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Eni, Total, Shell, Exxon Mobil : Shell & Co können endlich im Kaschagan-Feld Öl fördern

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Auch die Manager des Erdölkonzerns Shell können aufatmen. Auf dem Kasachgan-Feld wird der Betrieb aufgenommen. Bild: dpa

Lange haben die Konzerne Eni, Total, Shell und Exxon Mobil warten müssen. Das Erdölfeld Kasachgan kann mit drei Jahren Verspätung den Betrieb aufnehmen. Gründe für die Verzögerungen gab es viele.

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          Lange haben die Erdölkonzerne Eni, Total, Shell und Exxon Mobil warten müssen, jetzt können deren Manager etwas aufatmen. Mit drei Jahren Verspätung haben die Unternehmen am Erdölfeld Kaschagan nun den Betrieb aufgenommen. Gemessen an den Reserven, ist das Feld die größte Neuentdeckung der Branche seit dem Jahre 1968. Es liegt im kasachischen Teil des Kaspischen Meers.

          Schon im September 2013 hatten die Konzerne mit der Förderung von Öl und Gas begonnen – waren aber nach zwei Wochen von technischen Problemen gestoppt worden. Jetzt haben sie die Schäden behoben. Doch der Ölpreis hat sich zwischenzeitlich mehr als halbiert und stellt den weiteren Ausbau des Projektes in Frage.

          Viele Hindernisse

          Kasachstan ist der zweitgrößte Erdölproduzent im postsowjetischen Raum und förderte vergangenes Jahr rund 1,7 Millionen Fass am Tag. Der Ausstoß war schon das zweite Jahr in Folge rückläufig, was der sinkenden Produktion von älteren Feldern geschuldet ist. Zu dem Rückgang hätte es nie kommen sollen, denn mit der Entdeckung Kaschagans im Jahre 2000 schienen die Aussichten rosig: Mit förderbaren Reserven von geschätzt 8,6 Milliarden Fass Erdöläquivalenten zählt es laut dem Datenanbieter Global Data zu den zehn größten Vorkommen der Erde. Das erste Öl hätte 2005 gefördert werden sollen.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Doch Kaschagan, das strenggenommen aus fünf Feldern im Kaspischen Meer besteht, liegt nicht nur mehr als vier Kilometer unter dem Meeresboden. Auch sind die Gewässer vor der westkasachischen Stadt Atyrau relativ seicht. Für die Produktionsanlagen mussten deshalb künstliche Inseln angelegt und viele Pipelines verlegt werden.

          Produktion kurz nach Start wieder eingestellt

          Die Förderung ist zusätzlich schwierig, weil die Rohstoffe unter hohem Druck unter der Erde lagern und ungewöhnlich viele aggressive Sulfide enthalten. Der Schwefelwasserstoff führte zu Korrosion an den Rohrleitungen, weshalb die Produktion 2013 kurz nach dem Start wieder eingestellt werden musste. Die Betreiber waren gezwungen, rund 200 Kilometer Pipelines auszutauschen.

          Von Kaschagan werden jetzt rund 90.000 Fass Erdöl am Tag gefördert, teilte der kasachische Energieminister Mitte Oktober mit. Neben den vier genannten westlichen Energiekonzernen zählen auch die chinesische CNPC, die japanische Inpex und der staatliche kasachische Öl- und Gasriese Kazmunaigas zu dem Konsortium.

          Teurer als geplant

          Obwohl manche Investitionen seit Mitte 2015 wegen des hohen Wertzerfalls der kasachischen Währung Tenge günstiger wurden, ist Kaschagan wegen der langen Verzögerung und der technischen Probleme deutlich teurer als geplant: Die Kosten sind von 38 Milliarden Dollar im Jahr 2008 auf nun geschätzt über 50 Milliarden Dollar explodiert.

          Laut Plan sollen spätestens 2018 rund 370.000 Fass Erdöl täglich produziert werden. Doch Analysten sehen das bei dem derzeitigen Überangebot am Weltmarkt skeptisch. Ob die mit einer zweiten Ausbaustufe angepeilte Produktion von einer Million Fass am Tag erreicht werden kann, ist noch unsicherer. Die ausländischen Unternehmen haben allerdings den Vorteil, dass ihnen wegen der Vertragsgestaltung anfangs ein überproportional größerer Teil der Erlöse zukommt, als wenn Kaschagan rentabler wäre.

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