich bei Demokraten seltener wohl

          Für den Bergmann Bo Copley sind die Beamten Vollstrecker zentraler Bürokratien, die mit ihren Umwelt- und Sicherheitsauflagen die alten Kohlereviere zerstören und frommen Menschen gute Arbeitsplätze rauben. Gott trage seine Familie durch die schwierige Zeit, und Gott habe West Virginia die Kohle geschenkt, um saubere erschwingliche Energie zu produzieren, sagt Copley. „Ich glaube auch, dass Gott uns leiten wird, jene Sorte von Menschen zu wählen, die uns erlaubt, Kohle als Energiequelle zu nutzen, bis etwas Besseres ihren Platz eingenommen hat.“

          Kein Zweifel, wer dieser Auserwählte ist: Donald Trump. Das ist völlig klar, auch wenn Bo Copley seinen Namen nicht in den Mund nimmt. Trump hat wieder und wieder versprochen, die Kohlejobs zurückzubringen, und die Aussage mit einem ausdrucksstarken „Glaubt mir!“ unterstrichen. Hillary Clinton, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, hat dagegen einen Satz gesagt, der ihr während des ganzen Wahlkampfs um die Ohren geschlagen wird: „Wir werden viele Kohle-Bergleute und Kohlekonzerne aus dem Geschäft drängen.“

          Clintons Gegner, die ihn ständig hervorkramen, wissen in der Regel, dass der Satz aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Die Politikerin wollte vielmehr die Botschaft transportieren, dass sie als Einzige einen Plan habe, mit Hilfe erneuerbarer Energien wirtschaftliche Perspektiven in die Kohlereviere zu bringen angesichts der drohenden Firmenschließungen und Arbeitsplatzverluste. Die Botschaft ist, wenn man den Umfrageergebnissen glauben darf, nicht gut angekommen.

          West-Virginia wählte mit wenigen Ausnahmen seit dem Bürgerkrieg demokratisch. Dann kandidierte 2000 Al Gore für die Demokraten als Kämpfer gegen den Klimawandel und Advokat erneuerbarer Energien. Seitdem gewinnen immer öfter die Republikaner. Viele Leute fühlen sich verraten von einer Partei, die früher die wirtschaftlichen und sozialen Nöte der kleinen Leute zu ihrem Kernanliegen gemacht hatte, heute aber immer stärker als Regenbogenkoalition unterschiedlicher Gruppen wahrgenommen wird mit dem ehrenwerten Ziel, deren partikulare Bürgerrechte zu verbessern. So fühlen sich Schwarze, Immigranten, Schwule und Frauen wohl bei den Demokraten, aber fromme weiße Arbeiter immer seltener.

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