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Pariser Vereinbarung : Ist das Klimaabkommen jetzt gerettet?

  • -Aktualisiert am

Wieviel Zeit bleibt für die Rettung des blauen Planeten? Bild: dpa

Amerikas Energieminister Rick Perry verspricht, doch nicht aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Er will aber „neu verhandeln“. Was bedeutet das?

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          Es war Anfang November des vergangenen Jahres, wenige Tage vor dem Klimagipfel in Marrakesch. Genau ein Jahr nach dem Treffen in Paris trat das historische Pariser Klimaabkommen in Kraft. Klimaschützer auf der ganzen Welt feierten: Endlich sind auch die großen Staaten der Erde an Bord und wollen Verantwortung für die Zukunft des Planeten übernehmen. Das war beim Kyoto-Protokoll von 1997 noch anders gewesen: Die Vereinigten Staaten zum Beispiel hatten das nie ratifiziert.

          Wie es der Zufall wollte, wurde nur eine knappe Woche nach dem historischen Tag in Amerika gewählt. Der Ausgang ist bekannt. Mit Donald Trump wurde ein Mann zum Präsidenten gewählt, der im Wahlkampf geleugnet hatte, dass der Mensch an einem großen Teil des Klimawandels schuld ist. Weg mit dem Klimaabkommen, weg mit den strengen Umweltvorschriften, hatte er der Industrie versprochen. Stattdessen forderte er die Rückbesinnung auf fossile Brennstoffe.

          In den vergangenen Wochen sind Trump und sein Umfeld vorsichtiger geworden in ihren Äußerungen. Der Präsident hat gemerkt, dass er sich mit der Leugnung des Klimawandels auf der internationalen Bühne blamiert – nicht zuletzt, weil sein Außenminister Rex Tillerson ihn vor diplomatischen Verwerfungen warnte.

          Auch der Brief, den die Führung des Energieunternehmens Exxon Mobil an einen von Trumps Beratern schrieb, dürfte Eindruck hinterlassen haben. Der Ölkonzern argumentiert darin, das Abkommen sei „ein wirksamer Rahmen für die Bewältigung der Risiken des Klimawandels“. Jetzt hat sich auch Trumps Energieminister Rick Perry offiziell dagegen ausgesprochen, dass sein Land aus dem Pariser Abkommen aussteigt. Er verlangt, dass es neu verhandelt wird.

          Rick Perry auf dem Weg zu einer Konferenz
          Rick Perry auf dem Weg zu einer Konferenz : Bild: dpa

          Inhaltlich ist das Abkommen durchaus ambitioniert. Darin ist das Ziel definiert, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, idealerweise sogar auf 1,5 Grad. 197 Staaten haben das Abkommen unterschrieben, 144 haben es inzwischen ratifiziert. Darunter sind auch die großen Schwellenländer Indien und China, die zusammen mehr als ein Drittel des gesamten Kohlenstoffdioxids auf der Erde ausstoßen.

          Offiziell kann Trump das Pariser Abkommen gar nicht verlassen, denn es hat eine vierjährige „Kündigungsfrist“. Theoretisch wäre es möglich, binnen eines Jahres aus der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen auszutreten. Sie verpflichtet alle Vertragspartner dazu, regelmäßig Berichte zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen zu veröffentlichen.

          Das Pariser Abkommen fußt allerdings auf freiwilligen Selbstverpflichtungen, also Klimazielen, die sich jedes Land individuell setzt. Die Vereinigten Staaten waren im vergangenen Jahr zweitgrößter Emittent und damit für 16 Prozent des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes auf der Welt verantwortlich. Wenn Perry jetzt das Abkommen neu verhandeln will, geht es ihm möglicherweise darum, das Klimaziel der Vereinigten Staaten – also den Beitrag, den Amerika zum Erreichen des 2-Grad-Ziels leistet – zu verringern. Insofern ist das Abkommen selbst zwar nicht in Gefahr.

          Aber mit einem amerikanischen Präsidenten Donald Trump müssen sich die anderen Staaten dann möglicherweise mehr ins Zeug legen, wenn das 2-Grad-Ziel erreicht werden soll. Nach Berechnungen des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) dürfen dafür je nach Szenario insgesamt nur noch 380 bis 930 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre ausgestoßen werden. Derzeit sind es etwa 40 Gigatonnen pro Jahr. Im Szenario mit 750 Gigatonnen CO2-Budget verbleiben der Welt so noch knapp 19 Jahre.

          Die internationale Klimapolitik wird in diesem Jahr vor allem in Deutschland verhandelt werden. Erster großer Termin wird der G20-Gipfel, der unter deutscher Präsidentschaft im Juli in Hamburg stattfindet. Im November findet dann die nächste Klimakonferenz in Bonn statt, bei dem die Regierungen die Details des Pariser Abkommens ausarbeiten werden.

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