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Ölindustrie : Shell-Chef lobt Verbot von Verbrennungsmotoren

Ben van Beurden ist Vorstandschef von Shell Bild: AFP

Es ist als würde ein Metzger dazu aufrufen, Vegetarier zu werden. Doch genau das tut Ben van Beurden, der Vorstandschef von Shell. Er hat einen Plan.

          Es ist als würde ein Metzger dazu aufrufen, Vegetarier zu werden. Doch genau das tut Ben van Beurden, der Vorstandschef von Shell, dem führenden europäischen Öl- und Gaskonzern: „Sehr willkommen und notwendig“ sei das in mehreren Ländern angekündigte Verbot von Benzin- und Dieselmotoren in Neuwagen, sagte der Niederländer am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten zur Veröffentlichung der Shell-Quartalszahlen. Dabei ist sein Unternehmen nicht nur einer der größeren Ölförderer, der Energieriese betreibt auch zahlreiche Raffinerien und eines der größten Tankstellennetze der Welt.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Doch der Klimaschutz lasse der Politik keine andere Wahl, sagte der Shell-Chef. Wenn der globale Temperaturanstieg, wie angestrebt  auf 2 Grad Celsius beschränkt werden solle, dann müssten reiche Industrieländer in Europa vorangehen: „Wir müssen solche Dinge tun“, sagte van Beurden mit Blick auf das Verbot von Verbrennungsmotoren. Er selbst werde sich demnächst ein Elektroauto kaufen, fügte der Ölmanager im Fernsehsender Bloomberg TV hinzu.

          „Wir müssen uns anpassen“

          Großbritannien hat am Mittwoch angekündigt, ab 2040 dürften auf der Insel keine Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr verkauft werden. Die Briten folgen damit dem Vorbild von Frankreich, dass ein solches Verbot ebenfalls für 2040 anpeilt. Norwegen, dessen Wohlstand selbst stark vom Nordsee-Öl abhängt,  will sogar dafür sorgen, dass bereits im Jahr 2025 alle Neufahrzeuge emissionsfrei sind. Der schwedisch-chinesische Autobauer Volvo machte kürzlich Schlagzeilen, als er mitteilte, kein Geld in die Entwicklung neuer Verbrennungsmotoren mehr zu investieren.

          Der Shell-Chef erwartet zwar keinen abrupten Abschied vom Öl. Aber die globale Nachfrage werde voraussichtlich ab dem Ende des nächsten Jahrzehnts zu sinken beginnen. „Wir müssen uns daran anpassen“, sagte van Beurden. Deshalb investiere Shell stark in das weniger klimaschädliche Erdgas, wolle auch bei erneuerbaren Energien mitmischen und am Trend zu Elektroautos mitverdienen.

          Gas Geschäftsmodell des Ölkonzerns müsse auch in einer Welt mit sinkendem Ölbedarf Bestand haben können. Nach seinen Angaben will der Konzern rund eine Milliarde Dollar im Jahr in „neue Energien“ investieren. Der Großteil des 25 Milliarden Dollar schweren Investitionsbudgets von Shell geht allerdings weiter in das Kerngeschäft mit fossilen Brennstoffen.

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