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Solarworld-Insolvenz : Umsonst gefördert

Solarmodul-Fertigung in Sachsen Bild: ZB

Solarworld ist pleite: Deutschlands letzter großer Solarzellen-Hersteller meldet Insolvenz an. Das ist auch eine Niederlage für Deutschlands Ökostrom-Förderung. Ein Kommentar.

          Die Geschichte klang so schön: Wenn der Staat nur genügend Solarzellen fördert, dann tut er etwas fürs Klima und saniert gleichzeitig den Arbeitsmarkt. Mit der Förderung könnte sich Deutschland an die Spitze einer Zukunftstechnik setzen, im strukturschwachen Osten könnte die Sonnenenergie die Landschaften zum Blühen bringen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG – es war ein schöner Traum.

          Inzwischen ist Deutschland aufgewacht. Am Mittwochabend hat Solarworld angekündigt, Insolvenz anzumelden: der letzte nennenswerte Hersteller von Photovoltaik-Anlagen in Deutschland. Solon, Q-Cells und Conergy sind schon seit Jahren insolvent. Dutzende unterschiedlicher Manager versuchten sich erfolglos an der Rettung der Unternehmen. Die Pleite der deutschen Solarbranche kann man nicht auf das Versagen einzelner Manager schieben, sie hatte Strukturgründe.

          Solarzellen kommen nämlich heute billig aus China. Laut war der Vorwurf der deutschen Solarfabrikanten, der chinesische Staat habe seine Solarindustrie mit Subventionen gepäppelt. Das würde nur bedeuten, dass die Solarzellen-Käufer in Deutschland doppelt profitieren. Sie bekommen ihre Solarmodule billig, indem sie gleich von zwei Regierungen bezuschusst werden: von der deutschen mittels EEG und von der chinesischen mittels Subventionen. Profitiert haben die Hausbesitzer, gezahlt haben alle Stromverbraucher.

          Man kann das Klima auch mit weniger Vorschriften schützen

          Damit hat sich ein alter Satz einmal mehr bewahrheitet: Wer das Klima schützen will, muss den Ausstoß von Klimagasen direkt beschränken. Das kann zum Beispiel in Form des europäischen Emissionshandels geschehen. Der ist sicher nicht perfekt, es ließe sich noch einiges daran optimieren. Die Bundesregierung kann aber seit Jahren nicht davon lassen, den Deutschen auch noch vorzuschreiben, wie genau sie ihre Klimagase einzusparen haben.

          Die Deutschen sollen Dämmplatten am Haus anbringen, obwohl die oft umweltschädlich sind. Sie sollen Elektroautos fahren, auf Fleisch verzichten und ihre Häuser nicht mehr mit Glühbirnen beleuchten. Die „Steuerungsziele“ der Bundesregierung sehen vor, dass die Deutschen exakt 20 Prozent Heizenergie einsparen und 10 Prozent Strom. Vielleicht wäre es aber umgekehrt viel leichter?

          Vielleicht wäre Solarthermie billiger als Photovoltaik? Der Staat kann das nicht festlegen. Kürzlich erst wurden die Umweltpolitiker davon überrascht, dass Offshore-Windparks heute schon ganz ohne staatliche Zuschüsse geplant werden können. Dass der Windstrom soweit ist, wurde erst durch eine marktwirtschaftliche Ausschreibung deutlich.

          Weniger einmischen, bitte!

          Mancher glaubt sogar, dass die staatlichen Förderungen den Niedergang der deutschen Solarbranche noch beschleunigt haben: Sie wurden zu lange gezahlt und haben die deutschen Unternehmen so zu lange in Sicherheit gewogen.

          Im Tec-Dax ist nur noch ein Unternehmen übrig, das „Solar“ im Namen führt. Es baut nicht etwa Solarzellen. Sondern elektrische Geräte, die den Strom aus Solarzellen weiterverarbeiten. SMA Solar existiert schon länger als die Förderung erneuerbarer Energien: Das Unternehmen wurde 1981 gegründet und firmierte erst 2008 auf Solarzellen um.

          So zeigt die Solarbranche einmal mehr, was passiert, wenn der Staat sich zu sehr in die Energiewende einmischt – oder in irgendeine andere Branche. Es ist eine Lehre für alle, die Zuschüsse für Elektroautos und Haus-Dämmungen beschließen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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