https://www.faz.net/-gqe-89efn

Kohle-Abwrackprämie : RWE kündigt Entlassungen an 

  • Aktualisiert am

Der Energiekonzern baut langfristig Stellen ab. Bild: dpa

Die Stromkunden müssen den Einstieg in den Braunkohle-Ausstieg bezahlen. Die Energiekonzerne müssen Stellen abbauen.

          Die Energiekonzerne RWE, Vattenfall und Mibrag legen in den kommenden Jahren neun Braunkohlekraftwerke im Rheinland, der Lausitz und in Mitteldeutschland mit einer Kapazität von insgesamt 2700 Megawatt schrittweise still. Darauf haben sie sich mit dem Bundeswirtschaftsministerium geeinigt. Die Konzerne werden dafür im Gegenzug sieben Jahre lang mit jährlich rund 230 Millionen Euro entschädigt. Das teilte das Wirtschaftsministerium am Samstag in Berlin mit.

          Für die betroffenen Mitarbeiter am Niederrhein oder in der Lausitz, wo Vattenfall seine Tagebaue verkaufen will, dürfte es kein einfacher Weg werden. So kündigte RWE noch am Sonntag den langfristigen Abbau von 800 bis 1000 Stellen an.

          Manchmal holen einen alte Sprüche ein. Im Sommer letzten Jahres legte sich Sigmar Gabriel mit den Strombossen an. „Hartz IV“ für Kraftwerke werde es mit ihm nicht geben: „Nicht arbeiten, aber Geld verdienen“, das könne es ja wohl nicht sein, tönte der SPD-Chef. Bei der großen Reform des Strommarktes, die gerade auf die Zielgerade einbiegt, hält sich Gabriel daran. Bei der Braunkohle ist er eingeknickt.

          Erfolge der Energiewende sind verpufft

          Im kommenden Jahr werden etwa 22,88 Milliarden Euro an Förderkosten für Solaranlagen, Windparks und Biomassekraftwerke über die Strompreise in Deutschland gewälzt. Der Anteil des Grünstroms an der Stromerzeugung liegt schon bei über 27 Prozent - aber warum haut das mit dem Klimaschutz nicht hin?

          Die Erfolge der Energiewende sind klimapolitisch bislang weitgehend verpufft, weil die Braunkohle-Verstromung stark bleibt. Deren Anteil an der Erzeugung sank 2014 gegenüber dem Vorjahr nur minimal auf 24,9 Prozent (2013: 25,2) ab. Der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte im EU-Emissionshandel ist im Keller, was dazu führt, dass Braunkohle-Turbinen klimafreundlichere Gaskraftwerke aus dem Markt drängen.

          Das Ergebnis: Deutschland als selbst ernannter Klimaschutz-Vorreiter bekommt seine Treibhausgasemissionen nicht in den Griff. So waren 2014 Braunkohlekraftwerke mit 158 Millionen Tonnen für mehr als die Hälfte des CO2-Ausstoßes im Strommarkt verantwortlich, schätzt das Umweltbundesamt. Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß gegenüber 1990 aber um 40 Prozent sinken, hat die Kanzlerin versprochen. Angela Merkel will bei der Weltklimakonferenz im Dezember in Paris glänzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdogans Akademiker : Der Rest ist Propaganda

          Wer dachte, eine Tagung des Zentrums für Türkeistudien in Essen würde die Lage der Universitäten am Bosporus kritisch beleuchten, sah sich getäuscht: kein Wort von Erdogans Säuberungen, nur Lob für den Potentaten.

          AKK zu Wahl in Görlitz : Schon wieder vertwittert

          Wieder sorgt die CDU-Vorsitzende mit einem Tweet für Ärger. Die Niederlage der AfD in Görlitz sei ein Zeichen für die Stärke der CDU, twittert AKK – und unterschlägt dabei, dass vor allem ein breites überparteiliches Bündnis den AfD-Sieg verhindert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.